Boykott-Diskussion: Wirtschaft bangt um Aufträge aus China
zuletzt aktualisiert: 18.04.2008 - 06:27Osnabrück (RPO). Die deutsche Wirtschaft mahnt zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit Chinas Menschenrechts- und Tibetpolitik. Eine weitere Eskalation schade den Beziehungen zwischen Europa und China, klagt der Geschäftsführer des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK).
Bislang seien keine Stornierungen von Aufträgen an deutsche Unternehmen bekannt, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Wansleben äußerte sich besorgt über die Boykott-Aufrufe in China gegen westliche Firmen. "Das gibt nur der Diskussion in Europa über antichinesische Boykotte neue Nahrung", sagte er.
Die deutsche Wirtschaft sei an stabilen und langfristigen Beziehungen zu ihrem wichtigsten Wirtschaftspartner in Asien interessiert, sagte Wansleben. Zudem hingen über 200.000 Arbeitsplätze in Deutschland direkt vom Export nach China ab. "Wir sollten alle Kanäle des deutsch-chinesischen Dialogs in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur für sachliche Auseinandersetzungen nutzen", forderte der DIHK.
Ähnlich äußerte sich der Asien-Experte des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Friedolin Strack. Vielmehr müsse die aktuelle Situation als Chance begriffen werden, den Dialog mit Peking auch zu kritischen Frage zu intensivieren. "Einschränkungen der geschäftlichen Beziehungen mit China würden die deutsche Wirtschaft - und damit uns alle - empfindlich in einem wichtigen Wachstumsmarkt treffen", sagte der BDI-Experte.
2007 seien für 55 Milliarden Euro deutsche Produkte nach China exportiert worden. Das seien sieben Prozent der deutschen Gesamtausfuhren. Deutsche Importe aus China hätten 2007 ein Volumen von 30 Milliarden Euro erreicht. Das seien drei Prozent der deutschen Gesamtimporte.
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