Finanzkrise: VW: Durststrecke für Autobranche
zuletzt aktualisiert: 23.10.2008 - 12:18Berlin (RPO). Ferdinand Piëch glaubt nicht, dass die aktuelle Absatzschwäche in der Autoindustrie nur eine Momentaufnahme ist. Die Branche solle sich "auf eine Durststrecke einstellen", sagte der VW-Aufsichtsratschef einer Tageszeitung.
Piëch rechnet aufgrund der internationalen Finanzkrise mit einer längeren Schwächephase in der Autobranche. Die gesamte Weltwirtschaft leide derzeit unter den Verwerfungen auf den Kapitalmärkten, sagte Piëch der "Bild"-Zeitung vom Donnerstag. Die Finanzkrise verstärke die ohnehin schon seit längerem schwache Konjunktur.
"Wann wir aus diesem Tal wieder aufsteigen, kann keiner sagen." Die Autobranche solle sich jedoch "auf eine Durststrecke einstellen." Im Machtkampf bei VW im Zuge der bevorstehenden Übernahme durch Porsche stärkte Piëch dem Stuttgarter Sportwagenhersteller den Rücken.
Keine staatliche Hilfen
Piëch zeigte sich überzeugt, dass die Krise das VW-Geschäft langfristig positiv beeinflussen wird. Forderungen nach staatlichen Hilfen für die Autohersteller lehnte der Aufsichtsratschef jedoch ab. "Wir wollen keinen Subventionswettlauf, wir brauchen einen fairen Wettbewerb", sagte der Manager der Zeitung. Dazu gehöre auch eine europaweite CO2-Gesetzgebung, die ökologisch und ökonomisch sinnvoll sei.
Piëch schlug vor, über Kaufanreize für umweltfreundliche Autos nachzudenken: "Wenn wir in Deutschland alle Fahrzeuge, die älter als acht Jahre sind, durch moderne Modelle ersetzen, würden wir auf einen Schlag pro Jahr 11,2 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das hilft der Umwelt mehr als Strafzahlungen, wie sie die Europäische Kommission will", sagte der VW-Aufsichtsratschef. Die Bundesregierung hatte wegen der Finanzkrise in den vergangenen Tagen ein Konjunkturprogramm für die Autoindustrie in Aussicht gestellt, das Steuervorteile beim Kauf schadstoffarmer Autos vorsieht.
VW-Übernahme sinnvoll
Die bevorstehende Übernahme von VW durch Porsche bezeichnete Piëch als den richtigen Schritt "für beide Unternehmen und die Automobilindustrie in Deutschland". Gegen den Zusammenschluss der Konzerne sei "überhaupt nichts einzuwenden". Piëch betonte: "Wir alle wollen dieses Vorhaben erfolgreich abschließen." Die Porsche-Eigentümerfamilien Piëch und Porsche würden diesbezüglich "an einem Strang ziehen". Porsche hält derzeit rund 35 Prozent der VW-Aktien und will seine Beteiligung an dem Wolfsburger Autobauer noch im November auf über 50 Prozent erhöhen.
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