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Woche der Entscheidung: WestLB muss weiter schrumpfen

VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 09.01.2011 - 13:47

Düsseldorf (RP). In der nächsten Woche stehen wichtige Treffen für die Zukunft der Bank auf dem Plan. Die Sparkassen in NRW würden am liebsten eine Fusion mit der Landesbank Helaba und der Dekabank sehen. Aber über den richtigen Weg droht nun Streit mit dem Bundesverband DSGV.

Bis zum Montag müssten diejenigen, die die WestLB kaufen wollten, ein Angebot beim Verkaufsbeauftragten Friedrich Merz einreichen. Am gleichen Tag trifft sich der Lenkungsausschuss, der turnusmäßig über die Zukunft des Unternehmens berät, am Dienstag der Aufsichtsrat der WestLB, am Donnerstag nochmals der Ausschuss. Eine Woche mit wichtigen Sitzungen. Die Kernfragen: Wird die Bank verkauft? Komplett oder in Teilen? Gibt es statt dessen vielleicht doch eine Landesbanken-Fusion? Mit der Frankfurter Helaba? Und der DekaBank?

Letztere ist gestern wieder in den Blickpunkt gerückt. Mitten in die Diskussion um die Zukunft der WestLB platzte nämlich die vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) verkündete Nachricht, die Sparkassen seien sich grundsätzlich einig, den Vermögensverwalter Deka-Bank voll zu übernehmen – also zu den eigenen Anteilen auch noch jene der Landesbanken. Die Nachricht löst wegen des Zeitpunkts der Verkündung Überraschung aus – und provoziert offenbar Streit unter den Sparkassen. Der bundesweite Dachverband sieht nämlich die Übernahmepläne unabhängig von der WestLB-Zukunft, für die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen ist dagegen die Reihenfolge wichtig: Erst soll eine Lösung für die WestLB stehen (die die Deka ja möglichst einschließen soll), dann ein Beschluss der Verbandsversammlungen zur Übernahme der Deka-Anteile folgen. Das klingt nach Streit.

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Lenkungsausschuss

Im WestLB-Lenkungsausschuss sind unter anderem vertreten: Steffen Kampeter (Staatssekretär im Bundesfinanzministerium), Hannes Rehm (Soffin-Chef), Heinrich Haasis (Präsident des Sparkassenverbandes DSGV), Norbert Walter-Borjans (NRW-Finanzminister), Michael Breuer (Sparkassen-Präsident Rheinland), Rolf Gerlach (Sparkassen-Präsident Westfalen-Lippe), Friedrich Merz (beauftragt mit dem Verkauf der WestLB), Dietrich Voigtländer (WestLB-Chef).

Die Abgabe ihrer Deka-Anteile an die Sparkassen würde wiederum einigen Krisen-Landesbanken helfen – zum Beispiel der WestLB. Die könnte weiter schrumpfen und somit der EU-Kommission entgegenkommen. Die Behörde fordert für die Bank bis zum 15. Februar einen neuen Umbauplan, nachdem der alte nicht ausreichte. In Frage steht immer noch die Bewertung von in die so genannte "Bad Bank" ausgelagerten Papieren und damit verbundene mögliche Milliardenbeihilfen des Bundes für die WestLB.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hat unmissverständlich klargemacht, dass er weitere Zugeständnisse aus Düsseldorf erwartet. Von einem Bilanzsummen-Rückgang um bis zu 40 Prozent war gestern die Rede. Der würde auch einen erheblichen Personalabbau nach sich ziehen. Wie wäre eine zusätzliche Schrumpfkur in dieser Größenordnung zu bewerkstelligen? Ein Thema ist die Westdeutsche Immobilienbank (WestImmo). Seit Monaten versucht die WestLB, ihre Tochter zu verkaufen. Das scheitert bisher an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Niemand war bereit, den Buchwert zu zahlen. Verkaufte die WestLB ihre Tochter aber unter Preis, würde sie möglicherweise mehrere hundert Millionen Euro dabei verlieren. Deshalb wird jetzt dem Vernehmen nach darüber diskutiert, ob der Bund in diesem Fall mit einer neuen Kapitalspritze einspringen könnte – als stille Einlage oder als echte Beteiligung. Darüber gehen die Meinungen auseinander.

Auch darüber wird möglicherweise am Montag der Lenkungsausschuss reden, in dem unter anderem Vertreter des Bundes und des Rettungsfonds Soffin sitzen. Ob bis dahin zudem tatsächlich eine ernsthafte Offerte eines Investors beim Ex-Politiker Merz vorliegt, wird in Finanzkreisen stark bezweifelt. "Die meisten von denen, die am Anfang Interesse signalisierten, haben am Ende wegen der EU-Problematik abgewinkt", hieß es gestern im Umfeld der Eigentümer. So lange potenzielle Investoren nicht wissen, ob sie wegen möglicher Beihilfen Geld zurückzahlen müssen, schrecken viele vor einem Angebot zurück. Die Bank sei ohnehin nur in Teilen interessant, heißt es. Ein Zugpferd könnte die Projektfinanzierung der Bank sein, vielleicht auch die Rohstoff-Expertise. Dagegen gilt das Mittelstandsgeschäft als wenig erfolgreich, und die Investmentbanking-Sparte dürfte ebenfalls schwer zu verkaufen sein.

Für die Gesamtbank, so heißt es, könnte sich ein ausländischer Investor interessieren, der damit den Einstieg in den deutschen Bankenmarkt schaffen würde. Ein Kandidat: die China Development Bank, die schon im Gespräch war, als die Allianz die Dresdner Bank verkaufte. Damals scheiterten die Chinesen an der Politik, die die Dresdner Bank lieber in den Armen der Commerzbank sah. Jetzt kooperieren sie schon mit der HSH Nordbank – ein Vorgeschmack auf mehr?

Quelle: RP

 
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