Frühjahrsgutachten: Wirtschaft wächst um 1,5 Prozent
VON B. MARSCHALL UND E. QUADBECK - zuletzt aktualisiert: 15.04.2010 - 11:41Berlin (RP). Die deutsche Wirtschaft erholt sich nur langsam. Im nächsten Jahr wird das Wachstum sogar ein bisschen schwächer ausfallen als 2010. Das steht im Frühjahrsgutachten der sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute.
Nach dem strengen Winter ist die Konjunktur in Deutschland wieder angesprungen. Die deutsche Wirtschaft wird im laufenden Jahr um 1,5 Prozent und im kommenden Jahr um 1,4 Prozent wachsen. Dies geht nach Informationen unserer Redaktion aus dem Frühjahrsgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hervor. Das Gutachten soll heute in Berlin veröffentlicht werden. Noch im Herbst waren die Ökonomen von einem Wachstum von nur 1,2 Prozent ausgegangen.
Das Frühjahrsgutachten liefert der Bundesregierung wichtige Informationen für ihre eigene Konjunkturprognose. In der Vergangenheit hatte das Bundeswirtschaftsministerium die Institutsprognose übernommen. Sie dürfte nun auch die Grundlage für die Steuerschätzung vom 4. bis 6. Mai kurz vor der NRW-Landtagswahl bilden.
Auch für den Arbeitsmarkt gibt es eine vorsichtig optimistische Vorhersage. Die Arbeitslosigkeit soll dem Frühjahrsgutachten zufolge im Jahresdurchschnitt auf 3,38 Millionen sinken. Für 2011 kann mit nur noch 3,31 Millionen Arbeitslosen gerechnet werden. Noch im Herbst waren die Institute von einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit im laufenden Jahr ausgegangen. Die Defizitquote wird von den Gutachtern auf 4,9 Prozent im laufenden Jahr und 4,2 Prozent für 2011 geschätzt.
Als Grund für den konjunkturellen Aufholprozess nennen die führenden Wirtschaftsinstitute die Nachfrage nach Exportgütern. Die exportorientierte Wirtschaft profitiere von der anziehenden Nachfrage nach hochwertigen Gütern "Made in Germany" aus Schwellenländern wie China und Indien, meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf mit dem Gutachten vertraute Kreise. Vom privaten Konsum im Inland seien hingegen vorerst keine größeren Konjunkturimpulse zu erwarten, hieß es.
Deutlich optimistischer als das Frühjahrsgutachten zeigt sich das DIW, das seit einigen Jahren nicht mehr am gemeinsamen Gutachten der Institute mitwirkt. Die DIW-Experten sagen für das laufende Jahr ein Plus von 1,7 Prozent voraus. Für 2011 rechnen sie sogar mit 1,8 Prozent Wachstum. "Es sieht so aus, als ob Deutschland der Krise erst einmal entkommen ist", sagte DIW-präsident Klaus Zimmermann. Zugleich mahnte er aber zur Disziplin. "Um die Haushalte zu konsolidieren, werden wird um Steuererhöhungen nicht herumkommen", betonte Zimmermann.
Die defizitären Haushalte der EU-Länder und die Schuldenkrise Griechlands sollen dem Vernehmen nach auch Gegenstand des Frühjahrsgutachtens sein.
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