Die Gehälter der Dax-Chefs: Weniger Geld für Aufsichtsräte
VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 17.11.2009 - 10:09Frankfurt/Main (RP). Um 15 Prozent im Schnitt schrumpfen die Bezüge der Oberaufseher in Dax-Konzernen. In Zukunft werden sie aber mehr verdienen, sagt eine Studie voraus. Ein Grund: Kontrolleure werden bei Fehlern stärker haften müssen.
Die Finanzkrise hat vieles in Frage gestellt – die Tauglichkeit der Geschäftsmodelle von Banken, die Eignung mancher Manager und nicht zuletzt die Fähigkeit einiger Aufsichtsräte, die Vorstände wirksam zu kontrollieren. Das hat den Aufsehern viel Schelte eingetragen und wird vermutlich Konsequenzen haben. Der Gesetzgeber will die Kontrolleure stärker in die Haftung nehmen.
Genau darum werde die Vergütung steigen, glaubt Michael H. Kramarsch, Deutschland-Geschäftsführer der Unternehmensberatung Towers Perrin. Das würden die Kontrolleure vermutlich sofort unterschreiben. 39 von ihnen hat die Zeitschrift "Der Aufsichtsrat" gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO befragt. Ergebnis: 56,4 Prozent der Teilnehmer befürworten bei einer Aufsichtsrats-Haftpflichtversicherung (die viele Konzerne haben) einen Selbstbehalt unter Berücksichtigung der gewährten Vergütung. Motto: Wir zahlen mit, wenn die Bezahlung stimmt.
Einstweilen lässt die Krise die Vergütung allerdings erst einmal sinken. Laut Towers Perrin fallen die durchschnittlichen Bezüge der Oberaufseher in diesem Jahr voraussichtlich um 15 Prozent auf 226.000 Euro – mit starken Ausschlägen. Während die Post, Siemens, die Münchener Rück und die Allianz bei gutem Verlauf die Höhe der Vergütung um mindestens die Hälfte steigern, geht es bei anderen Konzernen drastisch nach unten – bei BASF um bis zu 60 Prozent, bei der Lufthansa um 63 Prozent, bei Thyssen Krupp um bis zu 42 Prozent. Immer abhängig davon, wie sich erfolgsabhängige Bestandteile der Bezahlung entwickeln.
Was sich nicht ändern wird: Deutsche Kontrolleure kasssieren deutlich weniger als ihre angelsächsischen oder Schweizer Kollegen. "Im internationalen Vergleich werden deutsche Aufsichtsräte nicht sehr gut bezahlt. In den USA und der Schweiz gibt es teilweise das Doppelte. Allerdings sind dort die Verwaltungsratschefs auch stärker operativ gefordert", so Kramarsch.
Die Krise wirkt nach. Was aus Sicht von Towers Perrin offensichtlich nicht selbstverständlich ist: Die Entwicklung mit sinkenden Bezügen sei "gegenläufig zu dem gerade in der Krise deutlich höheren Arbeitspensum und der zunehmenden Verantwortung der Unternehmenskontrolleure". Was übrigens auch jegliche Diskussionen über ein Neuentstehen der so genannten Deutschland AG im Keim erstickt. Die Aufsichtsratsarbeit nehme die Mitglieder "zeitlich stärker in Anspruch, damit sinkt auch die Verflechtung der Unternehmen über Personen", so Kramarsch.
Er kritisiert das so genannte Vorstandsangemessenheitsgesetz, das es Vorständen verbietet, in den ersten beiden Jahren nach ihrer Amtszeit in den Aufsichtsrat zu wechseln. Damit gingen den Unternehmen "kenntnisreiche Aufsichtsräte" verloren. Die Konsequenz daraus: Künftig werde es schwieriger, die Mandate qualifiziert zu besetzen. Und: Es werde mehr Frauen und Ausländer in den Aufsichtsräten geben. Der Anteil der Ausländer macht derzeit nicht einmal ein Viertel aus, obwohl die Dax-Konzerne mehrheitlich im Besitz ausländischer Aktionäre sind. Und die weiblichen Kontrolleure sitzen vorwiegend bei den Arbeitnehmern. Auf der Kapitalseite stellen sie gerade mal sechs Prozent.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
