Schorle mit Limone: Wein in Dosen
zuletzt aktualisiert: 11.10.2005 - 14:37Bad Dürkheim (rpo). Es gibt Sachen, da dreht sich dem Feinschmecker der Magen um. Geriebener Parmesankäse aus kleinen Tütchen zum Beispiel, oder Bier aus Plastikflaschen. Jetzt könnte sich ein weiteres Produkt in diese Reihe gesellen: Wein aus Dosen.
In dieser Form - gemischt mit Mineralwasser und einem Schuss Limone - soll es bald in den Supermärkten stehen. Entwickelt hat das Getränk in vier Jahren Arbeit das Weincontor Mittelhaardt in Bad Dürkheim. Weil es eiskalt und bei Bedarf sogar "on the rocks" getrunken werden soll, heißt das Getränk "Wein on ice", kurz "W.O.I.", gesprochen "Woi". Anklänge an den mundartlichen Ausdruck für Wein sind erwünscht.
Spritzig solle sie sein, die süße Weinschorle, so innovativ und trendig wie das vor einigen Jahren auf dem Markt eingeschlagene Red Bull, aber nicht so süß, erklärt der Mitentwickler und Managing Director des Weincontors, Curt-Christian Stoffel. Die Idee entstand bei einem launigen Abend in einer Weinstube "und vielleicht einem Gläschen Wein mehr als sonst", sagt er. "Zuvor hatte sich noch niemand richtig an so etwas herangetraut."
Angst vor dem Scheitern hatten die Erfinder dann allerdings, als in Zusammenarbeit mit der Firma Rodius Mineralbrunnen in Burgbrohl (Kreis Ahrweiler) die ersten Test-Wois gemischt und abgefüllt waren. Denn als die Entwickler ihre geheime Innovation im Safe deponierten, leistete die Weinhefe zusammen mit dem Zucker der Limonenbrause ganze Arbeit. Die Dose platzte und der süße Inhalt verteilte sich im ganzen Safe. "Es hat etwa zwei Jahre gedauert, bis wir alle Schwierigkeiten im Griff hatten", erklärt Stoffel.
Präsentiert wurde Woi erstmals im März auf einer Getränkemesse in Nürnberg. Bis zwei Tage vor dieser Präsentation seien lediglich vier Leute über das Projekt eingeweiht gewesen, berichtet Stoffel. Mittlerweile habe sich allerdings die ganze Branche mit Testdosen eingedeckt, die für einigen Gesprächsstoff sorgten. Sogar aus Österreich, der Schweiz, Dänemark und Island seien bereits Anfragen eingetroffen.
"Nicht die Weinkultur aufbrechen"
"Wir wollen nicht die Weinkultur aufbrechen, wir wollen sie nur ergänzen", betont der 41-jährige Stoffel. Schließlich würden zwei unterschiedliche Konsumenten-Segmente bedient. Woi richte sich vor allem an junge Leute zwischen 18 und 30 Jahre. Mit 6,5 Volumenprozent Alkohol enthält Woi mehr Alkohol als normales Bier.
Das Getränk besteht zu 55 Prozent aus Weißwein - ein Gemisch aus vier bis fünf Traubensorten. In dieser Zahl steckt auch ein Verkaufstrick. Denn obwohl Woi in Dosen abgefüllt ist, verlangt der Staat kein Dosenpfand, weil mehr als die Hälfte Wein ist.
Kein Alcopop
Allerdings sei eine solche Alu-Dose besser recyclebar als beispielsweise Tetra-Packs, verteidigt Stoffel die Verpackungswahl. Weil Wein laut Getränkeverordnung in Deutschland nicht in die üblichen 0,33 Liter-Dosen abgefüllt werden darf, gibt es Woi in 0,35 Liter-Dosen. Ein Alcopop sei es deshalb nicht, weil der Alkohol nicht zugesetzt wird.
Stoffel rechnet damit, dass das Weincontor zunächst ein bis zwei Millionen Dosen pro Jahr absetzen kann. Die unverbindliche Preisempfehlung im Handel beträgt 1,29 Euro. "Aber es kann auch ganz anders kommen, je nachdem, wie gut Woi ankommt."
Während das Weincontor versucht, seine Schorle auf dem Markt zu etablieren, rauchen die Entwicklerköpfe weiter. Unter anderem soll es bald einen Weißwein und einen Rosé mit Limone geben, verrät Stoffel. Auch werde an einem "Cola rot"-Mix in der Dose gearbeitet, also einer Mischung aus Rotwein und Cola. In Spanien sei das Getränk voll im Trend.
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