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Proteste in Bochum und Duisburg: Warum die Thyssen-Mitarbeiter auf die Straße gehen

VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 11.05.2009 - 14:25

Düsseldorf (RPO). Die Beschäftigten von ThyssenKrupp in Bochum, Duisburg und Lippstadt gehen auf die Straße. Sie protestieren gegen den drohenden Arbeitsplatzverlust. Dabei hat das Management des Konzerns immer betont, es wolle in der Stahlkrise ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Ob das allerdings gelingt, ist zweifelhaft.

Nach verschiedenen Demonstrationen in den vergangenen Wochen wird am heutigen Montag mit der bislang größten Protestaktion der Beschäftigten gegen den Konzernumbau und die erwarteten Stellenstreichungen gerechnet. Sie protestieren damit gegen einen radikalen Konzernumbau, den der Aufsichtsrat voraussichtlich am kommenden Mittwoch beschließen wird. Dabei werden auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen.

Grund für die Proteste ist ein von ThyssenKrupp geplantes Sparprogramm und ein geplanter radikaler Konzernumbau. In der Rezession ist die Nachfrage nach Stahl deutlich eingebrochen. Der Absatz der deutschen Stahlproduzenten erreichte im April einen historischen Tiefstand. Im Vergleich zum Vormonat sank die Produktion im April den Angaben zufolge bei Roheisen um 14,7 Prozent und bei Rohstahl um 9,0 Prozent. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres wurden bundesweit 5,54 Millionen Tonnen Roheisen und 9,16 Millionen Tonnen Rohstahl hergestellt. Gegenüber zum Vorjahr sei die Roheisenproduktion damit um 44,9 Prozent und die Rohstahlproduktion um 43,0 Prozent gesunken.

Das Unternehmen plant daher Einsparungen von mehr als 1,5 Milliarden Euro. Alleine in der Stahlsparte will der Konzern dabei bis Ende September 2010 zwischen 1500 und 2000 Stellen streichen. Außerdem will ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz die Krise nutzen, um alte Zöpfe abzuschaffen: Die Führung des Konzerns soll deutlich gestrafft, die Führung zentralisiert werden. Der Konzernumbau ist der größte seit der Fusion von Thyssen und Krupp vor gut zehn Jahren. Der Konzern soll deutlich gestrafft werden. Die bisher fünf eigenständigen Aktiengesellschaften mit jeweils eigenen Gremien waren vor allem ein Tribut an die Fusion von Thyssen und Krupp 1999 und sollen zusammengelegt werden. Nach Informationen unserer Redaktion wird dabei nach derzeitigen Plänen am Ende nur noch die umsatzstärkste Stahlsparte als eigenständige Aktiengesellschaft erhalten bleiben, die gleichzeitig die meisten Mitarbeiter beschäftigt. ThyssenKrupp-Chef Schulz bezeichnet das Konzept mit den Schlagworten "schlanker, besser und schneller".

Das traditionell gute Verhältnis von ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz zur Gewerkschaft IG Metall belasten die Umbaupläne seit langem. Hintergrund ist die Weigerung des Konzern-Chefs, eine Garantie zu unterschreiben, nach der der Konzern ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen sollen. Zwar betonte er mehrfach, den Konzernumbau und den damit verbundenen Stellenabbau möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen durchführen zu wollen, ausschließen möchte er sie aber auch nicht.

IG Metall und Betriebsrat befürchten Maßnahmen auf Kosten von Arbeitsplätzen und Standorten. Auch die Mitbestimmung könnte bei bisher geplanten Konzernumbau unter die Räder kommen, fürchten sie. Gewerkschafts-Pressesprecher Wolfgang Nettelstroth sieht bei der geplanten strafferen Führung des Unternehmens, dass künftig viele wichtige Entscheidungen ohne Mitbestimmung der Arbeitnehmer auf den niedrigeren Konzernebenen getroffen werden könnten, statt wie bisher durch die sieben mitbestimmten Aufsichtsräte der Sparten. Gerade die starke Mitbestimmung der Arbeitnehmer ist für den Konzern prägend. Es gebe eine "lange Tradition verantwortlicher Zusammenarbeit, der sich auch künftig die Arbeitgeberseite nicht entziehen dürfe", so Nettelstroth.

Mit Agenturen


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