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Autobauer: Wie Magna mit Opel Russland erobern will

VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 02.06.2009 - 12:39

Düsseldorf (RPO). Der angeschlagene Autobauer Opel kann dank einer  Finanzspritze von 300 Millionen Euro vom Staat seinen Betrieb zunächst aufrechterhalten. Es wurde darauf verzichtet, die vom potenziellen Opel-Investor Magna angebotenen Mittel in Anspruch zu nehmen, erklärte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Dienstag. Magna schloss unterdessen ein Scheitern der Opel-Übernahme nicht aus.

"Es gibt keine Zusicherung, dass aus Magnas derzeitigem Engagement eine Übernahme resultieren wird", hieß es in einer Erklärung des kanadisch-österreichischen Autozulieferers. Allerdings machte Magna-Boss Frank Stronach deutlich, dass er an einen Erfolg glaubt. Alle Seiten würden an einer endgültigen Vereinbarung arbeiten.  

Opel gefährdet Magnas Kerngeschäft

Der Einstieg bei Magna scheint der wirtschaftlichen Logik dieser Tage zu widersprechen: Während viele Unternehmen meist vor- und nachgelagerte Prozesse outsourcen und sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren, holt sich der Zuliefererbetrieb einen kompletten Autohersteller an Bord – und wird so zum vollwertigen Autobauer.

Das könnte das eigentliche Kerngeschäft des Unternehmens gefährden. Denn das Zulieferunternehmen ist gezwungenermaßen in viele Geheimnisse seiner Kunden eingeweiht, weil es eng mit der Autoentwicklung der Hersteller verzahnt ist. Opel-Konkurrenten werden Magna daher künftig nicht mehr an sich heranlassen, spekuliert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Info

Wem Opel bald gehört

Sberbank: Die russische Großbank soll 25 Prozent von Opel übernehmen. Der Autohersteller Gaz (Marke "Wolga") beteiligt sich dagegen nicht, soll aber den Opel-Vertrieb in Russland organisieren.

General Motors: Der US-Konzern will 35 Prozent an Opel behalten.

Magna: Der austro-kanadische Autozulieferer ist die treibende Kraft hinter der Opel-Rettung, übernimmt selbst aber nur 20 Prozent.

Mitarbeiter: Die Opel-Beschäftigten steigen mit zehn Prozent ein.

Was also will Opel mit Magna? Ein Großteil des Reizes für das Investment dürfte in den Staatshilfen liegen. Dabei unterstützt der deutsche Steuerzahler Opel in zweifacher Hinsicht. Bund und Länder gaben grünes Licht für eine Brückenfinanzierung über 1,5 Milliarden Euro. Anschließend will der Bund für private Kredite im Wert von 4,5 Milliarden Euro bürgen. Sollte Opel nicht in der Lage sein, das Geld zurückzuzahlen, springt wiederum der Steuerzahler ein.

Russland: Ein Markt mit Potential

Doch Magna hat noch ein anderes Interesse. Immerhin bezeichneten Bundeskabinettsmitglieder wie Ministerpräsidenten das Konzept des Opel-Investors als überzeugend. Das kandadisch-österreichische Unternehmen hat es auf den russischen Markt abgesehen. Für die kriselnde Autoindustrie ist Russland interessant: Nach Angaben des "Handelsblatt" kommen in Westeuropa auf 1.000 Einwohner bis zu 600 Autos, während es in Russland 190 sind. Nach der schweren Rezession wird Russland daher einer der interessantesten Märkte für Autobauer sein.

Für Russland ergibt auch die Erhöhung der Produktionstiefe Sinn: Der russische Markt ist von zahlreichen Unsicherheiten geprägt. Für Unternehmen ist es häufig schwierig, Rechtsansprüche gegenüber Handelspartnern durchzusetzen. Daher ist es sinnvoll, sämtliche Kompetenzen für den Bau von Autos im eigenen Unternehmen zu bündeln. Weil der russische Staat hohe Einfuhrzölle auf importierte Pkw erhebt, ist es attraktiv, die Autos gleich im eigenen Land produzieren zu lassen. Dazu könnte der Konzern die Produktionsstätten des russischen Autobauers und Magna-Partners Gaz nutzen.

Gaz steckt allerdings selbst tief in der Klemme. Trotz hoher Einfuhrzölle greifen die Russen bei Autos lieber zu Importware. Nur 3000 Autos setzte das Unternehmen laut "Handelsblatt" in diesem Jahre ab – für einen Konzern mit 70.000 Mitarbeitern zu wenig, um profitabel zu sein. Die versuchte Wiederbelebung der russischen Marke "Wolga" floppte. Zudem drücken den Autobauer Schulden in Höhe von 20 Milliarden Dollar.

Nun könnten deutsches Know-How und die Exklusivität, die einem deutschen Markennamen in Russland noch immer anhaftet, Gaz retten. Würden Opel in Russland bei Gaz vom Band laufen, kämen die Russen so in den Genuss ausländischer Technologie ohne durch hohe Importzölle belastet zu werden. "Magna wird freie Produktionskapazitäten bei Gaz nutzen, um dort Opel-Ableger zu produzieren" zitiert das "Handelsblatt" die Einschätzung des Automobilexperten Tim Urquhart.

Die deutschen Opel-Werke werden dagegen um einen Stellenabbau wohl nicht umhin kommen. Zwar garantiert Magna den Erhalt aller deutschen Opel-Werke – an deutschen Standorten sollen laut Magna aber bis zu 2.600 Stellen gestrichen werden. Noch mehr Arbeitsplätze will Magna allerdings in den belgischen und englischen Opel-Standorten abbauen.

Insgesamt sollen in Europa 10.000 bis 11.000 Stellen wegfallen. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgerst (CDU) sagte, der Standort Bochum habe eine Zukunftsperspektive bekommen. Es werde dort keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Bei einer Fusion mit Fiat wären wohl mehr Arbeitsplätze abgebaut worden.

Insolvenz noch nicht ausgeschlossen

Auch der Autoexperte Willi Diez sieht die besten Chancen für Opel in Osteuropa: Opel müsse schnell neue, wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt bringen und neue Märkte erschließen. "Das wird sehr schwierig für Opel werden, denn wahrscheinlich wird der Weg in den amerikanischen Markt versperrt sein. Das wird General Motors nicht tolerieren." Asien sei ein schwierig zu erschließender Markt. "Bleibt also Osteuropa. Aber auch dort ist ja im Moment die Situation nicht so gut, da gehen die Märkte ja auch zurück", sagte Diez am Dienstag dem WDR.

Diez schließt auch nach der vorläufigen Rettung eine Insolvenz des Autobauers nicht aus. "Es ist in der Tat so, dass das noch nicht die Rettung ist, was wir da gesehen haben, sondern das ist allenfalls der Beginn der Rettung", sagte der Experte vom Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen.

Mit Material von AP


 
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