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Fiat-Chef: Wie Marchionne Fiat sanierte

VON STEPHAN DÖRNER - zuletzt aktualisiert: 04.05.2009 - 14:39

Düsseldorf (RPO). Seit Fiat die Übernahme von Opel anstrebt, zählt er in Deutschland zu den bekanntesten Auto-Managern: Fiat-Chef Sergio Marchionne. In Italien ist der Unternehmer hoch angesehen. Als er 2004 das Ruder bei Fiat übernahm, hatten viele den Konzern abgeschrieben. Er belehrte sie eines besseren: In der Autokrise gehen die Italiener auf Einkaufstour. Marchionnes Bilanz bei Fiat ist beindruckend. Statt aus Werksschließungen setzte er auf alternative Konzepte zur Sanierung.

Fiat-Chef Sergio Marchionne ist in Italien ein hoch angesehener Unternehmer. Die Sanierung von Fiat gelang ihm ohne Werksschließungen.  Foto: AP, AP
Fiat-Chef Sergio Marchionne ist in Italien ein hoch angesehener Unternehmer. Die Sanierung von Fiat gelang ihm ohne Werksschließungen. Foto: AP, AP

Als Sergio Marchionne 2004 die Führung beim Fiat-Konzern übernahm, traute ihm kaum jemand zu, das marode Unternehmen zu sanieren. Doch dem 57-Jährige, der gerne leger ohne Krawatte in schwarzem Pullover auftritt, gelang nicht nur die Sanierung – nun träumt er von einem Weltkonzern aus Fiat, GM Europe und Chrysler, der sogar Volkswagen als Nummer zwei unter den Autobauer überholen soll.

In Deutschland gilt Marchionne als Gewerkschaftsschreck, in den USA wird er dagegen als Retter gefeiert. Präsident Barack Obama persönlich wünschte sich den Zusammenschluss mit dem inzwischen insolventen Chrysler-Konzern und stellte Staatshilfen für den Deal in Aussicht.

Bevor Marchionne das Ruder bei Fiat übernahm, sammelte der zertifizierte Wirtschaftsprüfer schon bei dem Warenprüfkonzern SGS in Genf Erfahrung als erfolgreicher Sanierer. Unter sein Regentschaft verdreifachte sich der Unternehmenswert.

Dort knüpft kommt er auch erste Kontakte zur Fiat-Gründerfamilie der Agnellis, die ihn 2004 zu Fiat holten. Den Italienern muss Marchionne, der mit seiner Familie im Alter von 14 Jahren nach Kanada auswanderte, wie ein Fremdkörper vorgekommen sein. Bis heute ist sein Englisch besser als sein Italienisch.

Dennoch gelang ihm die Sanierung des Fiat-Konzerns – ohne auf Konfrontation mit den Mitarbeitern zu gehen. Mit ihm vollzog sich ein scharfer Kulturbruch im Unternehmen. Sein Konzept: Konsequente Zerschlagung von Bürokratie und alten Seilschaften, die den Traditionskonzern bis dahin prägten.

Stattdessen Beschleunigung der Prozesse und eine Verbesserung der Qualitätskontrollen. Das alte Management ersetzte Marchionne dabei konsequent durch eigene, junge Leute. Fabriken wurde nicht geschlossen.

Während er das Edelrestaurant für die Führungskräfte im Unternehmen schließen ließ, erneuerte er die Kantinen für die einfachen Arbeiter und Angestellten.

In der Autokrise erwies sich der Fiat-Chef als weitsichtig. Schon früh erkannte er das enorme Ausmaß der Krise und warnte, es werden nur sechs Spieler weltweit übrig bleiben. Er selbst hält einen Absatz von fünf bis sechs Millionen Autos im Jahr für notwendig.

Seine Führung bei Fiat wird allgemein als Erfolg gewertet. Zwar lasten noch immer 6,6 Milliarden Euro Nettoschulden auf dem Unternehmen, doch Fiat steht in der Krise vergleichsweise gut da. Die spritsparenden Kleinwagen sind in Zeiten der Rezession gefragt. Während der weltweite Pkw-Absatz um neun Prozent einbrach, gelang Fiat ein Absatzplus von 14,7 Prozent.


 
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