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US-Saatguthersteller
Bayer will das Monsanto-Angebot aufstocken

Wie viel bezahlt Bayer für eine Monsanto-Aktie?
Inzwischen läge die Zahl von 127,50 Dollar pro Monsanto-Aktie auf dem Tisch, heißt es. FOTO: ap, SO
Exklusiv | Leverkusen. Im Übernahme-Poker nähern sich beide Seiten an: Bayer soll informell bereits 127,50 Dollar je Monsanto-Aktie auf den Tisch gelegt haben. Für 130 Dollar brauche Vorstandschef Werner Baumann aber das Okay des Aufsichtsrates. Von Antje Höning

Der Übernahmekampf um den Saatgut-Konzern Monsanto nimmt Fahrt auf. In den Gesprächen, die die Spitzen von Monsanto und Bayer in den vergangenen Wochen führten, habe man sich weiter angenähert, hieß es aus Konzernkreisen in Leverkusen.

Inzwischen läge die Zahl von 127,50 Dollar pro Monsanto-Aktie auf dem Tisch. Das jüngste offizielle Angebot von Bayer in Höhe von 125 Dollar je Aktie, was einem Monsanto-Wert von 56 Milliarden Euro entspricht, hatte der US-Konzern im Juli noch als "finanziell unangemessen" bezeichnet. Doch auf informeller Ebene liefen die Gespräche weiter.

Um die Übernahme zügig und freundlich zu Ende zu bringen, seien möglicherweise auch 130 Dollar nötig – und für eine derartige Angebots-Erhöhung brauche der Vorstand noch mal grünes Licht vom Aufsichtsrat, hieß es in den Konzernkreisen weiter. Grundsätzlich seien die Kontrolleure aber nicht abgeneigt. In der Nacht zum Dienstag bestätigte Bayer den Bericht unserer Redaktion: "Bayer bestätigt fortgeschrittene Verhandlungen. Bayer wäre unter der Voraussetzung einer einvernehmlichen Übernahme bereit, 127,50 Dollar je Monsanto-Aktie zu zahlen." Im Juli, als Bayer sein Angebot von 122 auf 125 Dollar je Monsanto-Aktie erhöht hatte, hatte Bayer mitgeteilt: "Die genauen Bedingungen einer endgültigen Transaktionsvereinbarung müssen vom Aufsichtsrat genehmigt werden."

Investoren für den 20. September eingeladen

Am 14. September kommt (wie berichtet) der Aufsichtsrat zusammen. Am folgenden Wochenende wollen Banken gezielt Anleger informieren, wie es aus der Branche heißt. Für den 20. September hat Bayer rund 100 große Investoren nach Köln eingeladen, wo sich Vorstandschef Werner Baumann, Finanz-Vorstand und Spartenchefs beim "Meet the Management" den Fragen stellen. Bis dahin will man in Leverkusen gerne erste Pflöcke eingeschlagen haben.

Baumann hat stets betont: "Bayer hat die feste Absicht, diese Transaktion abzuschließen." Eine freundliche Übernahme ist weniger riskant als eine feindliche. Zudem wäre eine feindliche Übernahme nicht Stil des Hauses. Die Zeit drängt, denn Bayer muss mit Störfeuer aus Ludwigshafen rechnen. BASF, der größte deutsche Chemiekonzern, ist immer für eine Überraschung gut. Bislang hat BASF-Chef Kurt Bock nur gesagt: "Wir haben ziemlich deutlich gemacht, dass unser Pflanzenschutzgeschäft nicht zum Verkauf steht." Auf andere Formen der Kooperation bezog sich sein "Nein" aber nicht.

Der Bayer-Aufsichtsrat steht voll hinter den Übernahme-Plänen. Zunächst gab es im Konzern Stimmen, die fürchteten, dadurch würden Bayer Milliarden fehlen, um weiter ins Pharmageschäft zu investieren. Doch der Vorstand argumentiere anders, wie es heißt: Im Gegenteil könnte gerade eine Stärkung der Agrochemie als zweitem Standbein Bayer durch eine absehbare Schwächephase bei Pharma helfen.

Monsanto gilt weltweit führend beim "Digital Farming"

Dem Pharma-Geschäft (HealthCare), das aktuell für zwei Drittel des Bayer-Gewinns steht, droht mittelfristig eine Flaute. Wenn Kassenschlager wie Xarelto ihren Patentschutz verlieren, hat Bayer nicht genug neue Renner in der Pipeline. Damit wächst in Leverkusen die alte Angst vor einer feindlichen Übernahme. Die Affäre um den Cholesterin-Senker Lipobay 2001 hatte den Konzern auch deshalb so hart getroffen, weil das Pharmageschäft so schwach war. Bayer musste fürchten, übernommen zu werden. So was dürfte Werner Wenning, damals Vorstands- und heute Aufsichtsrats-Chef nicht noch mal erleben wollen.

Zudem gilt Monsanto weltweit führend beim "Digital Farming", das Bauern helfen soll, die optimalen Zeiten und Mengen bei Saatgut und Pflanzenschutz zu finden. Bei Bayer ist das Geschäft noch klein.

Weltweit blicken Anleger gebannt auf den Poker. Hektisch scharren Hedgefonds mit den Füßen. Manche sind erst bei Monsanto eingestiegen, als der Übernahmekampf begonnen hat. Aktuell steht die Monsanto-Aktie bei 107 Dollar.

Quelle: RP
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