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Konzern sagt alle Weihnachtsfeiern ab
Bei Vodafone regiert der Rotstift

Düsseldorf. Beim Düsseldorfer Telefonkonzern Vodafone könnte eine neue Sparrunde bevorstehen: Anders lässt sich nach Einschätzung von Firmenkennern nicht erklären, dass das Unternehmen am Montag in einer internen Mail alle Weihnachtsfeiern im Unternehmen abgesagt hat. Von Reinhard Kowalewsky

Die Vorgesetzten werden darin gebeten ihren Mitarbeitern zu erklären, dass die wirtschaftliche Situation "angespannt" ist. Darum sei "größte Disziplin auf der Kostenseite angebracht", schreibt Personalchef Dirk Barnard in Absprache mit Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum und den anderen Geschäftsführern.

Bei einigen Mitarbeitern sorgt die Mail für Erstaunen. Immerhin kassiert der britische Mutterkonzern Vodafone Group fast 100 Milliarden Euro aus dem Verkauf einer Beteiligung in den USA – auch darum erhöhte sich der Börsenwert von Vodafone in den vergangenen Monaten um mehr als 30 Milliarden Euro.

"Free-Cash-Flow"

Vodafone-Deutschland ist außerdem trotz harten Preiskampfes alles andere als ein Sanierungsfall: Die erwirtschafteten Barmittel ("Free-Cash-Flow") liegen mit zwei Milliarden Euro höher als bei jeder anderen Ländergesellschaft von Vodafone.

Gemessen daran ist die Einsparung von grob geschätzt 300.000 Euro aus der Absage von Weihnachtsfeiern minimal – wenn man 30 Euro als Bewirtungspreis pro Beschäftigtem annimmt. Außerdem wurde die neue Zentrale auch gebaut, um besser zu kommunizieren – lockeres Beisammensein gehört aber wohl nicht dazu.

Tatsächlich glauben einige Vodafone-Insider, dass im gesamten Konzern eine Sparwelle startet. Grund ist die Sorge, dass der amerikanische Konzern AT&T in den nächsten Monaten Vodafone übernehmen könnte. Dies lässt sich nur verhindern, wenn Vodafone seinen Aktienkurs trotz der riesigen Probleme in Italien, Spanien oder Griechenland weiter nach oben treibt. Und da kommt es eben besonders auf gute Zahlen in Deutschland als wichtigstem Vodafone-Markt weltweit an.

Interessante Arbeitsaufteilung

In diese Interpretation passt auch, dass sich der neue Europa-Chef von Vodafone, Philipp Humm, zunehmend in das Geschäft in Deutschland einmischt. So wird der 54-jährige Aufsichtsratschef des zehn Milliarden Euro teuren Zukaufs Kabel-Deutschland (KD). Der sieben Jahre jüngere Schulte-Bockum wird als Deutschland-Chef von Vodafone dagegen nur einfaches Mitglied im Aufsichtsrat des wichtigen Münchener Ablegers.

Die Arbeitsaufteilung ist auch insofern interessant, weil der Zukauf von KD Kernpunkt der neuen Vodafone-Expansion ins Festnetz ist. Außerdem gilt der frühere McKinsey-Berater Humm als ausgezeichneter Kenner des deutschen Marktes: Sieben Jahre lang war er Manager der Deutschen Telekom und war dort unter anderem für den Vertrieb in Deutschland sowie das USA-Geschäft zuständig.

Quelle: RP
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