Opel-Poker: VW droht Magna Auftragsentzug an
zuletzt aktualisiert: 14.08.2009 - 16:21Berlin/Bochum (RPO). Europas größter Autobauer VW will die Behandlung von Opel nach einem möglichen Erwerb durch Magna genau unter die Lupe nehmen. "Wir beobachten mit Argwohn was da passiert", sagte Vorstandschef Martin Winterkorn am Freitag in Wolfsburg.
"Bei der Vergabe von neuen Aufträgen werden wir sicher genau überdenken, ob damit eventuell ein Wettbewerbsnachteil für uns entstehen würde." Bei kleinen Zuliefererteilen sehe er keine Probleme, bei komplexen hingegen schon. "Da könne eine Situation entstehen, die für mich nicht akzeptabel wäre."
Der US-Autokonzern General Motors (GM) hält sich bezüglich einer Entscheidung über die konkurrierenden Angebote für seine deutsche Tochter Opel noch bedeckt. GM wie auch die Bundesregierung wollen die nachgebesserten Angebote des Konsortiums um den österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und der belgischen Investmentgesellschaft RHJ International in den nächsten Tagen zunächst prüfen.
Der Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums, Steffen Moritz, sagte in Berlin, die neuen Angebote würden von Bund und den Ländern mit Opel-Standorten jetzt "gründlich geprüft". Er könne aber nicht sagen, wann diese Prüfung abgeschlossen sein wird. Es sei allerdings in erster Linie Sache von GM, diese Angebote für sich zu bewerten. "Das sind Angebote an das Unternehmen und nicht an Bund und Länder", sagte Moritz.
Die sogenannte Opel-Task-Force, die Verhandlungsgruppe von Bund und Opel-Ländern, werde am kommenden Montag zusammenkommen und die nachgebesserten Angebote prüfen, sagte Moritz. "Das ist ein Treffen von Vertretern von Bund und Ländern, es werden an diesem Treffen keine Vertreter der Interessenten Magna und RHJI sowie des Unternehmens GM teilnehmen", sagte Moritz. Es sei ein reines Arbeitstreffen im Rahmen des Verhandlungsteams.
Der Opel-Chefunterhändler von GM, John Smith, teilte mit, dass der Konzern von Magna am Donnerstagmorgen eine neue Offerte erhalten habe und diese jetzt prüfe. Zugleich betonte Smith, dass bislang aber noch keine Einigung über Opel zwischen GM und Magna getroffen worden sei. "Auch auf das Risiko, mich zu wiederholen, das ist nicht der Fall", schrieb Smith in seinem Internet-Blog. Bevor von einer Vereinbarung mit Magna gesprochen werden könne, müsse zunächst der Verwaltungsrat (Board) von GM dem Angebot den Vorzug geben. Anschließend müsse die Opel-Treuhand dieser Entscheidung noch zustimmen.
Damit der Verwaltungsrat sich für eines der beiden Angebote entscheiden könne, werde jetzt ein Vergleich zwischen dem Vertragsentwurf von Magna und dem von RHJI erstellt, schrieb Smith, der zugleich GM Group Vice President ist. Außerdem müsse die deutsche Bundesregierung noch die Bedingungen für das Finanzierungspaket darlegen. Dann erst könne der Board von GM entscheiden. Die nachgebesserte Offerte von RHJI liegt bereits seit Ende Juli vor.
Opel beschäftigt in Deutschland 25 000 Mitarbeiter, 5000 davon in Bochum.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
