Speicher sind noch voll: Warnung vor neuem Gas-Engpass in Europa
zuletzt aktualisiert: 06.11.2009 - 09:02München (RPO). Deutschlands größter Gasimporteur Eon Ruhrgas warnt vor einem neuen Energiekonflikt in Europa. "Die Probleme zwischen Russland und der Ukraine sind nach wie vor nicht gelöst."
Das sagte Ruhrgas-Chef Bernhard Reutersberg der "Süddeutschen Zeitung". Die Branche schaue schon seit einer Zeit gespannt nach Kiew: "Niemand weiß, wie lange die Ukraine zahlen kann." Eine Eskalation sei grundsätzlich nicht auszuschließen. Wegen eines Streits um die Bezahlung hatte der russische Gasriese Gazprom Anfang des Jahres die Gaslieferungen nach Europa für mehrere Tage gestoppt. Vor allem in Osteuropa waren viele Haushalte ohne Gas.
Deutschland bezieht rund 40 Prozent seiner Gasimporte aus Russland. Die Versorgung sei aber auch im Fall eines neuen Lieferstopps gesichert, sagte Reutersberg. "Die Speicher in Westeuropa sind voll - auch die in der Ukraine." Ruhrgas habe auch im vergangenen Winter die Ausfälle in Deutschland ausgleichen und sogar Aushilfsmengen nach Mittel- und Osteuropa liefern können. "Selbst in einem harten Winter können wir unsere Kunden für einen Monat oder länger versorgen."
Die Gaspreise für die Verbraucher werde Eon Ruhrgas vorerst nicht senken, sagte Reutersberg der "SZ". "Über den Jahreswechsel bleiben die Verbraucherpreise von Eon auf aktuellem Niveau." Wie sie sich danach entwickelten, lasse sich noch nicht sagen. Der Gaspreis sei in vielen Verträgen an den Ölpreis gekoppelt, "und der fährt zur Zeit Achterbahn".
Schweden und Finnland stimmen Gaspipeline zu
Die Regierungen Schwedens und Finnlands haben am Donnerstag der Verlegung der Gaspipeline Nord Stream zugestimmt. Zunächst wurde die Entscheidung von Schwedens Umweltminister Andreas Carlgren bekanntgegeben, anschließend von der Regierung in Helsinki. Die 1220 Kilometer lange Pipeline soll für 7,4 Milliarden Euro von Russland nach Greifswald verlegt werden.
Schweden genehmige den Bau der Pipeline "in den internationalen Gewässern innerhalb der schwedischen Wirtschaftszone", erklärte Carlgren. Die finnische Regierung hob hervor, dass bei der Verlegung der Untersee-Pipeline darauf geachtet werden müsse, eine Schädigung der Ostsee "mit allen Mitteln zu verhindern und zu verringern". Nach der Zustimmung der Regierung muss in Finnland noch eine Aufsichtsbehörde grünes Licht geben. Ohnehin steht noch die Zustimmung der Regierungen in Moskau und Berlin aus.
Federführend bei Nord Stream ist mit einem Anteil von 51 Prozent der russische Gasriese Gazprom, beteiligt sind aber auch - mit jeweils 20 Prozent - Eon Ruhrgas und die BASF-Tochter Wintershall sowie mit neun Prozent die niederländische Gasunie. Bis zum Herbst 2011 soll eine erste Röhre fertiggestellt werden, im Folgejahr die zweite. Dänemark hatte bereits am 20. Oktober seine Zustimmung erteilt. In den Baltenrepubliken und vor allem in Polen hat das Projekt Kritik hervorgerufen, weil sie befürchten, dass ihnen der Gashahn zugedreht werden könnte, wenn sie nicht mehr als Transitländer benötigt werden.
Nach der Fertigstellung der zweiten Röhre können pro Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach Westen gepumpt werden. Dies entspricht elf Prozent des Gesamtbedarfs der EU. In den vergangenen Jahren hatte Russland wiederholt mit Lieferstopps gedroht und sogar tatsächlich den Gashahn zugedreht, weil die Ukraine ihre russischen Gaslieferungen nicht vertragsgemäß bezahlte und Russland daraufhin zu Gegenmaßnahmen griff. Davon war auch Europa betroffen, da ein großer Teil des Gases aus Russland über die Ukraine in Richtung Westen geliefert wird.
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