Die Trends der Anuga 2009: Wie Käse in die Tube kommt
VON GEORG WINTERS - zuletzt aktualisiert: 13.10.2009 - 08:48Köln (RP). Bei der Lebensmittelmesse Anuga präsentiert die Ernährungsbranche die neuen Trends in Sachen Essen und Trinken – mehr Bio-Kost, mehr Nachhaltigkeit, viel Regionales. Fast 100 Länder sind bis morgen in Köln vertreten.
Irgendwie hat man bei der Anuga immer ein Gefühl von Restaurant im Giga-Format. In zehn von elf Hallen werden bei der größten Ernährungsmesse der Welt auf Hunderttausenden von Quadratmetern Häppchen gereicht, schlemmen Anzugträger an Tischen, in Nischen oder im Stehen, trinken Gäste aus jedem Teil der Welt im Vorbeigehen etwas, was gesund oder trendy oder gar beides klingt: Vielleicht einen Antistress-Drink aus Brennessel und Ginkgo, den Österreicher an einem Stand anbieten, vielleicht estnisches Mineralwasser, das gleichzeitig Frieden, Harmonie, Liebe, Glück, Vergnügen und Wohlstand verspricht, vielleicht auch Cola mit Chili-Geschmack. Es lebe die Abwechslung. Reines Koffein war gestern, jetzt wird die Cola scharf.
Die Anuga 2009 hat ihre Trends: Mehr Bio-Kost soll es sein, mehr Nachhaltigkeit, das Regionalprinzip soll gepflegt werden, und trotzdem soll die Ernährungsmesse global sein. "Glokalisierung" hat Jeanette Huber vom Zukunftsinstitut in Kelkheim die Mischung aus Globalisierung und Lokaltrend dieser Tage getauft. Die Getränke-Mixtur aus der guten alten Brennessel und fernöstlichem Ginkgo ist ein Beispiel.
Das klingt exotisch, aber nicht wirklich ungewöhnlich. Dafür braucht es dann Thunfisch als Wurst oder Frischkäse aus Salzburger Milch, den eine österreichische Firma in die Tube gepresst hat. Das ist gleichzeitig "Convenience" – also vorgegartes Essen oder solches, das man direkt verzehren kann. Aufbereitet für den Single von heute, der nie Zeit zum Essen hat – auch das ist ein Markenzeichen der diesjährigen Anuga. Es erfüllt andererseits nicht den Anspruch des Gesunden, den die Leitmesse auch hat, aber der wird an anderer Stelle gestillt – mit fett- und zuckerreduzierten Angeboten oder "Anti-Fad-Food". Oder an einem Stand, wo sich der Koch des "ketchup-freien Ketchups" rühmt, mit dem der Geschmacksnerv der Kleinen auf Gesundes wie Tomaten und Paprika gepolt werden soll. Der Nachwuchs will betrogen sein.
Die Anuga spürt die Krise so wenig, wie das die Lebensmittelbranche bisher getan hat. Die Industrie beklagt Preisrückgänge, aber das hat nichts mit der Krise zu tun als vielmehr mit der Marktmacht der großen Handelsketten, die mit den Discountern an der Spitze in diesem Jahr schon zehn Preisrunden hinter sich haben. Die Spielräume seien ausgereizt, betonen die Hersteller, und hoffen auf bessere Zeiten bei den Preisverhandlungen.
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