IKB-Verkauf: Warum Lone Star siegte
VON ALEXANDER VON GERSDORFF - zuletzt aktualisiert: 23.08.2008 - 10:11Düsseldorf (RP). Das Angebot des texanischen Finanzinvestors Lone Star Funds für die angeschlagene Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB war offenbar konkurrenzlos gut. Das erfuhr unsere Zeitung aus dem Umfeld der KfW-Spitze. Gegenbieter war die Brüsseler Beteiligungsgesellschaft RHJ International (RHJI), die ihrerseits zum US-Finanzkonzern Ripplewood gehört. Deutschland-Chef von RHJI ist Leonhard Fischer, Ex-Vorstandsmitglied der Dresdner Bank.
Beide Angebote seien intensiv geprüft und grundsätzlich für würdig befunden worden, verlautete aus den KfW-Kreisen weiter. Allerdings sei RHJI in dem Vergleich letztlich klar unterlegen. So hätte die Gesellschaft für den Kauf einen zweiten Investor benötigt, um die verbleibenden Risiken der IKB zu stemmen. Dieser Geldgeber habe sich aber nicht gefunden.
Wie berichtet, soll die IKB für geschätzt 150 Millionen Euro an Lone Star gehen. Der Bund hatte auf rund 800 Millionen Euro gehofft. Mit 90 Prozent größter Anteilseigner ist derzeit die bundeseigene KfW-Bankengruppe in Frankfurt. Die Entscheidung des KfW-Verwaltungsrats über den Verkauf am 18. September gilt nur noch als Formsache. Den deutschen Steuerzahler kosten die gescheiterten Hochrisiko-Anlagen der IKB in amerikanische Hypothekenpapiere insgesamt bis zu zehn Milliarden Euro.
Darüber hinaus habe Lone Star mehr Erfahrung auf dem deutschen Markt sowie weltweit im Umgang mit krisengeplagten Unternehmen vorzuweisen, hieß es. Lone Star verfüge über mehr „Transaktionssicherheit“, also die Fähigkeit eines Investors, ein kompetentes Management zur Rettung einer Firma aufzustellen. Auch umfasse das Lone-Star-Angebot die garantierte Übernahme fast aller verbleibenden Finanzrisiken bei der IKB. Dadurch seien Konflikte mit der EU-Kommission ausgeschlossen. Die Brüsseler Kommission prüft noch, ob es bei der Rettung der IKB vor dem Zusammenbruch unerlaubte Subventionen gegeben hat. „Um diesen Punkt brauchen wir uns jetzt keine Sorgen mehr zu machen“, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person unserer Zeitung. Der Bund haftet jetzt noch für mögliche IKB-Verluste von bis zu 600 Millionen Euro. Eine Arbeitsplatzgarantie hatten beide IKB-Bieter nicht abgegeben.
KfW-Vorstandschef Wolfgang Kroh hatte bei der Entscheidung zugunsten von Lone Star hervorgehoben, das Finanzunternehmen könne aufgrund seiner Größe, Finanzkraft und erfolgreicher Bankensanierungen die notwendige Transaktionserfahrung vorweisen Das sei in der Zusammenarbeit unter anderem mit der deutschen Finanzaufsicht notwendig und gebe der KfW wie dem Bund Planungssicherheit. Die Transaktion soll im Herbst über die Bühne gehen.
Unterdessen hat die Ratingagentur Fitch wegen des IKB-Verkaufs an Lone Star ihre Bonitätsnote für die Düsseldorfer Bank drastisch gesenkt. Die Analysten nahmen das Langfristrating für die IKB um fünf Stufen von einst Aa3 auf BBB- zurück. Spekulationen, wonach der russische Milliardär Lebedew bereit gewesen sei, bis zu 600 Millionen Euro für die IKB zu bezahlen, wurden in Berlin nicht bestätigt. Von einer derartigen Offerte sei nichts bekannt, sagte ein Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), der Mitglied im KfW-Verwaltungsrat ist.
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