Nach Verstaatlichung: Wer von der Rettung der HRE profitiert
VON MICHAEL BRÖCKER - zuletzt aktualisiert: 12.09.2009 - 15:31Berlin (RP). Mit der Verstaatlichung der maroden Hypo Real Estate hat die Bundesregierung nicht nur das Finanzsystem vor negativen Folgen bewahrt. Auch die katholische Kirche, Rundfunksender, Städte und Versorgungswerke hatten Millionen bei der kriselnden Immobilienbank angelegt.
Die Liste der Gläubiger der Pleite-Bank Hypo Real Estate (HRE) liest sich wie ein Lexikon des öffentlichen Lebens in Deutschland. Städte, Landkreise, Berufsgenossenschaften, Versorgungswerke und öffentlich-rechtliche Rundfunksender haben Gelder ausgerechnet bei der inzwischen verstaatlichten Immobilienbank HRE angelegt, wie ein internes Dokument der Bank belegt, das unserer Redaktion vorliegt. Gesamtvolumen: 3,3 Milliarden Euro.
Zu den Kunden des maroden Immobilienfinanzierers gehörten beispielsweise der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (60 Millionen Euro), die Stadt Frankfurt (35 Millionen Euro), der WDR (147 Millionen), der Bayerische Rundfunk (69 Millionen), das Versorgungswerk der Architektenkammer NRW (75 Millionen) oder die katholische Kirche.
Hypo Real Estate
Unternehmensleitung Axel Wieandt
Unternehmenssitz München
Gründung 2003
Tochtergesellschaften Deutsche Pfandbriefbank und Depfa Bank
Geschäftsbereiche Finanzierung gewerblicher Immobilien, Finanzierung von Infrastrukturprojekten, Kapitalmärkte und Vermögensverwaltung
Staatshilfen mehr als 100 Milliarden Euro
Die Gelder wurden laut Dokument in "unbesicherten" Geldmarktaufnahmen und Schuldscheinen angelegt. Heißt: Die Bank musste keine Sicherheiten wie Immobilien oder Pfandbriefe als Gegenleistung für die Kundengelder bieten. "Eine riskante Anlageform", wie der Hohenheimer Banken-Professor Hans-Peter Burghof sagt.
Wäre das Institut in die Insolvenz gerutscht, hätten die Kunden auf den Einlagensicherungsfonds der Privatbanken hoffen müssen. "Das Geld wäre ohne die Rettung des Staates und ohne die Garantie der Bundesregierung weg gewesen", sagt Burghof. Der Fonds hätte eine Pleite der HRE "niemals stemmen" können, so der Banken-Experte. Ein Sprecher des Bankenverbands betonte auf Anfrage, dass der Fonds nur einspringe, wenn die Schuldscheine auf den Namen des Kunden lauteten. Ob das auf die HRE-Einlagen zutrifft, ist aus den Dokumenten nicht zu entnehmen. Der WDR erklärte, dass die Gelder für die Altersversorgung der Mitarbeiter "dem Schutz des Einlagensicherungsfonds" unterlägen. Ein BR-Sprecher betonte: "Der BR hat keinerlei unbesicherte Einlagen bei der HRE, hat in diesem Zusammenhang keinerlei Verluste erlitten und erwartet auch keine Verluste."
Politiker kritisieren die Anlagepolitik von mit öffentlichem Geld finanzierten Städten, Gemeinden und Rundfunksendern. "Das ist eine fahrlässige und unnötige Anlagestrategie", sagt der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler. Immerhin sei der Einlagensicherungsfonds damals bereits durch die Pleite der US-amerikanischen Investmentbank Lehman-Brothers "außerordentlich" belastet gewesen. Es sei nicht abzusehen, ob und wann mögliche Verluste zurückbezahlt würden.
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