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Schlaglöcher auf der A1: Wieder Mängel bei Bilfinger-Berger-Projekt

zuletzt aktualisiert: 11.03.2010 - 14:33

Düsseldorf (RPO). Neuer Ärger für den Baukonzern Bilfinger Berger: Auf der frisch sanierten A1 bei Bremen sind gravierende Mängel aufgetreten. Der Straßenbelag muss vollständig erneuert werden. Das Unternehmen stand in den letzten Wochen wegen mutmaßlicher Pfuschereien bei den U-Bahn-Projekten in Köln und Düsseldorf in den Schlagzeilen. 

Die kurz vor Weihnachten freigegebene und sanierte Autobahn 1 bei Bremen ist derart mit Schlaglöchern übersät, dass eine erneute Grundsanierung erforderlich ist, berichtet der "Weser-Kurier". Sowohl der ADAC als auch die Landesverkehrsbehörde halten die Grundsanierung für notwendig, mit Flickarbeiten sei das Problem nicht zu lösen.

Die A1-Sanierung von Bremen nach Hamburg wird von einem privaten Konsortium aus den Firmen Bunte-Gruppe und Bilfinger Berger organisiert. Die Zusammenarbeit zwischen der Landesverkehrsbehörde und den Unternehmen gestaltet sich offenbar schwierig. Das Konsortium äußert sich bisher nicht zu den Schäden und verweist auf Laboranalysen, die noch nicht abgeschlossen seien.

Info

Die Bilfinger Berger AG

Bauleistung 10,4 Milliarden Euro (in 2009)

Aufträge 11,1 Milliarden Euro

Gewinn 140 Millionen Euro

Mitarbeiter 61 .000 (Ende 2008)

Börsenwert 2,4 Milliarden Euro

Strategie Teilweiser Rückzug aus dem Baugeschäft wegen immer neuer Krisen, Ausbau des stabileren Servicegeschäftes

Bereits 2007 gab es aufgrund von Schäden auf der A1 Kritik für Bilfinger Berger, als auf einem drei Kilometer langen Abschnitt bei Münster schwere Mängel entdeckt wurden. Kurz nach der Freigabe fanden sich zahlreiche Bodenwellen in der Fahrbahn. Bilfinger Berger musste die Verantwortung übernehmen und den Abschnitt sanieren.

Die neuen Löcher auf der A1 sind nicht das einzige Bau-Problem, mit dem sich Bilfinger Berger zurzeit auseinander setzen muss: Nach den U-Bahn-Skandalen in Düsseldorf und Köln wurde Mitte Februar bekannt, dass im Zusammenhang mit dem Bauskandal bei der Kölner U-Bahn auch die ICE-Strecke München-Nürnberg untersucht wird.

Untersuchung an ICE-Strecke

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Konzern seinerzeit mitgeteilt, dass auch an der ICE-Strecke in Bayern der Verdacht auf fehlerhaft angebrachte Anker bestehe. Ein ehemaliger Mitarbeiter soll nach Informationen des "Express" im Zuge der Ermittlungen von manipulierten Vermessungsprotokollen auf der Trasse berichtet haben. Außerdem sollen die Arbeiten für die Verankerung von Betonteilen falsch dokumentiert worden sein, berichtet das Blatt weiter. Der Deutschen Bahn liegen nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse über Mängel oder Unregelmäßigkeiten beim Bau der ICE-Strecke vor.

Unterdessen kommt Bewegung in die Ermittlungen zum Pfusch beim Kölner U-Bahn-Bau. Die Staatsanwaltschaft hat am vergangenen Dienstag drei Firmen im Kölner Raum durchsucht. Es bestehe der Verdacht, dass ein Polier von Bilfinger Berger und dessen acht Mitarbeiter die Bügel entwendet haben, um sie anschließend für ein paar hundert Euro an einen Schrotthändler weiterzuverkaufen.

Anders als in Köln gibt es in Düsseldorf keine klare Motivlage. Bei der Staatsanwaltschaft hält man es für denkbar, dass es hier lediglich zu Schlampereien auf Grund von Bequemlichkeit gekommen ist.

Angeblich hat einer der Arbeiter bereits bei ersten Gesprächen gesagt, man habe mehrfach willkürlich Zahlen in die Protokolle eingesetzt, wenn die Mess-Geräte nicht funktionierten und man keine Überstunden habe machen wollen. Gegen zwei Bilfinger-Berger-Mitarbeiter besteht der Verdacht der Fälschung solcher Protokolle in mehreren Fällen.

Probleme in der Vergangenheit 

Wie die "FTD" erst kürzlich berichtete, hat das Unternehmen schon seit Jahren mit Pannen zu kämpfen. Nicht nur in Deutschland gab es Schwierigkeiten an Großbaustellen, sondern in der ganzen Welt. 2004 brach ein Baugerüst am Maumee River im US-Bundesstaat Ohio zusammen, ein Straßentunnel in Sydney erwies sich als finanzieller Rohrkrepierer.

2008 erlebte Bilfinger ein Bau-Fiasko in Norwegen. "Wir haben die Geologie und Topographie unterschätzt", räumte damals ein Sprecher ein, als die Kosten für die Autobahn E18 überhand nahmen und die Aktien in den Keller schickten.

Seine Prognose korrigieren musste das Unternehmen auch nach dem Zusammenbruch des Kölner Stadtarchivs im März 2009. Und die Auswirkungen der Finanzkrise in Katar bekam das Unternehmen ebenfalls zu spüren, als es 2009 zu Zahlungsstreitigkeiten beim Bau der der Autobahn Doha Expressway kam.

Quelle: RPO/dsc/pst

 
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