Studie lobt reiche Wohltäter: Wohlhabende engagieren sich stark
VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 30.11.2010 - 08:10(RP). Wohlhabende Menschen engagieren sich überdurchschnittlich für die Gesellschaft. Sie haben wenig mit dem Klischee gelangweilter Luxus-Menschen in so mancher TV-Serie wie "Derrick" zu tun. Dies ist eines der wichtigsten Ergebnisse des soeben erschienenen Sammelbandes "Vermögen in Deutschland", den unter anderem der Schwiegersohn von Udo Jürgens, Thomas Druyen, herausgab.
Der Professor des Lehrstuhles "für vergleichende Vermögenskultur" an der Sigmund-Freud-Privatuniversität in Wien sagt: "Wohlhabende glauben grundsätzlich besonders stark daran, dass ihr Leben deutlich vom eigenen Handeln geprägt ist. Pauschalisiert kann man sagen: Reiche agieren mehr und reagieren weniger."
Die Untersuchung zeigt vier Erkenntnisse: Erstens sind reine Erben passiver als die viel größere Gruppe der Wohlhabenden, die ihr Vermögen zum großen Teil mit eigener Arbeit angehäuft hat (zum Beispiel auch Schwiegervater Udo Jürgens). Zweitens gibt es einen starken Zusammenhang zwischen Bildung und Vermögen – ganz so viele Wohlhabende, die es "vom Tellerwäscher zum Millionär" brachten, scheint es zumindest in Deutschland nicht zu geben.
Laut Studie haben Menschen mit Hochschulabschluss beispielsweise eine viermal so hohe Chance, ein persönliches Vermögen von mehr als einer Million Euro (ohne Immobilien und ohne Lebensversicherung) zu haben, als Menschen, die nur eine Lehre abschlossen.
Drittens sind Angestellte und Beamte viel seltener wirklich wohlhabend als Menschen, die eine eigene Firma oder eine Kanzlei aufbauen – der Antrieb, selber etwas aufzubauen führt dann fast zwangsläufig auch zu einem besonders gut gefüllten Konto.
Und als letzter Punkt sind Menschen mit hohem Vermögen auch viel spendierfreudiger für die Allgemeinheit als der Durchschnitt der Gesellschaft: Unter 500 befragten "reichen" Haushalten in Deutschland, die jeweils mindestens 200.000 Euro zur freien Verfügung haben, spenden immerhin 75 Prozent einmal im Jahr Geld für soziale, kulturelle oder ähnliche Zwecke – trotzdem haben sie natürlich für ihren Konsum viel mehr Geld über als Durchschnittsfamilien.
Und mehr als 80 Prozent bezeichnen sich auf irgendeine Art und Weise als "gesellschaftlich engagiert". Das ist ein extrem hoher Wert, wenn man bedenkt, dass nur 36 Prozent der Bevölkerung in irgendeinem Verein aktiv sind, dass die Zahl der aktiven Parteimitglieder insgesamt sinkt, und dass jede Kirchengemeinde froh ist über Menschen, die dauerhaft ein Ehrenamt übernehmen.
Interessant ist dabei, wie sich die Gruppe der offensichtlichen "reinen Erben" von den Wohlhabenden unterscheidet, die beruflich aktiv sind. Nur 64 Prozent der Wohlhabenden, die grundsätzlich "nicht erwerbstätig" sind, engagiert sich laut der Studie für ihr Umfeld.
Dagegen sind es von denjenigen, die erwerbstätig sind, immerhin 82 Prozent und sogar fast 90 Prozent derjenigen, die als Vermögende gerade in den Ruhestand gehen oder schon als Pensionäre leben. "Gut tun – tut gut. Das Gefühl gebraucht zu werden, trägt zur Lebensqualität in jeder Altersstufe bei", heißt es in der Studie.
Auf einen Sonderfall weist die Untersuchung auch noch hin: Es gibt ja auch Menschen, die "durch Heirat" reich wurden. Die geben anscheinend erst recht einen Teil des so erhaltenen materiellen Glücks zurück. 90 Prozent von ihnen erklärten in der Befragung, sich sozial-kulturell zu engagieren.
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