Die Aktie wird zum Zockerpapier: VW zeitweise wertvollster Konzern der Welt
zuletzt aktualisiert: 28.10.2008 - 23:03Frankfurt/Main (RPO). Der Höhenflug der VW-Aktie blieb auch am Dienstag ohne Limit. Das Papier legte um mehr als 80 Prozent zu. Es liegt nun bei 945 Euro. Zwischenzeitlich war VW sogar über 1000 Euro geklettert. Der Autobauer war mit einem Börsenwert von rund 300 Milliarden Euro wertvollster Konzern der Welt.
Analysten zufolge wird der Kurs unverändert von Short-Positionen spekulativer Anleger getrieben, die auf fallende VW-Kurse gesetzt hatten und nun Nachkaufen müssen.
Am Dienstagnachmittag notierten die VW-Papiere mit einem Aufschlag von 55 Prozent bei 815,00 Euro. Bereits am Montag waren die Aktien um rund 147 Prozent geklettert. Händler hatten dies als "grotesk" bezeichnet.
Die Deutsche Börse hat nach eigenen Angaben, noch "keine Pläne für eine Aussetzung der VW-Aktie". Ein Sprecher sagte: "Die Börse richtet sich nach den Regularien". Der Titel würde demnach erst aus dem Handel genommen, wenn der Anteil frei handelbarer Aktien, die Grenze von fünf Prozent unterschreite. Nach dem derzeitigen Stand beträgt der Free-Float knapp sechs Prozent.
Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hat angesichts der erneuten Kursexplosion der VW-Aktie eine Aussetzung der Aktie vom Handel gefordert. In einem Interview der Deutschen Welle sagte Klaus Schneider, Vorsitzender der zweitgrößten Interessenvertretung für Anleger in Deutschland: "Die Kursentwicklung verfälscht den DAX und die Entwicklung des Eurostoxx. Insofern sind die Voraussetzungen für eine Handelsaussetzung gegeben."
Schneider bezeichnete die Bewertung der VW-Aktie als "jenseits des Darstellbaren". Der Wert dürfte im Vergleich mit BMW oder Mercedes "nur bei 50 bis 70 Euro liegen".
Trotz des Kursanstiegs will der zweitgößte VW-Aktionär Niedersachsen seine Papiere jedoch nicht zu Geld machen. "Das ist ein sehr attraktiver Preis", sagte Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires. "Wir spekulieren und zocken nicht."
Nach Berichten der "Financial Times" (Dienstagausgabe) belaufen sich die Verluste für Hedge-Fonds aus Wetten auf fallende Kurse derweil auf über 40 Milliarden Euro. Da die Zahl der frei handelbaren VW-Aktien stark zurückgegangen ist, wird deren Erwerb immer schwieriger - und treibt den Preis. Zum Handelsschluss am Montag hatten sich die Marktkapitalisierung von VW der Zeitung zufolge auf 153 Milliarden Euro summiert, mehr als bei allen europäischen und US-amerikanischen Autobauern zusammen.
Porsche hält nach eigenen Angaben bereits über 42,6 Prozent der VW-Anteile und hat Optionen auf weitere 31,5 Prozent. In den kommenden Wochen wollen die Stuttgarter die 50-Prozent-Hürde nehmen. Für 2009 ist ein Beherrschungsvertrag geplant. Dann will die Holding 75 Prozent an VW halten. Mit der Mitteilung vom Sonntag wollten die Stuttgarter nach eigenen Angaben Short-Sellern "Gelegenheit geben, ihre Positionen in Ruhe und ohne größeres Risiko aufzulösen".
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
