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US-Banken legen Zahlen vor: Woche der Wahrheit an der Börse

zuletzt aktualisiert: 18.03.2008 - 13:38

Frankfurt/Main (RPO). Investoren in aller Welt blicken gebannt in die USA: Gleich drei große US-Finanzinstitute geben in dieser Woche ihre Zahlen für das erste Quartal 2008 bekannt. Für die Investoren gilt die Karwoche deshalb als Woche der Wahrheit.

Den Anfang sollte eigentlich am Montag die fast Pleite gegangene Investmentbank Bear Stearns machen, wegen der Übernahme durch JPMorgan Chase wurde die Veröffentlichung aber verschoben. Für Dienstag sind Goldman Sachs und Lehman Brothers angekündigt, am Mittwoch Morgan Stanley. Dementsprechend gilt die Karwoche für die Investoren auch als Woche der Wahrheit.

Das beispiellose Rettungsprogramm von Privatwirtschaft und US-Notenbank für die traditionsreiche Investmentbank Bear Stearns sowie die überraschende Diskontsatzsenkung der US-Notenbank haben die Märkte schon am Montag weltweit auf Talfahrt geschickt. In einer Blitzaktion wurde am Wochenende die Übernahme von Bear Stearns durch den Konkurrenten JPMorgan Chase eingefädelt. Der Kaufpreis liegt bei nur 236,2 Millionen Dollar (151,8 Millionen Euro), 93 Prozent unter dem Börsenwert vom Freitag.

UBS verliert 11 Prozent

Geradezu fluchtartig stiegen Anleger am Montag aus Finanzaktien aus: So verlor in Deutschland die HypoRealEstate fast 10 Prozent, die Deutsche Börse selbst und die Commerzbank gaben rund 8 Prozent nach und die Deutsche Bank 6 Prozent. In der Schweiz büßten die Großbank UBS am Vormittag mehr als 11 Prozent und die Credit Suisse 8 Prozent ein. Für BNP Paribas in Frankreich ging es knapp 6 Prozent nach unten, für Société Generale sogar 9 Prozent. Die britische Barclay's Bank verlor mehr als 8 Prozent.

Detaillierte Zahlen zum Geschäftsverlauf von US-Banken wird es aber erst ab Dienstag geben. Den Anfang macht dann Goldman Sachs: Die Investmentbank war bis Ende vergangenen Jahres noch gut durch die Immobilienkrise gekommen und konnte für 2007 sogar ein Rekordgeschäftsjahr vermelden. Analysten haben ihre Erwartungen für das erste Quartal von Goldman Sachs aber schon in der vergangenen Woche nach unten geschraubt.

Die zweitgrößte US-Investmentbank, Morgan Stanley, gab schon vor vier Wochen bekannt, dass insgesamt 1000 Angestellte im Bereich der Immobilienfinanzierungen das Unternehmen verlassen müssten. Die Geschäfte mit Hypotheken in den USA und Großbritannien sollten deutlich zurückgefahren werden, hieß es dazu. Morgan Stanley musste im vierten Quartal 2007 infolge der Hypothekenkrise insgesamt 9,4 Milliarden Dollar (6,5 Milliarden Euro) abschreiben. Zum ersten Quartal 2008 sollte sich das Haus am Mittwoch äußern.

Steinbrück warnt vor Folgen der Krise

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sieht in den Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten "eine der größten Finanzkrisen in den letzten Jahrzehnten" und plädiert für ein Eingreifen der Politik zum Schutz der deutschen Wirtschaft. Politik und Banken in Deutschland müssten zur Bewältigung der Lage eng zusammen arbeiten, forderte der SPD-Politiker am Dienstag in Potsdam. Die Auswirkungen der Krise auf die Realwirtschaft könnten nicht verleugnet werden.

"Wir sind in Deutschland sehr stark darauf angewiesen, die bisherige gute Zusammenarbeit zwischen Politik, Bundesbank, Bankenverbänden und Bankinstituten so dicht zu halten, dass wir die Folgewirkungen hier minimieren können", sagte Steinbrück. "Das ist eine Frage des Krisenmanagements. Und ich bin froh, dass es bisher funktioniert hat." Die ökonomischen Fundamentaldaten in Deutschland seien in Ordnung, erklärte der Minister. Deshalb hoffe er, "dass wir aus der krisenhaften Zuspitzung besser hervorgehen als dies derzeit in den USA der Fall ist."

Steinbrück betonte, es gebe Chancen, dass die Krise hier zu Lande nicht so stark wie in den USA ausfalle. Die deutsche Volkswirtschaft sei robuster als die amerikanische aufgestellt. Er begrüßte, dass in den Vereinigten Staaten inzwischen Maßnahmen ergriffen worden seien, um die Krise einzudämmen. Allerdings wollte er nicht bewerten, ob diese ausreichten. Der Minister warnte, die Zuspitzung der Lage drohe auch andere Teile der Welt in Mitleidenschaft zu ziehen.


Quelle: ap

 
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