Angeschlagene HSH Nordbank: Wenn eine Bank ihr Geld verschenkt
VON NILS DIETRICH - zuletzt aktualisiert: 21.09.2009 - 14:14Hamburg/Düsseldorf (RPO). Die angeschlagene HSH Nordbank sorgt einmal mehr für negative Schlagzeilen. Angeblich hat das Geldhaus 45 Millionen Dollar an die New Yorker Investmentbank Goldman Sachs verschenkt. Besonders pikant: Die HSH wird mit milliardenschweren Finanzspritzen und Garantien des Staates am Leben gehalten.
Einst war die HSH Nordbank das Vorzeige-Geldinstitut im Norden. Die weltweite Nummer eins in der Schiffsfinanzierung, außerdem führend in der Kreditvergabe an die Mittelständler der Region. Doch dann kam die Finanzkrise und spülte einige offenbar unseriöse Geschäfte an die Oberfläche, die man in Hamburg in den Jahren zuvor getätigt hatte – als noch das ganz große Rad gedreht werden sollte. Der Staat sprang ein und rettete das taumelnde Bankhaus.
Während viele staatliche Banken nun kleine Brötchen backen und zumindest in der Öffentlichkeit das Büßergewand tragen, hat man bei der HSH Nordbank offenbar noch immer nicht gelernt. Dies belegt die jüngste Episode: Die Hamburger haben offenbar 45 Millionen US-Dollar an die US-Investmentbank Goldman Sachs überwiesen. Das Geldhaus hatte den Betrag gezahlt, obwohl es dazu möglicherweise nicht verpflichtet war, wie der NDR am Montag berichtet.
Hintergrund ist demnach ein Geschäft mit Kreditausfallversicherungen, so genannten Credit Default Swaps (CDS), die die Finanzkrise erst richtig ins Rollen und das Haus an den Rand des Abgrunds gebracht haben. Goldman Sachs hatte sich bei der HSH gegen Kreditausfälle der Pleitebank Lehman Brothers versichert.
Nach der Lehman-Pleite im September 2008 hätte die Landesbank im Grunde zahlen müssen. Doch Goldman Sachs verpasste eine Frist um mehr als drei Wochen, wie der NDR berichtete. Nach Informationen des NDR sollen sowohl die Rechtsabteilung der HSH Nordbank als auch eine internationale Anwaltskanzlei festgestellt haben, dass Ansprüche von Goldman Sachs an die Landesbank verfallen waren und die HSH Nordbank nicht hätte zahlen müssen.
HSH-Sprecher Frank Laurich erklärte am Montag, der Sachverhalt sei "juristisch umstritten" gewesen, deshalb sei gezahlt worden. Banksprecher Rune Hoffmann ergänzte laut NDR, im Fall eines Streits mit Goldman Sachs hätten "Marktgerüchte, die Bank würde CDS-Ansprüche nicht bedienen, schweren Schaden für die Reputation und für die Refinanzierung der Bank haben können. Dieses Risiko sollte vermieden werden."
Am Tropf des Staates
Allerdings: Die Bank hängt am Tropf des Staates, vor allem der beiden Hauptaktionäre Hamburg und Schleswig-Holstein. Die Bundesländer mussten im Zuge der Krise drei Milliarden Euro Kapital nachschießen und für weitere zehn Milliarden Garantien übernehmen. Es kursierten bereits Gerüchte, dass Kiel kurz vor einer Pleite stehe. Obendrein hatte der Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) Liquiditätsgarantien in Höhe von 30 Milliarden Euro gewährt.
Aus den roten Zahlen ist die HSH Nordbank bis jetzt nicht herausgekommen. 2008 belief sich die das Loch in der Bilanz auf 2,8 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2009 kamen nochmal 530 Millionen Euro Verlust hinzu.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass in Hamburg auf die Kostenbremse getreten wird: Jens Nonnenmacher, im Zuge der Finanzkrise als Vorstandschef inthronisiert, bekommt millionenschwere Boni. Auf diese möchte er trotz aller öffentlicher Empörung auch nicht verzichten. 2,9 Millionen Euro soll Nonnenmacher erhalten.
"Da kann einem schon der Kragen platzen", echauffierte sich Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) im Juni, als die pikanten Details an die Öffentlichkeit drangen. Außerdem verwies er darauf, dass der Bund die Vorstandsgehälter bei seinen Rettungseinsätzen auf 500.000 Euro beschränke.
Auch die Anteilseigner bekamen ihr Stück vom Kuchen. Um institutionelle Investoren bei der Stange zu halten, zahlte das Institut im Rekordverlustjahr eine Dividende in Höhe von 70 Millionen Euro aus.
Unter den Rettungsschirm des Bundes?
Die HSH Nordbank ist allerdings noch nicht gerettet. Der ehemalige schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Werner Marnette (CDU) forderte Steinbrück am Wochenende auf, das schwer angeschlagene Institut sofort unter die Kontrolle des Bundes zu stellen.
"Die HSH braucht in den nächsten Monaten wahrscheinlich neue Milliardenhilfen. Die kann unter anderem Schleswig-Holstein nicht stemmen, weil es bereits zu hoch verschuldet ist. Daher muss die HSH nach meiner Auffassung sofort unter den Rettungsschirm des Bundes", sagte Marnette der "Bild".
Die größten Herausforderungen kommen vielleicht erst noch auf die HSH Nordbank zu. Das Institut dreht das ganz große Rad in der Schiffsfinanzierung - und die Schifffahrt, einstmals Motor der Globalisierung, steckt in einer schweren Krise.
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