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panorama GM Opel
  Foto: AP, AP
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Nach dem geplatzten Verkauf: Was GM mit Opel vorhat

VON MICHAEL BRÖCKER UND REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 05.11.2009 - 06:08

Düsseldorf (RP). Vor wenigen Monaten kämpfte General Motors noch als Gesamtkonzern ums Überleben, nun ist das Unternehmen dank gigantischer Subventionen erstarkt und hält an Opel fest. Warum diese Entwicklung fast unvermeidbar war, warum sich die Entwickler in Rüsselsheim freuen können – und warum eine neue Zitterpartie um die Werke beginnt.

Wer wissen wollte, wie sich die Zukunft von Opel darstellt, brauchte nur ein Interview und eine Broschüre von General Motors (GM) zu lesen. "In der Autoindustrie zählt am Ende fast nur Größe", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne schon im Frühjahr, als er um Opel warb.

Ein eigenständiges Überleben ohne Bindung an einen der großen Autokonzerne sei Unsinn – also auch das Herauslösen von Opel aus GM ohne starken neuen Mutterkonzern. Und in einem Konzernporträt von GM steht ganz nüchtern: "Europa hat eine zunehmend wichtige Rolle in der Entwicklung von unseren Fahrzeugen. Europa ist mit einem Verkauf von zwei Millionen Fahrzeugen pro Jahr unser mit Abstand zweitwichtigster Markt nach den USA."

"Wir sind wieder gestärkt"

Diesem Fakt ist die Entscheidung zur Rückintegration von Opel in den GM-Konzern vorrangig geschuldet. "Wir sind wieder gestärkt", lautet das Hauptargument. Nachdem die US-Regierung knapp 50 Milliarden Dollar in die Sanierung von General Motors pumpte, sieht sich GM gewappnet, um weiterhin als Global Player zu agieren.

Die Obama-Regierung drängt General Motors ebenso wie Ford dazu, mehr energiesparende Wagen auf den Markt zu bringen – das Know-how dafür kommt aus Rüsselsheim und seinem europäischen Entwicklungszentrum mit 5300 Ingenieuren. Und nachdem Berlin am Ende bereit war, bis zu 4,5 Milliarden Euro für die Rettung von Opel auszugeben, nimmt GM das Geld eben teilweise selbst.

Wohin die Reise geht, ist leicht abzusehen. Erstens bleibt GM mit Ford, Volkswagen und Toyota einer der vier führenden Autokonzerne des Globus – der Abstieg zu einem Konzern zweiten Ranges wie Peugeot-Citroën aus Frankreich ist abgewendet. Zumindest für die Entwickler in Deutschland ist das keine schlechte Nachricht. Anstatt für einen deutsch-russischen Emporkömmling Discount-Autos für West- und Osteuropa zu entwickeln, sind sie nun weiter das entscheidende Zentrum für kleinere Wagen beim auf allen Kontinenten präsenten Konzern GM. Immerhin bauen schon jetzt kleinere Mittelklassewagen der Marke "Saturn" in den USA auf dem deutschen Know-how auf.

Gezerre um Standortgarantien

Die Einkaufsvorteile aus dem GM-Verbund beeindrucken. Laut einer unserer Zeitung vorliegenden Analyse des Finanzinvestors RHJ, der an Opel interessiert war, spart die Firma 30 Prozent der Kosten ein, wenn der Autobauer seine Teile weiter mit GM kauft oder baut. Kleinere Wettbewerber, wie es Opel-Magna gewesen wäre, können dagegen die Kosten für die Entwicklung eines Getriebes oder eines Motors nur auf viel kleinere Stückzahlen umlegen. Es wäre nur ein fauler Kompromiss gewesen, dass Opel auch unter Magnas Führung eine enge Kooperation mit GM angepeilt hatte.

So zufrieden die Entwickler sein können, so sehr müssen nun die Fabrikarbeiter bangen: Scheinbar großzügig will GM die bisher in Anspruch genommenen 900 Millionen Euro des ersten Staatskredits zurückzahlen. Doch dies hat nur zum Ziel, Opel aus der Verwaltung durch die Opel-Treuhand zu befreien. Danach beginnt ein neues Gezerre um Standortgarantien. "Wir brauchen nur drei Milliarden Euro für die Sanierung", verkündet GM. Sprich: Die Politik komme gut weg, da Magna ja mehr staatliche Bürgschaften bekommen sollte.

"Unnötig und unerwünscht"

In einer internen Analyse, genannt "Viability II", hatte GM beschrieben, wie saniert werden soll. Für die 55.000 Mitarbeiter in Europa, davon 25.000 hierzulande, sind scharfe Einschnitte vorgesehen. Am Mittwochabend kündigte GM-Vize John Smith die Streichung von 10.000 Stellen an. An welchen Standorten, sagte er nicht. Weiter sehen die GM-Pläne vor, die Fixkosten um 30 Prozent zu senken. In dem unserer Redaktion vorliegendem Dokument ist von "möglichen Schließungen von Werken an kostenintensiven Standorten" die Rede.

GM nannte zunächst Bochum und Kaiserslautern. Fritz Henderson, der Chef von General Motors, drohte aber mit einer Insolvenz, sollten sich Belegschaft und Politik den Plänen widersetzen: "Ein Scheitern der Restrukturierung würde in eine Insolvenz münden – was für alle Beteiligten unnötig und unerwünscht wäre."

Staat und Belegschaft sind erpressbar. Keiner kann ausschließen, dass GM Gerüchte über Entlassungen verbreitet, um Subventionen zu erhalten. Sechs Monate vor der NRW-Landtagswahl kann das klappen. Wenig begeistert gibt sich Ford-Chef Bernhard Mattes gegenüber unserer Zeitung: "Es muss sichergestellt sein, dass die Wettbewerbschancen durch die Unterstützung einzelner Unternehmen nicht eingeschränkt werden."


 
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