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Umfrage in der Belegschaft
Wie die Mannschaft über ThyssenKrupp denkt

Umfrage in der Belegschaft: Wie die Mannschaft über ThyssenKrupp denkt
Die Thyssen-Belegschaft denkt in großen Teilen gut über ihren Arbeitgeber. Die Grafik illustriert einige Ergebnisse der Umfrage. FOTO: Schnettler
Exklusiv | Düsseldorf. Erstmals hat ThyssenKrupp seine weltweit 160.000 Mitarbeiter befragt. Obwohl Konzernchef Hiesinger den Dax-Riesen radikal umbaut, ist die Belegschaft erstaunlich zufrieden. Aber es gibt auch scharfe Kritik am Management. Von Thomas Reisener

76 Prozent der ThyssenKrupp-Mitarbeiter würden den Konzern als Arbeitgeber weiterempfehlen. 91 Prozent sind auch bereit, sich "über das normale Maß hinaus anzustrengen, um ThyssenKrupp zum Erfolg zu verhelfen". Andererseits: Fast 40 Prozent vertrauen den Entscheidungen der für sie zuständigen Führungsebene nicht oder nur eingeschränkt. Ebenso viele meinen, ihre jeweilige Geschäftsführung orientiere sich nicht ausreichend am verabredeten Leitbild. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der ersten Mitarbeiterbefragung in der Geschichte des Dax-Konzerns, die unserer Zeitung vorliegen.

"Wir haben nicht nur Applaus erwartet", kommentiert ThyssenKrupp-Personalchef Oliver Burkhard die Daten. 75 Fragen ließ er im vergangenen September an fast alle Mitarbeiter im Konzern schicken. Ausgenommen waren Gesellschaften, die vor dem Verkauf stehen. Vorbereitung und Versand der Fragebögen in 28 Sprachen an rund 500 Gesellschaften in 71 Ländern ließ der Konzern sich rund 1,5 Millionen Euro kosten. "Wir bewältigen gerade einen extrem weitreichenden Umbau. Da müssen wir wissen, wo die Führungskräfte und ihre Teams derzeit stehen", begründet Burkhard den Aufwand.

Die Kommunikation mit der Mannschaft gelingt dem Management nicht uneingeschränkt. Nur 66 Prozent der Mitarbeiter sagen: "Ich bin fest von den Geschäftszielen meines Unternehmens überzeugt." Immerhin hat die Belegschaft gegenüber dem Management aber keinen Argwohn. Da bei solchen Befragungen immer auch gezielt nach der Meinung zum direkten Chef gefragt wird, misstrauen Arbeitnehmer oft der zugesagten Anonymität. "Das war bei uns nicht so. Wir haben über 100 000 Fragebögen zurückbekommen", sagt Burkhard. Die überdurchschnittliche Beteiligung von 75 Prozent belege das Grundvertrauen zwischen Management und Mannschaft. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter hat auch von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, jenseits der Fragen in einem Freifeld beliebige Themen zu kommentieren. "Das macht man nicht, wenn man sich nicht mit ThyssenKrupp identifiziert", erklärte der Personalchef.

Historische Bilder von ThyssenKrupp FOTO: tks

Dass die Belegschaft nicht ausnahmslos jubelt, nimmt er gelassen. "Wir haben die Befragung im September 2014 durchgeführt, also in einer Phase, in der der Konzern unter Stress stand." Nach drei Milliardenverlusten in Folge legte der Konzern erst im vergangenen November - also nach der Mitarbeiterbefragung - wieder schwarze Zahlen vor. Zuvor hatte Konzernchef Heinrich Hiesinger rund ein Viertel der Konzerngeschäfte verkauft und im Zuge eines radikalen Kulturwandels binnen weniger Jahre auch einen großen Teil der Manager auf der obersten und der zweiten Führungsebene ausgetauscht.

"Die Befragung war überfällig und hat genau gezeigt, wo wir anders handeln oder mehr kommunizieren müssen", sagt Burkhard. Dass Defizite sichtbar wurden, sei nicht schlimm. "Schlimm wäre nur, wenn die Führungskräfte darauf nicht reagieren." In zwei Jahren will er die nächste Befragung durchführen lassen.

In über 4000 Einzelberichten zu unterschiedlichen Themen sollen die Führungskräfte ab Ende Januar über die Ergebnisse der Befragung informiert werden. Von März bis Juni werden die Berichte in einem konzernweiten Workshop-Programm bearbeitet, um Maßnahmen zu entwickeln. Das klingt nach ziemlich viel Aufwand. Personalchef Burkhard: "Ist es auch. Aber wir sagen eben nicht nur, dass wir unsere Mitarbeiter ernst nehmen. Wir tun es."

Quelle: RP
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