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Landesentwicklungsgesellschaft: Wer kaufte die LEG wirklich?

VON THOMAS REISENER - zuletzt aktualisiert: 23.06.2009 - 21:33

Düsseldorf (RP). Ein Jahr lang glaubte die Öffentlichkeit, die Landes-Wohnungen seien an eine Goldman-Sachs-Tochter gegangen. Die NRW-Regierung korrigierte diesen Eindruck nicht. In Wahrheit waren die Käufer dubiose Mini-Firmen.

Dubiose Mini-Firmen waren offenbar an dem Kauf der LEG-Wohnungen beteiligt. Foto: RPO

Wem gehört die LEG? "Whitehall", werden ihre knapp 300.000 Mieter denken ­ einer Tochter der Investmentbank Goldman Sachs. So stand es ja schließlich in allen Zeitungen, damals, als NRW-Finanzminister Helmut Linssen und der inzwischen zurückgetretende Bauminister Oliver Wittke (beide CDU) den Verkauf der Landes-Wohnungen bekannt gaben. Ziemlich genau ein Jahr später stellt sich heraus: Das stimmt so nicht.

Weder der Name "Whitehall" noch der Name "Goldman Sachs" tauchen in dem Kaufvertrag auf. Stattdessen werden dort als Käufer vier Firmen genannt, von denen man öffentlich allenfalls die Briefkästen wahrnehmen kann. Was soll's, könnte man meinen ­– schließlich hat das Land mit dem Verkauf rund eine dreiviertel Milliarde Euro erzielt.

Ist es nicht egal, wer die bezahlt hat? Ist es nicht. Denn der Clou, für den Linssen und Wittke sich haben feiern lassen, bestand in einer Sozialcharta, mit der sie die Privilegien der LEG-Mieter über den Verkauf hinaus bewahren wollten. "Was ist, wenn der Käufer pleitegeht? Wer haftet dann für die Sozialcharta?", argwöhnten Landtagsopposition und Mieterschützer schon damals. Zweifel, die verpufften. Goldman Sachs galt damals noch als recht stabil.

Aber wie gesagt: In dem Kaufvertrag ist von Goldman Sachs gar nicht die Rede. Eine formale Anfrage unserer Redaktion nach den Käufern der LEG wollte das NRW-Finanzministerium gestern nur schriftlich beantworten: "Im Einzelnen haben die folgenden Erwerbsgesellschaften die LEG-Anteile erworben: Lancaster GmbH & Co. KG, Kronen tausend230 GmbH & Co. Vorrats KG, Restio B.V., Perry LuxCo S.a.r.l." Nachfragen zu den Verflechtungen dieser Firmen und ihrer genauen Verbindung zu Goldman Sachs ließ das Ministerium gestern aus terminlichen Gründen nicht zu.

Zwei entscheidende Fragen

Zwei drängen sich auf. Die erste: Warum weiß die Öffentlichkeit auch ein Jahr nach dem Verkauf von Landeseigentum noch immer nicht den wahren Käufer? In einem Brief an die Präsidentin des Landtags haben Linssen und Wittke den Vertrag unter Hinweis auf eine Bedingung der Käufer als "geheime Verschlusssache" bezeichnet.

Damit wurden seither allerlei Fragen abgebügelt. Das war vielleicht nicht ganz korrekt. Denn der Kaufvertrag sieht eine derart absolute Geheimhaltung gegenüber sämtlichen Anfragen nicht vor.

Zweitens: Wer sind diese Käufer eigentlich? Nach Informationen unserer Zeitung hat die Lancaster mehr als 80 Prozent der LEG-Anteile erworben, Kronen tausend230 (inzwischen umbenannt in "Rote Rose") weitere gut 15 Prozent. Persönlich haftender Gesellschafter von Lancaster war eine Firma, die vor dem LEG-Deal noch "Vendetta" hieß ­ das italienische Wort für "Blutrache".

Laut Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat Lancaster zwei Mitarbeiter. Das Stammkapital, mit dem Lancaster haftet, betrug laut Genios-Firmendatenbank im vergangenen Jahr lediglich 25.000 Euro. Komplementär der "Roten Rose" ist wiederum eine GmbH mit Namen "Weiße Rose", die ebenfalls mit nur 25.000 Euro haftet.

Deren Geschäftsführer ist ein alter Bekannter: Thomas Hegel, seit 2006 Chef der LEG. Hegel war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die anderen beiden Firmen, Restio und Perry Lux, tauchen in offiziellen Dokumenten nicht mehr als LEG-Eigentümer auf.

Eine direkte Verbindung der vier LEG-Käufer zu Goldman Sachs oder zu Whitehall war gestern für unsere Redaktion weder über den Bundesanzeiger noch über Wirtschaftsauskunfteien wie Hoppenstedt oder Creditreform nachzuvollziehen.

Quelle: RP

 
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