| 15.59 Uhr

2,4 Millionen VW-Autos betroffen
Dobrindt: Rückrufaktion für jeden Halter verpflichtend

Die großen Skandale der Auto-Industrie
Die großen Skandale der Auto-Industrie
Wolfsburg . Im Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte zwingt das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Volkswagen zum Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen.

"Wir ordnen den Rückruf an", sagte ein Sprecher der Flensburger Behörde am Donnerstag. Die von VW vorgeschlagene freiwillige Reparatur lehne die Zulassungsbehörde ab. VW hatte dem KBA Anfang Oktober einen Plan dazu vorgelegt, die mit der Betrugssoftware ausgestatteten Fahrzeuge in Deutschland in Ordnung zu bringen.

Die Rückrufaktion sei für jeden Halter verpflichtend, sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Donnerstag in Berlin. Der behördlich angeordnete Weg in die Werkstatt werde sich bis weit ins Jahr 2016 ziehen. Für konkretere Aussagen zum Zeitplan sei es noch zu früh, da viele technische Details der Nachbesserung in den Werkstätten noch zu klären seien. Die betroffenen Autofahrer müssen nicht aktiv werden, sie bekommen demnächst Post. In den Schreiben wird das weitere Vorgehen erklärt.

Derweil hat sich die US-Handelsbehörde FTC den Untersuchungen anderer US-Behörden angeschlossen. In den USA ermitteln bereits die Umweltbehörde EPA sowie das Justizministerium gegen den Wolfsburger Autokonzern. Volkswagen droht wegen der 500.000 von dem Abgasskandal betroffenen Dieselfahrzeuge in den USA eine Strafzahlung der EPA in Höhe von bis zu 18 Milliarden Dollar.

Die FTC ermittelt unter anderem wegen irreführender Werbung. In den Vereinigten Staaten ist Diesel-Treibstoff teurer als normales Benzin. VW hatte daher in den USA für seine Dieselfahrzeuge mit dem Hinweis auf den geringeren Schadstoffausstoß geworben.

EU-Binnenmarktkommissarin Elzbieta Bienkowska forderte den Autokonzern auf, alle Fakten so schnell wie möglich auf den Tisch zu legen. "Diese Affäre muss vollständig aufgeklärt werden, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Die Offenlegung sei "im Interesse Volkswagens und der gesamten europäischen Autoindustrie". Bienkowska kündigte zudem die Verschärfung der Abgastests zur Zulassung neuer Fahrzeuge an. "Bis Ende des Monats werden wir neue Abgastests auf den Weg bringen", sagte sie. Dabei würden "die tatsächlichen Stickstoffemissionen im Straßenverkehr" gemessen. "Die Zeit der Labortests ist vorbei", sie die EU-Kommissarin.

Volkswagen hatte im September eingeräumt, bei Umwelttests von Dieselfahrzeugen in den USA die Abgaswerte manipuliert zu haben. Durch eine entsprechende Software wurde bei den Tests ein niedrigerer Schadstoffausstoß gemessen als im Normalbetrieb. Die Software wurde weltweit in elf Millionen Dieselfahrzeuge eingebaut.

Der Abgasskandal zieht offenbar immer weitere Kreise: Am Mittwoch berichtete der "Spiegel" unter Berufung auf Ermittlungen der US-Anwaltskanzlei Jones Day, dass mindestens 30 Manager an dem Betrug beteiligt gewesen seien. VW erklärte auf Anfrage, die Zahl entbehre "jeglicher Grundlage". Der neue VW-Chef Matthias Müller hatte auf einer Betriebsversammlung vergangene Woche erklärt, dass "nur wenige Mitarbeiter" an der Manipulation beteiligt gewesen seien.

Am Mittwoch verließ der Chef der tschechischen VW-Tochter Skoda, Winfried Vahland, den Konzern. Er sollte ursprünglich Nordamerika-Chef werden. Die VW-Führungsriege will am Donnerstag in Leipzig über das weitere Vorgehen in der Krise beraten.

(AFP)
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