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Aktien-Affäre: WestLB-Chef vor dem Rauswurf

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 25.07.2007 - 07:42

Düsseldorf (RP). Schon morgen könnte Thomas Fischer abgelöst werden. Ihm wird vorgeworfen, den Aufsichtsrat in der Aktien-Affäre nicht ausreichend informiert zu haben. Das Kontrollgremium sucht schon einen Nachfolger.

Die WestLB will offenbar binnen kürzester Zeit ihren kompletten Vorstand austauschen. Das verlautete gestern aus dem Umfeld der Bank. Die Manager stehen in der Schusslinie, weil sie den Aufsichtsrat schon im Juni vergangenen Jahres über gravierende Risiken im Handelsgeschäft der Bank im Unklaren gelassen haben sollen. Der Vorwurf trifft vor allem Vorstandschef Thomas Fischer, der nach Informationen unserer Redaktion schon morgen nach der Sitzung des Kontrollgremiums abgelöst werden könnte. „Es ist nicht auszuschließen, dass weitere Vorstände gehen müssen“, erfuhr unsere Zeitung gestern aus Aufsichtsratskreisen.

Rolf Gerlach, der Chef des Kontrollgremiums, suche bereits Nachfolger für den ehemaligen Deutsche-Bank-Manager Fischer und dessen Vorstandskollegen, heißt es. Das Unternehmen solle einen totalen Neuanfang machen. Gerlach habe in Berlin und Hamburg Gespräche mit potenziellen Nachfolgern geführt. Gerlach war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Eine Sprecherin des NRW-Finanzministeriums erklärte, erst müssten die Gremien der Bank informiert werden, bevor man an die Öffentlichkeit gehen könne.

Die Diskussion um die „Aktien-Affäre“, in der die Bank nach eigenen Angaben bisher 243 Millionen Euro verlor, hat in den vergangenen Tagen offenbar gewaltig an Fahrt gewonnen. Seit dem vergangenen Freitag liegt Aufsichtsratschef Gerlach dem Vernehmen nach ein Zwischenbericht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) vor.

Darin weist die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die im Auftrag der Bafin arbeitet, darauf hin, dass der Vorstand „elementare Informationspflichten“ gegenüber dem Aufsichtsrat verletzt habe. „Es gibt mehrere Vorstandsbeschlüsse von 2006 zu diesem Thema, die so nie hätten getroffen werden dürfen“, hieß es gestern. Der Abschlussbericht der Bafin soll erst Ende August oder Anfang September vorliegen.

Nach Informationen unserer Zeitung hat Gerlach nach Erhalt des Zwischenberichtes auch mit Bafin-Präsident Jochen Sanio gesprochen. Danach sei er zu der Erkenntnis gekommen, dass Fischer „kaum noch zu halten ist“, hieß es gestern aus dem Umfeld der Bank. Der Vorstand sei insgesamt für diese Vorgänge verantwortlich, aber Fischer sei derjenige, den es zuerst treffe.

Wie groß der Schaden für die WestLB aus den umstrittenen Eigenhandels-Geschäften wird, ist derzeit noch offen. Im Gespräch sind seit geraumer Zeit zwischen 400 Millionen und 500 Millionen Euro, von denen die Bank bisher knapp die Hälfte bestätigt hat. Entstanden sind die Verluste bei Geschäften mit Vorzugs- und Stammaktien von BMW, Volkswagen und Metro, bei denen die WestLB-Händler auf bestimmte Kursentwicklungen bei beiden Aktien-Gattungen setzten und sich verkalkulierten. Die Bank hatte ihre früheren Mitarbeiter nach dem Bekanntwerden der Affäre kurz vor Ostern wegen des Verdachts auf Untreue und Kursmanipulation fristlos entlassen. Seither ermittelt nicht nur die Bafin, sondern auch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf.

Die Zwischenergebnisse aus dem Bafin-Bericht könnten auch die Zukunft der WestLB insgesamt beeinflussen. Derzeit wird unter anderem über ein Zusammengehen des Unternehmens mit der Landesbank Baden-Württemberg diskutiert. Alternativ dazu wird in NRW angeblich an einer Landesbanken-Holding gebastelt, unter deren Dach sowohl die WestLB als auch die Landesbanken aus Sachsen und Berlin Platz finden könnten. Möglicherweise suche Gerlach auch deshalb in Berlin einen Nachfolger, heißt es.


 
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