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Wohnungskonzern
Vonovia steigt den Mietern aufs Dach

Wohnungskonzern: Vonovia steigt den Mietern aufs Dach
Vonovia ist Deutschlands größter Wohnungskonzern. FOTO: dpa, bt skm ink
Düsseldorf. Deutschlands größter Wohnungskonzern will im großen Stil ganze Fertigbau-Geschosse auf Wohnhäuser aufsetzen. Auch eine Weiterentwicklung des verhassten Plattenbaus ist geplant. So soll auch Wohnraum für Flüchtlinge entstehen. Von Thomas Reisener

Trotz der geplatzten Übernahme der Deutschen Wohnen steht Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia blendend da: Das operative Ergebnis mehr als verdoppelt, praktisch kein Leerstand mehr, die Schuldenkrise gemeistert und den Wert des eigenen Immobilienbestandes verdoppelt - mehr kann ein Dax-Konzern binnen eines Geschäftsjahres kaum erreichen. Statt sich wie in den vergangenen Jahren für vieles rechtfertigen zu müssen, plauderte Vonovia-Chef Rolf Buch auf der Bilanzpressekonferenz entspannt über etwas anderes: die Flüchtlingskrise.

Scharfe Botschaft im Plauderton

Sein Plauderton täuschte aber nicht über die Schärfe seiner Botschaft hinweg: "Unser Land ist in keiner Weise auf diese Herausforderung vorbereitet, vor allem nicht der Wohnungsmarkt." Weil die meisten Flüchtlinge noch in staatlichen Behelfsunterkünften lebten, werde der Großteil des Bedarfs erst im Herbst auf dem freien Wohnungsmarkt ankommen. "Dort trifft dieser zusätzliche Bedarf der Flüchtlinge dann auf die strukturelle Wohnungsknappheit, die es in vielen Regionen Deutschlands heute schon gibt", sagte Buch voraus. Mit absehbar dramatischen Konsequenzen für das preiswerte Wohnsegment vor allem in Ballungsräumen. Für ein ausreichendes Angebot brauche Deutschland jährlich 350.000 neue Wohnungen. "Also jedes Jahr eine komplette Vonovia zusätzlich", rechnete Buch vor. Der Konzern hält bundesweit 357.000 Wohneinheiten.

Um sowohl schnell als auch günstig gegensteuern zu können, fordert Buch neben dem Abbau von bürokratischen Neubau-Hürden auch die Abkehr von deutschen Städtebau-Klischees. Er plädiert zum Beispiel für eine Renaissance der verhassten Plattenbauten: "Die meisten verbinden damit das schlechte Image der Mangelwirtschafts-Bauten im Osten", so Buch. Während der Fertighaus- und Systembau bei Einfamilienhäusern als preiswerte Alternative längst akzeptiert ist, sei die Weiterentwicklung der Fertigbauweise im Geschosswohnungsbau in den 1950er Jahren abgebrochen. Das versteht Buch nicht. "Was ist denn schlimm daran, wenn dasselbe Hochhaus zeitgleich in Düsseldorf, München und Hamburg entsteht?" Neben dem Aufsetzen ganzer Fertigbau-Stockwerke auf bestehende Immobilien sieht Buch im weiterentwickelten Plattenbau eine der wenigen Chancen, den gigantischen Neubaubedarf schnell und preiswert zu realisieren.

Bis zu 1000 neuen Wohnungen

Neben derartigen Neubauprojekten - Buch will im laufenden Jahr bis zu 1000 neue Wohnungen bauen lassen - will Vonovia nun mit kleineren Zukäufen wachsen. Dabei seien lediglich Käufe von börsennotierten Immobiliengesellschaften ausgeschlossen - diese Optionen habe man allesamt überprüft und aus unterschiedlichen Gründen verworfen. Eine Botschaft, die man im Hauptquartier der Düsseldorfer LEG vermutlich mit Erleichterung aufnehmen wird.

Inklusive Neubauten will Vonovia im laufenden Jahr 830 Millionen Euro investieren - gut 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Früheren Angaben zufolge sollen 220 Millionen Euro davon nach NRW fließen, wo Vonovia den Löwenanteil seiner Wohnungen hält.

Eine Milliarde Euro

Unter dem Strich verdiente Vonovia im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Euro - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Wesentlicher Faktor dabei war der Zukauf des Wettbewerbers Gagfah. Die Mieteinnahmen steigerte Vonovia um knapp drei Prozent - die durchschnittliche Vonovia-Kaltmiete liegt bei 5,78 Euro pro Quadratmeter.

Anders als beim Vonovia-Vorgänger Annington scheinen die Mieter auch weitgehend zufrieden: Bis auf einen technisch bedingten Leerstand von 2,7 Prozent, der sich im Rahmen von Neuvermietungen und Renovierungen kaum vermeiden lässt, ist das Portfolio ausgebucht. Abzüglich Schulden beträgt der Portfoliowert knapp 14 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen 0,94 Cent Dividende bekommen - 27 Prozent mehr als im Vorjahr.

Quelle: RP
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