Investmentbanking als große Trumpfkarte: Warum die Deutsche Bank gut dasteht
zuletzt aktualisiert: 28.07.2009 - 11:41Frankfurt (RPO). In Frankfurt trotzt man der Finanzkrise: Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal einen Gewinn von 1,1 Milliarden Euro verbucht. Mit geschicktem Investmentbanking und dem gezielten Abbau von Risikopositionen brachte Bankchef Josef Ackermann den Konzern auf Kurs. Ein paar Schönheitsflecken in der Bilanz bleiben jedoch: Das 25-Prozent-Renditeziel wurde verfehlt, die Risikovorsorge versiebenfacht.
"Wir haben unsere Kosten gesenkt, die Risiken in unserer Bilanz verringert sowie unsere Kapital- und Liquiditätsposition gestärkt", sagte Ackermann und bezeichnete die Entwicklung als sehr zufriedenstellend. Man habe im zweiten Quartal die "günstigen Bedingungen an den Finanzmärkten genutzt".
Die Deutsche Bank hatte von der Erholung an den Finanzmärkten profitiert und das Konzernergebnis steigern können. Der Branchenprimus fuhr das zweite Quartal in Folge einen Milliardengewinn ein. Die Zahlen sind beachtlich: Die erzielten 1,1 Milliarden Gewinn im Zeitraum von April bis Juni entsprechen einem Anstieg von 67 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Vor Steuern betrug der Gewinn 1,3 Milliarden Euro, die Erträge liegen bei 7,9 Milliarden.
Dank der verbesserten Marktlage konnte das Frankfurter Institut im Kerngeschäft, dem lange krisengeschüttelten Investmentbanking, groß auftrumpfen. Die größte Bank Deutschlands kassierte hier vor Steuern einen Gewinn von 828 Millionen Euro, nachdem vor Jahresfrist inmitten der Finanzkrise hier noch rote Zahlen gestanden hatten. Das Institut profitierte vor allem vom gut laufenden Wertpapier-Geschäft mit Großanlegern wie Unternehmen, Versicherungen oder Staaten.
Investmentbanking boomt
Der Boom im Investmentbanking kommt nicht von ungefähr. Unternehmen und Staaten, die Milliarden zur Rettung der Finanzbranche zur Verfügung gestellt haben, brauchen Geld. "Die Notenbanken helfen den Finanzinstituten durch günstige Refinanzierung. Die Banken nutzen das Geld, das sie günstig bekommen, um es dem Staat in Form von Anleihen zurückzugeben und an der Emission der Anleihen zu verdienen", sagt Bankenexperte Wolfgang Gerke.
Nach Angaben von Helmut Hipper, Fondsmanager bei Union Investment, wird zur Zeit 50 Prozent des Finanzierungsbedarfs der deutschen Großunternehmen über Anleihen gedeckt. "Viele Firmen refinanzieren sich derzeit weniger über Kredite als über Anleihen, auch weil die Banken vorsichtiger bei der Kreditvergabe geworden geworden sind", sagt Hipper. Hinzu komme, dass mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers viele Institute ihre Kapazitäten im Investmentbanking abgebaut hätten, so dass sich die Margensituation verbessert habe.
Auch wirkt sich für die Deutsche Bank vorteilhaft aus, dass man anders als etwa die Commerzbank relativ zur Kapitalbasis nicht so große und damit riskante Einzelengagements hat. Zudem begann Ackermann insbesondere im vierten Quartal 2008 mit dem gezielten Abbau von Risikopositionen im Handelsbuch. Mit Erfolg: Das Unternehmen reduzierte die Risikobestände um sieben Prozent - und hilft damit auch der von den Investoren genau beäugten Kapitalausstattung. Die Deutsche Bank kommt jetzt auf eine Kernkapitalquote von 11,0 Prozent nach lediglich 10,2 Prozent Ende März.
Dennoch kam auch das Frankfurter Institut nicht ungeschoren durch die Krise: Größter Wermutstropfen ist die auf eine Milliarde Euro versiebenfachte Risikovorsorge. Dies belegt die erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit der Kredite im Firmen- und Privatkundengeschäft.
Auch das Renditeziel von 25 Prozent vor Steuern erreichte die Deutsche Bank anders als im ersten Quartal nicht: Gerade wegen Sonderbelastungen wie der deutlich höheren Vorsorge für Kreditausfälle fiel der Wert auf 16 Prozent.
Aktienkurs fällt
Segmente wie die Vermögensverwaltung und das Privatkundengeschäft schnitten zudem deutlich schwächer ab. Weil Experten die Erwartungen in wichtigen Geschäftsbereichen nicht erfüllt sehen, folgte prompt eine kleine Abreibung am Aktienmarkt: Schon kurz nach Handelsbeginn am Dienstag sackten die Papiere des Branchenprimus um 4,99 Prozent auf 49,43 Euro ab.
Mit Blick auf den weiteren Geschäftsverlauf äußerte sich Vorstandschef Ackermann daher weiterhin extrem vorsichtig. "Der Ausblick für das verbleibende Jahr 2009 hängt stark davon ab, wie es mit der Entwicklung der globalen Wirtschaft weitergeht", sagte er. Zwar erkenne er eine Stabilisierung der Bankenbranche und an den weltweiten Finanzmärkten, eine genaue Prognose für das Jahr wolle er jedoch nicht wagen.
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