Optimistisch in die Zukunft: Wo 2011 neue Chefs antreten
VON R. KOWALEWSKY, T. REISENER UND M. ROOS - zuletzt aktualisiert: 01.01.2011 - 12:30Düsseldorf (RP). Bei Lufthansa, ThyssenKrupp, Karstadt und in der Klebstoffsparte von Henkel heißt es nun: Neue Besen kehren gut. Dabei haben die kommenden Top-Leute eines gemeinsam: Die von ihnen geleiteten Firmen und Bereiche haben jeweils extreme Krisen hinter sich – und die Zukunft sieht gut aus.
Was haben die beiden Dax-Konzerne Lufthansa und ThyssenKrupp, die Warenhausgruppe Karstadt sowie das Klebstoffgeschäft von Henkel gemeinsam? Sie alle haben gerade die jeweils schwerste Firmenkrise hinter sich – bei Karstadt inklusive Insolvenz, bei Lufthansa und ThyssenKrupp und dem Henkel-Klebstoffgeschäft mit hohem Verlust im Wirtschaftsabschwung 2008/2009. Sie schauen nach massiven Umstrukturierungen jetzt halbwegs optimistisch in die Zukunft. Und mit neuen Chefs ab nächstem Jahr sind erneute Änderungen schon jetzt absehbar.
ThyssenKrupp: Die wohl größte Aufgabe hat Heinrich Hiesinger, der bei Deutschlands größtem Stahlkonzern ab dem 21. Januar die Führung übernimmt. Nicht, weil der Konzern immer noch in schwerem Fahrwasser wäre – im Gegenteil: Der scheidende Konzernchef Ekkehard Schulz hat den Konzern souverän wieder aus der Krise geführt und übergibt seinem Nachfolger ein bestelltes Feld.
Allerdings hat Schulz mit den milliardenschweren Investitionen in die Stahlsparte des Konzerns zuletzt eine Richtung vorgegeben, die Hiesinger nun offensichtlich umkehren soll. Schon aus der Tatsache, dass mit dem ehemaligen Siemens-Manager Hiesinger ein Externer Chef bei ThyssenKrupp wird und nicht – wie ursprünglich vermutet – ein interner Stahl-Manager, geht hervor, dass nun erst mal die Technologie-Geschäfte des Konzerns im Fokus stehen.
In ersten Gesprächen hat Hiesinger das mit vorsichtigen Worten auch schon angedeutet. Wie auch immer: Er tritt in große Fußstapfen. Mit ihm steht erstmals ein externer Manager an der Spitze des Konzerns. Und Schulz galt als einer der beliebtesten Dax-Chefs überhaupt. Deshalb tat Hiesinger gut daran, sich vor seinem Amtsantritt im Januar drei Monate Zeit für eine ausgedehnte Reise durch die Konzernwelt zu nehmen. Die Geste kam bei den Beschäftigten an.
Lufthansa: Viel länger als Hiesinger hat sich dagegen Christoph Franz auf seine neue Aufgabe vorbereitet. Zum Jahreswechsel übernimmt der 50-jährige bisherige Vize das Steuer der größten europäischen Fluggesellschaft von Wolfgang Mayrhuber (63). Mayrhuber hat den Kranich in sieben Jahren zu einem wachsenden und weitgehend profitablen Verbund umgebaut. Keine schlüssige Antwort hat er allerdings auf die wachsende Herausforderung durch die Billigflieger gefunden, die er mal mit einer Qualitätsoffensive und mal mit einer Preisoffensive zu bekämpfen versuchte. Zu den größten Problemen der Lufthansa gehört inzwischen – eben auch wegen der Billigfliegerei – das Europageschäft. Experten schätzen die jährlichen Verluste der Lufthansa auf den Mittelstrecken auf über 200 Millionen Euro pro Jahr. An seinen Erfolgen auf diesem Feld wird Franz gemessen.
Karstadt: Einen Neustart der besonderen Art wagt Karstadt mit Andrew Jennings. Der 62-jährige Brite spricht nicht einmal Deutsch und kommt zum neuen Jahr von Südafrika nach Essen, um im Auftrag des neuen Inhabers Nicolas Berggruen das Handelshaus aufzupeppen. Die Aufgabe ist riesig: 2009 hatte Karstadt Insolvenz anmelden müssen. Nun sind zwar die einst sehr hohen Mieten runter gehandelt und die Kauflust der Kunden ist prächtig, doch es gibt noch viel zu tun.
Doch Jennings wird nach 40 Jahren als Handelsmanager ein gutes Händchen beim Entwickeln neuer Ideen nachgesagt: Aus einem Lagerraum machte er bei Woolworth Südafrika eine Tapas-Bar mitten im Laden. Er besucht Filialen gerne unangemeldet und wird "The Hurricane" genannt – der Wirbelsturm. Und die wichtigste Empfehlung: Woolworth Südafrika brachte er die Rettung.
Henkel: Völlig überraschend für ihn persönlich wie auch für Henkel übernimmt Jan-Dirk Auris zum 1. Januar das für Henkel wichtige Geschäft mit Klebstoffen. Mit gerade 42 Jahren kommt er damit auch in den Vorstand – keine schlechte Karriere für einen früheren Auszubildenden beim Düsseldorfer Chemiegiganten. Aber Vorgänger Thomas Geitner verlässt den Konzern plötzlich, um sich um seine in London lebende große Familie zu kümmern.
Auris bekam bei Henkel alle zwei bis drei Jahre einen neuen und größeren Bereich zu verantworten – bis zuletzt zum Henkel-Chef von Asia-Pacific in Schanghai. Dort hatte er die Verantwortung für Henkels Klebstoff-Geschäft, das für den Henkelkonzern nach harter Sanierung durch Geitner eine immer größere Rolle spielt. Nun gilt es, die Partnerschaft mit der Autoindustrie und den Computerherstellern auszubauen – sie sind die wichtigsten Abnehmer von Klebstoffen.
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