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Gefahr durch CO2-Emissionen
Ein peruanischer Kleinbauer verklagt RWE

Wegen CO2-Emissionen: Ein peruanischer Kleinbauer verklagt RWE
Der peruanische Kleinbauer Saúl Luciano verklagt RWE wegen CO2-Emissionen. FOTO: dpa, lof
Essen. Der Stromriese RWE sieht sich von einem David auf Schadenersatz verklagt, weil er durch die CO2-Emissionen der RWE-Kraftwerke sein Haus gefährdet sieht. Kurz vor dem Weltklimagipfel hat ein peruanischer Kleinbauer Klage eingereicht.

Der Kläger Saúl Luciano verlange von RWE, sich mit knapp 20.000 Euro an Schutzmaßnahmen gegen schmelzendes Gletschereis in den Anden zu beteiligen. Die durch die Erderwärmung ausgelöste Gletscherschmelze bedrohe das im Tal gelegene Haus des Klägers in der Stadt Huaraz etwa 450 Kilometer nördlich von Lima, teilte die Umweltorganisation Germanwatch am Dienstag mit.

Mit seiner Klage will der Landwirt und Bergführer RWE Germanwatch zufolge zu einer finanziellen Beteiligung an Schutzmaßnahmen zwingen, nachdem das Unternehmen ein ihm im April zugestelltes Anspruchsschreiben mit entsprechendem Inhalt abgelehnt hatte. Die Forderung beläuft sich auf knapp 20.000 Euro und orientiert sich den Umweltschützern zufolge in der Höhe an dem Anteil, den RWE-Emissionen zum globalen Kohlendioxid-Ausstoß beitrügen.

Der Konzern erklärte am Dienstag, sich zunächst nicht zu der konkreten Klage äußern zu können, weil diese ihm bislang noch nicht zugestellt worden sei. "Wir haben bisher lediglich aus den Medien erfahren, dass die Anwälte von Herrn Saúl Luciano jetzt Klage erhoben haben sollen", teilte das Unternehmen mit. RWE betonte unter Verweis auf frühere Gerichtsurteile aus den USA und Deutschland in ähnlichen Fällen zugleich, "keine rechtliche Grundlage" für derartige Ansprüche zu sehen.

Auch ein Gerichtssprecher konnte den Eingang der Klage zunächst noch nicht definitiv bestätigen. Es dauere in der Regel zwei bis drei Tage, bis diese in das interne IT-System eingepflegt worden sei, sagte er.

In seiner Klage macht der Kleinbauer laut Germanwatch geltend, RWE sei maßgeblich mitverantwortlich für die Gletscherschmelze in den peruanischen Anden und damit für die Bedrohung, die aufgrund des Anschwellens eines Gebirgssees oberhalb der Stadt Huaraz bestehe. "Für uns im Tal ist die Bedrohung immens. Wir können nicht einfach abwarten, was passiert", erklärte er in Essen.

"Dies ist ein Präzedenzfall"

Anwaltlich vertreten wird Lliuya von einer Hamburger Kanzlei, Germanwatch unterstützt seine Klage. "Dies ist ein Präzedenzfall", erklärte Lliuyas Anwältin Roda Verheyen. "Die RWE AG setzt durch den Betrieb insbesondere von Kohlekraftwerken Emissionen frei, durch die die Temperaturen weltweit steigen, Gletscher schmelzen und das Eigentum meines Mandanten akut gefährdet wird." Germanwatch-Chef Klaus Milke sprach von einem "wichtigen Signal" wenige Tage vor der in Paris beginnenden neuen Weltklimakonferenz.

Der Gletschersee Palcacocha oberhalb von Huaraz ist laut Germanwatch seit 2003 um mehr als das Vierfache gewachsen. Aufgrund der Gletscherschmelze steige zudem das Risiko, dass große Eisblöcke ins Wasser stürzten und Flutwellen auslösten. Um die Gefahr zu reduzieren, müssten demnach verstärkte Dämme errichtet und Wasser über Entwässerungssysteme aus dem See gepumpt werden.

Der Gletscherschwund in den Anden sei dem Weltklimarat IPCC zufolge wiederum durch den Klimawandel ausgelöst, erklärte Germanwatch. Zu diesem leiste RWE als größter Einzel-Emittent von CO2 in Europa seinen Beitrag. Die Organisation verwies auf eine Untersuchung, wonach das Unternehmen für etwa 0,5 Prozent aller weltweit seit Beginn der Industrialisierung freigesetzten Emissionen von CO2 verantwortlich sein soll. Der Konzern erzeugt einen Großteil seiner Energie in Kohlekraftwerken.

(felt/AFP/dpa)
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