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Abgasskandal
Immer mehr Investoren verklagen Volkswagen

Diese Marken gehören zu Volkswagen
Diese Marken gehören zu Volkswagen FOTO: dpa, woi vfd tmk
Wolfsburg. Während die Mächtigen bei VW auf einer Betriebsversammlung Einigkeit beschwören, wird in Frankreich wegen Betruges ermittelt. Gleichzeitig rollen immer mehr Klagen auf die Wolfsburger zu. Von Florian Rinke

In seinem größten Hit singt Peter Maffay: "Über sieben Brücken musst du geh'n, sieben dunkle Jahre übersteh'n." Bei Volkswagen, wo der Altrocker am Dienstag bei der Betriebsversammlung zu den Beschäftigten sprach, hoffen sie, dass es so lange nicht dauert.

Am liebsten würden die Verantwortlichen schon jetzt den Blick auf andere Dinge richten, statt immer nur über den Abgasskandal zu sprechen. "Wir wurden – zu Recht – hart für die Fehler der Vergangenheit kritisiert", sagte VW-Chef Matthias Müller. Doch man müsse nun zeigen, dass "Volkswagen mehr ist als Krise". Es gehe um Trends wie das Auto als Teil des Internets oder Elektromobilität. Auch Peter Maffay, der sich zusammen mit VW seit Langem für wohltätige Zwecke einsetzt, passte gut in dieses Bild.

Doch so einfach ist es nicht, denn in schöner Regelmäßigkeit gibt es neue Klagen, Ermittlungen, Wendungen in diesem seit mehr als einem halben Jahr andauernden Skandal.

Zahl der Beschuldigten erhöht sich

Auch am Dienstag wieder: Erst gab die Staatsanwaltschaft Braunschweig bekannt, dass sich die Zahl der Beschuldigten von sechs auf 17 erhöht habe. Wenig später kündigte die Staatsanwaltschaft in Paris an, dass sie Ermittlungen gegen VW wegen schweren Betruges eingeleitet habe. Und dann meldete auch noch die Nachrichtenagentur Reuters, dass sich der Versicherungskonzern Allianz in den kommenden Tagen über seinen Vermögensverwalter AGI an einer Sammelklage von Anlegern gegen VW beteiligen werde.

Und als wäre all das nicht genug, steigt parallel auch die Zahl der Autobesitzer in Europa, die sich einer geplanten Sammelklage anschließen wollen. Im Januar waren es noch rund 60.000, nun sind es bereits knapp 80.000. Der Großteil seien Fahrzeugbesitzer, die über den österreichischen Verbraucherverband VKI zur Stiftung geführt worden seien, sagt Anwalt Julius Reiter, dessen Kanzlei Baum, Reiter und Kollegen die Stiftungsklage in Deutschland organisiert. Diese muss über ein niederländisches Stiftungsmodell abgewickelt werden, weil es in Deutschland in diesem Fall keine rechtliche Möglichkeit zur Sammelklage gibt.

Betriebsversammlung gleicht einer Großveranstaltung

Auch VW-Chef Müller weiß, dass es nicht leicht wird, die guten Seiten von VW wieder in den Vordergrund zu stellen. "Wir werden Geduld, Beharrungsvermögen und auch eine gewisse Frustrationstoleranz aufbringen müssen", betonte er vor Tausenden Beschäftigten bei der Betriebsversammlung. Es war die dritte seit Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen im September - und sie glich erneut einer Großveranstaltung. Auf dem Podium in Halle 11 herrschte Gedränge: Neben dem VW-Vorstand war Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gekommen - und natürlich der mächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Die zahlreichen Ermittlungen samt damit verbundener möglicher Schadenersatzzahlungen machen auch Osterloh unruhig. Eine extrem hohe Milliardenstrafe in den USA könnte die Zukunftsfähigkeit von VW gefährden und hätte auch soziale Folgen, warnte er: "Wir hoffen sehr, dass die US-Behörden diese soziale und beschäftigungspolitische Dimension im Blick haben."

Transparenz ist der einzige Ausweg

Entscheidend dafür dürfte sein, wie aufrichtig VW die Aufräumarbeiten vorantreibt. Das weiß auch Osterloh: Management wie Betriebsrat stünden für rückhaltlose Transparenz, "denn nur, wenn die Aufklärung vollständig und umfassend erfolgt, können wir weiteren Schaden von unserem Unternehmen und damit auch von unseren Arbeitsplätzen abwenden".

Medienberichte, VW verschleppe oder vertusche die Aufklärung, wies Konzernchef Müller deshalb deutlich zurück: "Wir sind dabei, schonungslos aufzuklären, wer für das Geschehen verantwortlich ist." Vorstände zählen dazu offenbar nicht - zumindest wird gegen sie bislang noch nicht ermittelt.

Quelle: RP
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