Theo Schöller starb kurz nach seinem 87. Geburtstag: Wirtschaftswunder-Pionier: Der "Eiskönig" ist tot
zuletzt aktualisiert: 28.06.2004 - 16:19Nürnberg (rpo). Millionen Zungen haben sich schon an seiner kalten Süßigkeit gelabt. Nun ist er tot, der Nürnberger "Eiskönig" und Pionier des Wirtschaftswunders, Theo Schöller.
Der herzkranke Unternehmer starb laut Angaben der Firma Nestle vom Montag in Frankfurt am Main kurz nach seinem 87. Geburtstag. Der als bescheiden geltende Nürnberger Ehrenbürger und Multimillionär hatte sich in den letzten Jahren seines Lebens gänzlich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.
Theo Schöller hatte 1937 gemeinsam mit seinem Bruder eine Eisfirma gegründet und 1960 die Marke "Schöller Eiskrem" eingeführt. Mit "Eis am Stil" legte er 1937 den Grundstein für sein Firmenimperium. Schöller zählte neben Max Grundig und dem Quelle-Gründer Gustav Schickedanz zu den Pionieren des Wirtschaftswunders und bekanntesten fränkischen Unternehmerpersönlichkeiten. Die globalisierte Wirtschaft machte jedoch auch vor Schöller nicht halt. Nachdem der Karstadt-Konzern Quelle geschluckt hatte, tat sich Schöller in den 80-er Jahren mit Südzucker zusammen. Seit 2001 schließlich gehört sein Unternehmen zum Schweizer Lebensmittelkonzern Nestle.
Zuletzt hatte der schwer herzkranke Schöller, der sich Schritt für Schritt vom Vorsitz des Aufsichtsrats und der Gesellschafterversammlung zurückzog, als Mäzen für Wissenschaft und Kultur von sich reden gemacht. Mit beträchtlichen Summen unterstützte er die Nürnberger Oper, das Konservatorium und die Sanierung von Baudenkmälern in seiner Heimatstadt. Dem Zentrum für Altersmedizin am Nürnberger Nordklinikum komme dank der Zuwendungen der Schöller-Familienstiftung, die er gemeinsam mit seiner Frau Friedl initiiert hatte, "eine bundesweite Vorreiterrolle zu", erklärte der Oberbürgermeister. Und der TU München stiftete er einen Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement.
Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly würdigte Schöller als einen der "ganz großen Unternehmer" der Region. Schöller habe mit dem Aufbau seiner Firma, "eine gewaltige wirtschaftliche Leistung erbracht". In den letzten Jahren hatte sich der Nürnberger Ehrenbürger vor allem als Mäzen einen Namen gemacht.
Ein Rückblick:
Den Gründergeist hatte der Sohn eines Nürnberger Büromöbel-Fabrikanten in die Wiege gelegt bekommen. Als junger Mann entdeckte Schöller in einem Berliner Varieté ein handliches Speiseeis, das am Stiel gereicht wurde. Die Initialzündung zur Firmengründung kam wenig später, als er bei einem Autorennen entdeckte, wie gut sich die handlichen Schlecker verkauften. Begeistert nahm der 20-Jährige die Idee auf und fabrizierte gemeinsam mit seinem Bruder auf dem Grundstück der Eltern das erste "Steckerles-Eis". In Handarbeit fertigte man dort das Eis am Stiel: Ein rechteckiges Milcheis "Stabdard" in den Geschmacksrichtungen Erdbeere, Vanille und Schokolade und ein rundes Wassereis mit Zitronenaroma, das offenbar ganz den Geschmack der Nachkriegsgeneration traf.
Täglich bis zu 15.000 Stieleis produzierte die 25-köpfige Belegschaft in Handarbeit bereits in den Anfangstagen. Zum Kunden kam das kalte Produkt mit italienischem Flair: Wenn die Schöller-Fahrräder mit dem Hilfsmotor heranknatterten, erinnerte das beinahe an die Vespas auf der italienischen Piazza.
Bald stieg Theo Schöller zum zweitgrößten Eisfabrikanten Europas auf. Das Eis am Stiel war nur ein Standbein Schöllers. Im Sommer Eis, im Winter Lebkuchen, lautete bald das Erfolgsrezept von Theo Schöller. "Mit dem Aufbau der Firma Schöller hat er nicht nur eine gewaltige wirtschaftliche Leistung erbracht, sondern auch Speiseeis- und Lebkuchengenießer im In- und Ausland mit erstklassigen Produkten aus Nürnberg bekannt gemacht", erklärte Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly.
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