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Fusion mit Telefonica Deutschland
Weitere 300 Jobs bei E-Plus fallen weg

Fusion mit Telefonica Deutschland: Weitere 300 Jobs bei E-Plus fallen weg
Die E-Plus-Zentrale liegt in der Nähe des Düsseldorfer Flughafens. Die Fahnen zeigen die verschiedenen Marken, die der Mobilfunkkonzern hat. E-Plus wird als Marke voraussichtlich auslaufen. FOTO: dpa
Düsseldorf/München. Der Arbeitsplatzabbau bei dem neuen Telefonkonzern E-Plus/Telefonica Deutschland geht weiter als bekannt. Dies zeigt eine interne Vorlage des Konzerns. Auch soll es künftig weniger Marken geben. Von Reinhard Kowalewsky

Bei der Fusion von E-Plus und Telefonica Deutschland fallen bis zum Jahr 2018 rund 300 Arbeitsplätze mehr weg als bislang angenommen. Unterm Strich könnte der Zusammenschluss bis zu 1900 der 9200 Stellen kosten, bislang war lediglich von 1600 wegfallenden Stellen die Rede. Bislang hatte der Telefonkonzern nicht kommuniziert, dass er bei mehr als 260 Zeitarbeitern die Verträge beendet und rund 50 freie Stellen nicht mehr besetzt. Dies alles geht aus internen Unterlagen des Unternehmens vor, die unserer Redaktion bekannt sind. E-Plus will sich zu internen Vorgängen nicht äußern.

Die verschiedenen Abteilungen sind unterschiedlich betroffen. In der Finanzabteilung soll schon dieses Jahr jeder fünfte der 420 Mitarbeiter gehen. Im Controlling werden 40 von 114 Beschäftigten ihren Job bis Ende des Jahres verlieren. Im gesamten Privatkundengeschäft sollen rund 400 der 5000 Beschäftigten bis Ende des Jahres das Unternehmen verlassen haben. Häufig wird es dabei keine Abfindungen geben, da es in den Shops meist nur Zeitverträge gibt. Oft sollen die Läden an den Telefonvermarkter Drillisch verkauft werden.

Im Personalbereich sollen dagegen nicht einmal zehn von 150 Mitarbeitern das Unternehmen verlassen. Logisch, weil es viel Arbeit mit zu erwartenden Prozessen vor den Arbeitsgerichten und mit Arbeitszeugnissen geben wird. Und im Netzbetrieb soll die Personalstärke mit 1350 Kollegen erst einmal fast konstant bleiben, um im Jahr 2016 um 50 Stellen und 2017/2018 um weitere 260 Positionen ausgedünnt zu werden. "Beim Netzumbau werden erst einmal alle Kollegen gebraucht", sagt ein Insider. "Aber später sind viele dann oft doch überzählig."

Dabei zeigt die mit "geheim" markierte Vorlage, dass Thorsten Dirks, der Chef des fusionierten Konzerns, radikal umbauen will. Immer mehr Arbeiten sollen digital von Computern erledigt werden, der persönliche Kundendienst soll eine weniger große Rolle spielen. Neben dem aktuellen Personalabbau plant der Vorstand weiteres "Outsourcing von Aktivitäten", weil sich das Unternehmen auf "Kernaktivitäten" konzentrieren will. So sollen weitere Call-Center an andere Anbieter abgegeben werden. Die Computertechnik soll stärker von fremden Firmen oder vom spanischen Mutterkonzern übernommen werden. Damit könnten am Ende einige Tausend weitere Mitarbeiter den Konzern verlassen. "Da könnte es noch einigen Streit geben", heißt es bei der Gewerkschaft Verdi.

Auch für die Kunden wird sich einiges ändern. So plant Dirks, die Zahl der etwas mehr als 30 Marken beider Unternehmen und ihrer Partner deutlich zu reduzieren. So ist klar, dass die frühere Stammmarke E-Plus ausläuft. Aus der Vorlage geht auch hervor, dass bei "Ethnic-Marken" gespart werden soll. Es wird also wohl weniger spezielle Marken für Migranten wie Ay Yildiz und Türk Mobile (für Türken in Deutschland) oder Ortel (für fast alle Länder der Welt) geben.

Dabei wird der Umbau in den nächsten zwei bis drei Jahren weiter voranschreiten. So wird ausdrücklich erwähnt, dass die Planzahlen nicht berücksichtigen, dass immer wieder manche Mitarbeiter das Unternehmen verlassen - das kann einige hundert weitere wegfallende Stellen bis 2017 bedeuten.

Bei der Betreuung von Geschäftskunden streicht Dirks bis Ende diesen Jahres 150 von 620 Stellen - fast schon ein Kahlschlag. Aber in 2015 und 2016 will er dann 80 neue Kollegen für die Betreuung von Firmenkunden einstellen. Was steckt dahinter? Insider vermuten, dass er Telekom und Vodafone auch bei Firmenkunden stärker angreifen will - aber mit einer anderen Strategie.

Quelle: RP
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