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Firmen in der Hand ausländischer Eigentümer: Wem Deutschland gehört

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 13.10.2006 - 08:10

Düsseldorf (RP). Immer mehr große deutsche Firmen sind in der Hand ausländischer Eigentümer, weil das Kapital ungehindert über den Globus wandern kann. Den Startschuss gab 2000 Vodafone bei Mannesmann.

Vor knapp sieben Jahren wurde die Deutschland AG erstmals in ihren Grundfesten erschüttert. Im November 1999 schickte sich eine vergleichsweise unbekannte britische Telefonfirma namens Vodafone an, den traditionsreichen Mannesmann-Konzern zu schlucken. Ein deutsches Aushängeschild in der Hand von Ausländern? Damals für viele unvorstellbar. Das Ganze löste einen Aufruhr aus, als sei unsere Demokratie in Gefahr.

Drei Monate später war die Sache erledigt. Vodafone legte den Mannesmann-Eignern rund 180 Milliarden Euro auf den Tisch und kochte dadurch die Aktionäre weich. Fazit: Geld ist ein besseres Argument als Nationalstolz.

Sieben Jahre später erinnert nur noch die am 26. Oktober beginnende Neuauflage des Mannesmann-Prozesses an die größte Übernahmeschlacht der Wirtschaftsgeschichte. Mehr nicht. Dass Mannesmann unterging, der traditionsreiche Name in der Versenkung verschwand, interessiert keinen Vodafone-Kunden. Hauptsache, er bekommt ein günstiges Tarifangebot für seinen Handy-Vertrag.

Wer heute noch über den Verkauf von Mannesmann ins Ausland klagt, ist ein Anachronist. „Das Ganze ist Ausfluss einer globalisierten Wirtschaft“, sagt der Erlanger Finanzwissenschaftler Wolfgang Gerke. In Zeiten, in denen das Kapital dieser Welt über den Globus vagabundieren kann, darf man sich nicht darüber beschweren, dass dieses Kapital auch dazu dienen mag, deutsche Firmen zu kaufen. Deren Zukunft hängt dann daran, welche Vorstellungen die neuen Eigentümer in Sachen Rendite haben.

Wie ein Ritual folgt Stellenabbau, damit Kosten gespart werden. Jeder einzelne Arbeitsplatz-Verlust ist beklagenswert, weil ein persönliches Schicksal dahintersteht, aber er folgt letztlich dem Shareholder-Value-Gedanken - also dem Bestreben, Mehrwert für den Eigentümer zu schaffen. Das ist nicht unbedingt volksnah. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann folgte solchen Überlegungen - seine Popularität sank auf den Nullpunkt.

Nun kommen die Eigentümer auch der Großkonzerne zunehmend aus dem Ausland (siehe Grafik). Und der wachsende Einfluss fremder Mächte auf die deutsche Wirtschaft hinterlässt einen faden Beigeschmack, wenn Handy-Werke in Bocholt und Kamp-Lintfort, die von Siemens nach Taiwan verkauft wurden, jetzt von den Asiaten in die Pleite geschickt werden und alles wie ein abgekartetes Spiel wirkt.

Dazu kommen deutsche Airbus-Standorte, über deren Zukunft zuvorderst im Kopf eines französischen Managers entschieden werden soll. Wir erinnern uns an die HypoVereinsbank, die heute in der Hand der Unicredit ist, obwohl die Käufer aus Italien den deutschen Teil der Bank am allerwenigsten wollten; wir denken an das Gewicht großer internationaler Versicherer wie Axa (Frankreich) und Generali (Italien) in Deutschland. Dass selbst die Deutsche Bank über die Anteilspakete in den Händen von Fonds in großen Teilen im Besitz von Ausländern ist, wissenvermutlich nur wenige.

Der größte Fehler, den man nun machen könnte wäre aber der, angesichts der „BenQ-Affäre“ ausländische Eigentümer in Bausch und Bogen zu verdammen. Es gibt nicht die guten deutschen und die bösen fremden Kapitalisten, auch wenn Private-Equity-Firmen Unternehmen wie den Sanitärhersteller Grohe oder den Raststätten-Betreiber Tank & Rast auszusaugen drohen und unter deutschen Mietern die Angst vor den Heuschrecken auf dem Wohnungsmarkt umgeht.

Die Deutschen sind nicht anders. Die Allianz baut um und streicht 7500 Arbeitsplätze im Inland, die Banken bauten über Jahre Tausende Stellen ab, ohne dass ausländische Firmenkulturen irgend eine Rolle gespielt hätten. DaimlerChrysler wird von den Deutschen regiert, und die scheuen eine Sanierung mit dem Verlust Tausender Arbeitsplätze in Amerika so wenig wie Private-Equity-Firmen hierzulande.

Deshalb wäre es auch Unsinn, sich die Deutschland AG zurückzuwünschen - jenes Geflecht, in dem vor allem Banken und Versicherer wie die Spinnen im Netz saßen und über ihre Industriebeteiligungen die deutsche Wirtschaft nach ihren Vorstellungen steuerten. Deutschlands Wirtschaft regierte sich selbst. Auch nicht überall mit Erfolg: „Die Deutsche Bank hat das Desaster beim Daimler auch nicht verhindern können“, sagt Börsenprofessor Gerke. Recht hat er. Die Deutschland AG wird nicht zurückkehren.


 
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