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Hungerrevolten in 33 Ländern: "Wir stöhnen, sie hungern"

VON MATTHIAS BEERMANN - zuletzt aktualisiert: 14.04.2008 - 07:56

Düsseldorf/Washington (RP/RPO). Weltweit explodieren die Preise für Nahrungsmittel. Unruhen sind die Folge. Die Regierung in Haiti ist nach Hunger-Protesten gestürzt. Das Thema entwickelt sich zu einem ernsten globalen Sicherheitsproblem. Nicht unverschuldet, wie viele Kommentare in den deutschen Zeitungen anmerken.

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Neben der Agrar-Produktion für Biosprit gilt das von den westlichen Industriestaaten gesteuerte Welthandelssystem als Ursache für die dramatische Entwicklung. Durch die Zeitungslandschaft geht am Montag ein Aufschrei. Viele Kommentatoren legen den Finger in die Wunde: Das Problem ist hausgemacht. Lesen Sie hier eine Auswahl der aktuellen Pressestimmen.

Die weltweit explodierenden Preise für Nahrungsmittel schüren die Furcht vor politischen und sozialen Unruhen. In 33 Ländern rund um den Globus sind nach Angaben der Weltbank in den vergangenen Monaten bereits Hungerproteste ausgebrochen.

Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul machte bei der Weltbank-Frühjahrstagung in Washington gestern vor allem die forcierte Herstellung von Biotreibstoff für den Preisanstieg verantwortlich und forderte eine Umkehr.

Weltbankpräsident Robert Zoellick beklagte, „während sich manche Sorgen machen, wie sie ihren Benzintank füllen, kämpfen viele andere darum, wie sie ihren Magen füllen können“. Die Ärmsten seien von den steigenden Preisen am stärksten betroffen, da sie bisher schon bis zu 75 Prozent ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben müssten. Die internationale Gemeinschaft müsse mindestens 500 Millionen Dollar (316 Millionen Euro) aufwenden, um die Versorgungslücke bei Nahrungsmitteln zu schließen.

Auch der Direktor des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, warnte, die steigenden Nahrungsmittelpreise verschärften die Gefahr von Hungerkrisen in vielen Entwicklungsländern. Die Entwicklungsfortschritte der vergangenen fünf bis zehn Jahre könnten „vollständig zerstört“ werden, sagte Strauss-Kahn zum Abschluss der IWF-Frühjahrstagung in Washington. Der Hunger sei ein „Konfliktherd für die Zukunft“. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sprach in Washington mit Blick auf drohende Hungersnöte von einem „Monster“, das die politische Weltbühne betreten habe.

Unterdessen führten die tagelangen Massenproteste gegen hohe Lebensmittelpreise in Haiti zum Sturz der Regierung. Premierminister Jacques-Edouard Alexis musste am Wochenende seinen Hut nehmen. Bei den Ausschreitungen war auch ein Uno-Polizist getötet worden. Insgesamt kamen nach Angaben von Hilfsorganisationen mindestens fünf Menschen ums Leben, 200 wurden verletzt.

Angesichts der steigenden Rohstoffkosten müssen sich auch die Deutschen auf weiter steigende Lebensmittelpreise einstellen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie geht für das laufende Jahr von einem weiteren Anstieg der Verbraucherpreise um drei bis vier Prozent aus.

„Die Firmen sind nicht in der Lage, die höheren Kosten durch Einsparungen woanders auszugleichen“, sagte Verbandspräsident Jürgen Abraham.


 
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