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Studie warnt: Wohnungsmangel führt zu sozialen Spannungen

zuletzt aktualisiert: 17.03.2010 - 17:12

Berlin/Düsseldorf (RPO). Angesichts anhaltenden Wohnungsmangels haben Experten vor sozialen Spannungen in Deutschland gewarnt. Nach einer Prognos-Studie wird es im Jahr 2025 in drei Vierteln der deutschen Regionen zu wenig Wohnungen und damit steigende Mieten geben. Der Deutsche Mieterbund (DMB) warnte vor einer Ghettoisierung einkommensschwacher Schichten und einem Anstieg der Kriminalität.

Nach Angaben des DMB werden jährlich 175.000 Wohnungen und damit 200.000 zu wenig gebaut. Werde hier nicht kurzfristig gegengesteuert, müsse mit deutlich steigenden Mieten und "mit der Unbezahlbarkeit angemessenen Wohnraums für immer größer werdende Schichten gerechnet werden", sagte der Bundesdirektor des DMB, Lukas Siebenkotten. Siebenkotten kritisierte, "dass der Sozialwohnungsbau nahezu vollständig zum Erliegen gekommen ist". Zudem forderte er einen deutlichen Ausbau des Angebots altersgerechter Wohnungen.

Die Prognos-Studie, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, sagt für das Jahr 2025 für jede zweite Region Deutschlands ein Wohnungsdefizit und unterdurchschnittliche Einkommen (unter 1774 Euro) voraus. Aufgrund des anhaltenden Trends zu Singlehaushalten sind insbesondere Haushalte in der Gründungsphase und Rentnerhaushalte die Verlierer eines historischen Tiefstands im Wohnungsbau.

Info

Wohnungsbau legt zu

Erstmals seit dem Wegfall der Eigenheimzulage sind in Deutschland wieder mehr Wohnungen gebaut worden. Im Vergleich zu 2008 stieg die Zahl der Baugenehmigungen um 1,9 Prozent auf 178.000, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Vorausgegangen war ein dramatischer Rückgang von etwa 26 Prozent im Jahr 2007 und 4 Prozent im Jahr darauf, obwohl die wirtschaftliche Lage damals deutlich besser als heute war. Jedoch wurde 2006 die Eigenheimzulage abgeschafft.

Vor allem Familien, Singles und Rentner betroffen 

Regional am stärksten betroffen seien Niedersachsen, Hessen und Berlin. Ähnlich sei die Lage am Niederrhein, in Teilen des Ruhrgebiets, im nördlichen Baden-Württemberg sowie im Norden und Osten Bayerns. Vor allem Familien, Singles und Rentner würden unter den steigenden Mieten leiden, heißt es in der Studie. Sie müssten schlechtere Wohnverhältnisse in Kauf nehmen oder einen überdurchschnittlich großen Teil ihres Einkommens für die Miete ausgeben.

Auch die privaten Haushalte in den wirtschaftsstarken Regionen wie München und Rhein-Main, die über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen, werden aufgrund des teilweise massiven Wohnungsdefizits Einschnitte beim Wohnen bzw. bei ihrer Lebensqualität machen müssen.

Politik soll einschreiten

"Um einer Zwei-Klassen-Gesellschaft beim Wohnen entgegenzuwirken zu verhindern, muss jetzt eine entscheidende Wende in der Wohnungsbaupolitik eingeleitet werden. Wenn die Politik erst reagiert, wenn drei Viertel Deutschlands vom Wohnungsmangel betroffen ist, zeigt sich eine Besserung der Situation erst Jahre später", sagte Dr. Hans Georg Leuck, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau. Investoren in den Bereichen Mietwohnungs- oder Eigenheimbau sehen in den politischen Rahmenbedingungen wesentliche Gründe für die sich verstärkende Wohnungsknappheit in Wachstumsregionen.

In der Studie wurden die Prognosen zur demografischen Entwicklung mit denen zur Einkommensentwicklung verknüpft. Die Daten werden auf der Ebene der 97 deutschen Raumordnungsregionen ausgewiesen.

Quelle: AP/ndi

 
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