Banken könnten Fusion verhindern: Wackelt die Ehe zwischen Conti und Schaeffler?
zuletzt aktualisiert: 03.03.2009 - 11:59Hannover (RPO). Nach einem Gerichtsbeschluss darf der Chefberater des fränkischen Familienkonzerns vorerst nicht in den Aufsichtsrat von Continental einziehen. Zudem erwägen Banken offenbar eine komplette Übernahme der Conti-Aktien. Die geplante Ehe zwischen den beiden Autozulieferern könnte damit vor dem Aus stehen.
Erstmals nach der Übernahme von Conti durch den kleineren Konkurrenten Schaeffler trifft am kommenden Freitag der Aufsichtsrat von Continental in neuer Besetzung zusammen. Auf der Tagesordnung des 20-köpfigen Kontrollgremiums, dem mittlerweile vier Vertreter von Schaeffler angehören, steht unter anderem die Wahl eines neues Vorsitzenden.
Nach dem Willen der Familie Schaeffler sollte Rolf Koerfer, bislang Chefberater des fränkischen Familienkonzerns, den bisherigen Conti-Oberkontrolleur Hubertus von Grünberg ablösen. Nach der Beschwerde eines Aktionärs stoppte das Landgericht Hannover jedoch die Bestellung Koerfers. Ein Sprecher des Gerichts sagte der "Financial Times Deutschland": "Er darf auch nicht an der Sitzung teilnehmen."
Wie aus Aufsichtratskreisen verlautete, will das Gremium bei der Sitzung einen Bericht von Conti-Chef Karl-Thomas Neuman zur Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Continental und Schaeffler entgegennehmen und sich mit dem Jahresabschluss von Conti für 2008 befassen. Conti hatte mit 1,124 Milliarden Euro den größten Verlust in der Firmengeschichte verbucht.
Chefberater sorgt für Interessenskonflikt
Noch vor der Sitzung am Freitag hatte Christian Strenger, der auch Mitglied in der Regierungskommission für gute Unternehmensführung ist, als Aktionär gegen die Berufung Koerfers Beschwerde eingelegt. Er begründet den Schritt mit einem Interessenkonflikt. "Herr Koerfer ist Chefberater der Schaeffler-Gruppe. Er müsste aber laut Gesetz allein die Interessen der Continental AG vertreten. Dieser Konflikt wird aufgrund der Finanzsituation von Schaeffler von juristischen Experten als so gravierend angesehen, dass eine Ausübung des Aufsichtsratsvorsitzes von vornherein ausscheidet", sagte Strenger der Zeitung.
Das Amtsgericht hatte Koerfers Bestellung in den Aufsichtsrat Anfang Februar durchgewunken. Das Landgericht stoppte dies nun und räumte den Conti-Aufsichtsräten eine Frist zur Stellungnahme bis kommenden Dienstag ein. Danach werde entschieden, ob ein Interessenkonflikt vorliegt, sagte der Sprecher des Landgerichts.
Banken könnten Fusion platzen lassen
Zudem droht der Fusion offenbar Gefahr von Seiten der Banken, bei denen der Konzern mit rund zehn Milliarden Euro in der Kreide steht. Die Finanzinstitute erwägten die von dem Familienunternehmen erworbenen Conti-Aktien in eigenen Besitz zu übernehmen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Bei Schaeffler dementierte man bislang entsprechende Berichte.
Schaeffler-Sprecher Detlef Sieverdingbeck erklärte, einer solchen Transaktion habe Schaeffler nicht zugestimmt. Ein Conti-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Die Zeitung berichtete zudem, dass Schaeffler angesichts drohender Insolvenz nur noch vier bis sechs Wochen Zeit für eine Lösung habe. "Wir sind weder zahlungsunfähig noch befinden wir uns in einem Insolvenzszenario", wies Sieverdingbeck dies zurück.
Arbeit an Fortführungskonzept
Schaeffler mit Sitz im fränkischen Herzogenaurach hatte im vergangenen Sommer den Reifenhersteller Continental aus Hannover für rund zehn Milliarden Euro erworben. Nach Angaben der IG Metall hat Schaeffler allerdings inzwischen Schwierigkeiten, die monatlichen Kreditzinsen von 70 Millionen Euro zu bezahlen.
Im Februar hatte Firmeninhaberin Maria-Elisabeth Schaeffler um finanzielle Staatshilfen im Volumen von rund fünf bis sechs Milliarden Euro gebeten. Das für eine Entscheidung der Bundesregierung geforderte Fortführungskonzept hat Schaeffler bisher nicht vorgelegt. Sieverdingbeck erklärte, das Unternehmen arbeite "unter Hochdruck" daran. Ein solches Konzept müsse tragfähig und überzeugend sein. Dies brauche seine Zeit. Dafür hätten auch alle Beteiligten Verständnis.
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