Porsche-Übernahme abgesegnet: VW schluckt auch Karmann
zuletzt aktualisiert: 20.11.2009 - 13:31Hamburg/Düsseldorf (RPO). Das Auto-Imperium von Ferdinand Piech ist fast perfekt: Der VW-Aufsichtsrat hat am Freitag der Übernahme von Porsche zugestimmt, außerdem übernimmt Volkswagen auch große Teile des Autobauers Karmann. Doch damit dürfte das Streben von Ferdinand Piech nach Größe noch nicht gestillt sein.
Wie der Konzern am Freitag mitteilte, wird auf dem Firmengelände von Karmann in Osnabrück eine Volkswagen-Tochtergesellschaft ab 2011 eine Fahrzeugproduktion mit 1.000 Jobs aufnehmen. Dazu werden Maschinen, Anlagen und Grundstücken von Karmann gekauft. VW will nach aktuellen Planungen bis 2014 mehr als 1000 Arbeitsplätze schaffen. Kurzfristig würden bereits im kommenden Jahr rund 200 Spezialisten zum Anlauf und zum Projektstart benötigt.
Wie die IG Metall zusätzlich mitteilte, verdienen die neuen Mitarbeiter in Osnabrück zunächst weniger Geld als andere VW-Arbeiter. Es gelte grundsätzlich der Flächentarifvertrag. Für den Zeitraum bis Ende 2014 werde ein Ergänzungstarifvertrag abgeschlossen, mit dem die Beschäftigten auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten. Ab 2015 gilt der Flächentarifvertrag ohne Abstriche, wie die IG Metall erklärte.
Piech plant Riesenkonzern
Wenn am Freitag nach dem VW-Aufsichtsrat auch die Porsche-Eigner das Vertragswerk zur Porsche-Übernahme absegnen, kann Europas größter Autokonzern den Stuttgarter Sportwagenbauer als zehnte Marke integrieren. Auch mit der Übernahme der Autozulieferer Karmann dürfte aber das Streben von Piech nach Größe noch nicht gestillt sein.
Unter dem Dach des Wolfsburger Volkswagen-Konzerns soll nach seinen Vorstellungen ein Riesenkonzern entstehen, der vom sparsamen Kleinwagen über den Supersportwagen bis hin zu Schwerlastern alles im Angebot hat, was auf den Straßen rollt. Der Porsche-Enkel hatte sich schon vor längerer Zeit auf die Fahnen geschrieben, VW neben dem Pkw-Geschäft auch bei Lastwagen in eine führende Rolle zu bringen. In einem ersten Schritt beteiligte er sich zunächst an dem schwedischen Lkw-Bauer Scania, der inzwischen als neunte Marke zu Volkswagen gehört. Es wird erwartet, dass Piech auch die Mehrheit an dem Lkw-Bauer MAN anstrebt, an dem VW bereits knapp 30 Prozent hält.
Langfristig könnte der japanische Kleinwagenspezialist Suzuki als zwölfte Marke hinzukommen, auf den Piech ein Auge geworfen hat. Davor will das VW-Management allerdings die in mehreren Schritten bis 2011 geplante Verschmelzung mit Porsche über die Bühne bringen.
VW erweitert Vorstand um Audi-Chef Stadler
Audi-Chef Rupert Stadler rückt in den Vorstand des Volkswagenkonzerns auf. Der VW-Aufsichtsrat berief nach einer Mitteilung den 46-Jährigen am Freitag in die oberste Konzernspitze. Als neuer Konzern-Vertriebschef wurde der Österreicher Christian Klingler in den Vorstand berufen, er leitete bisher den Vertrieb der Marke VW.
Beide neuen Vorstände behalten ihre bisherigen Zuständigkeiten bei. Unter Stadler ist Audi in Europa an den Oberklasse-Konkurrenten Mercedes und BMW vorbeigezogen. Klingler hatte erst im August 2008 den Vertrieb der Marke VW übernommen. Der VW-Absatz war im laufenden Jahr sehr erfolgreich.
Der Vorstandsvertrag von Arbeitsdirektor Horst Neumann (60) wurde verlängert. Der bisherige Vertriebschef Detlef Wittig (67) übernimmt internationale Beteiligungsprojekte.
Porsche hatte sich verhoben
Porsche hatte sich mit der Übernahme von VW überhoben und mit komplexen Finanzgeschäften einen Schuldenberg aufgehäuft, der den Sportwagenbauer zu erdrücken drohte. Um den Verlust ihres Vermögens zu verhindern, stimmten die Porsche-Eigner, die Familien Porsche und Piech, dem Zusammenschluss mit Volkswagen zu.
Mit dem als ersten Schritt vereinbarten Teilverkauf der Porsche AG an VW kann der Stuttgarter Sportwagenbauer seine Schuldenlast deutlich reduzieren. Zuletzt stand die börsennotierte Porsche Holding, die bislang die Porsche AG und die 51-Prozent-Beteiligung an VW kontrolliert, mit mehr als zehn Milliarden Euro bei den Banken in der Kreide.
Im Zuge des VW-Einstiegs sollen Porsche noch in diesem Jahr 3,9 Milliarden Euro zufließen; damit kann die Verschuldung auf zunächst 8,5 Milliarden Euro gesenkt werden. Der Wert der Porsche AG wurde einschließlich Schulden bislang auf gut zwölf Milliarden Euro taxiert. Eine gutachterliche Bewertung steht allerdings noch aus. VW-Minderheitsaktionäre monieren, dass die Details der seit Monaten verhandelten Transaktionen bislang im Dunkeln blieben, sie halten den Kaufpreis für Porsche für überhöht.
Seine Macht demonstriert VW künftig auch in der Führungsriege von Porsche. Wenn die Porsche-Verträge an diesem Freitag unterschrieben sind, rücken VW-Chef Martin Winterkorn und Finanzchef Hans Dieter Pötsch mit sofortiger Wirkung an die Spitze der Porsche Holding und ersetzen dort die geschassten Manager Wendelin Wiedeking und Holger Härter, die in den vergangenen Jahren die Kontrolle über VW angestrebt hatten.
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