Gemischte Bilanz am Arbeitsmarkt: Weniger als 10.000 Jugendliche ohne Lehrstelle
zuletzt aktualisiert: 13.10.2009 - 15:53Nürnberg (RPO). Der Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger sorgt für höchst unterschiedliche Nachrichten. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg meldete am Dienstag die niedrigste Zahl von unversorgten Bewerbern um einen Ausbildungsplatz seit Beginn der Erhebung im Jahr 1991. Gewerkschaften sprachen allerdings von geschönten Zahlen.
Erst am Montag hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mitgeteilt, dass die Arbeitslosenzahl besonders bei jungen und gut ausgebildeten Menschen gestiegen sei. "Das widerspricht sich aus unserer Sicht nicht unbedingt", entgegnete BA-Vorstand Raimund Becker.
Viele Jugendliche würden sich gerade in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten doppelt absichern und sich neben ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz arbeitslos melden. "Das ist aber meist nur vorübergehend", sagte Becker. Zudem unterscheide der DGB in seiner Studie nicht zwischen neuen Absolventen und Arbeitslosen, deren Schulabschluss schon längere Zeit zurückliege.
Der Ausbildungsmarkt NRW:
- Zahl der gemeldeten Bewerber: 131 690
- Zahl der versorgten Bewerber: 128 752
- davon Ausbildung: 44 Prozent
- Schule, Studium, Praktikum: 18 Prozent
- Fördermaßnahmen: 9 Prozent
- Erwerbstätigkeit: 5 Prozent
- Gemeinnützige Dienste: 2 Prozent
- Keine Angaben/vom Vermittlungsverfahren abgemeldet: 22 Prozent
Laut BA hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt so stark entspannt wie noch nie: Am 30. September 2009 waren demnach weniger als 10.000 Bewerber ohne Lehrstelle. Außerdem sei zum zweiten Mal in Folge die Zahl der unversorgten Bewerber geringer ausgefallen als die der offenen Stellen. 9600 Jugendliche waren ohne Ausbildungsplatz, 17.300 Stellen blieben unbesetzt, wie Becker erklärte. "Die Chancen stehen gut, dass jeder Bewerber im Rahmen der Nachversorgung bis Dezember eine Stelle bekommt."
Demografische Entwicklung als wesentlicher Grund
Wesentlicher Grund dafür sei die demografische Entwicklung. Die Zahl der gemeldeten Bewerber sei zum dritten Mal in Folge zurückgegangen. Sie sank von Oktober 2008 bis September 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 86.700 auf 533.400. Gleichzeitig nahm die Zahl der gemeldeten Lehrstellen um lediglich 36.200 auf 475.400 ab.
Neben der demografischen Entwicklung sorgten auch die Tendenz zu höheren Schulabschlüssen und verstärkte Bemühungen der Bundesagentur, Jugendliche möglichst früh mit Betrieben in Kontakt zu bringen, für eine bessere Vermittlungsquote bei den Ausbildungsplätzen, wie Becker erklärte. Davon hätten auch zunehmend Altbewerber profitiert.
Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, zeigte sich über die Zahlen der BA erfreut: "Deutschland steckt mitten in der tiefsten Wirtschaftskrise. Eine Ausbildungskrise gibt es hingegen nicht", sagte er. Dennoch gebe es auch Anlass zur Sorge: Die Betriebe hätten inzwischen Probleme, genügend Bewerber zu bekommen. Dies liege auch an der oft mangelhaften Qualifizierung der Jugendlichen.
"Der Lehrstellenmarkt dreht sich", sagte Wansleben. Inzwischen gehe es darum, Jugendliche für die Betriebe zu suchen, nicht mehr Betriebe für die Jugendlichen. Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte, die Unternehmen würden sich offensichtlich "ganz massiv" für ihre Nachwuchssicherung engagieren.
Schavan lobt vorausschauendes Verhalten der Unternehmen
Bundesbildungsministerin Annette Schavan nannte die Ausbildungszahlen einen "guten Erfolg" für die Partner im Ausbildungspakt. Die Unternehmen handelten vorausschauend und investieren in Ausbildung. Dem Ausbildungspakt gehören BA, Arbeitgeberverbände, Vertretungen von Handwerk, Industrie und Freien Berufen sowie drei Bundesministerien an.
Die Gewerkschaften Erziehung und Wissenschaft (GEW) und die IG Metall bezeichneten die am Dienstag veröffentlichten Zahlen dagegen als geschönt. "Die Zahlen des Ausbildungspaktes zum Vermittlungsjahr 2009 sind frisiert und spiegeln nicht die Realitäten bei der Ausbildung wider", sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied Regina Görner in Frankfurt. Nach Berechnungen der Gewerkschaften waren Ende September noch rund 83.000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz.
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