Kaufhauskette: Woolworth Deutschland stellt Insolvenzantrag
zuletzt aktualisiert: 14.04.2009 - 15:37Frankfurt/Main (RPO). Mit der Billigkaufhauskette Woolworth Deutschland ist ein weiteres Traditionsunternehmen zahlungsunfähig. Der Insolvenzantrag ging bereits am Samstag ein, teilte das Amtsgericht Frankfurt am Main am Dienstag mit. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Ottmar Hermann ernannt.
Über den genauen Grund für den Insolvenzantrag machten auf Nachfrage weder das Gericht noch das Unternehmen Angaben. Rechtsanwalt Hermann, der unter anderem die Pleite des Baukonzerns Philipp Holzmann abgewickelt hatte und auch vorläufiger Insolvenzverwalter des Fahrzeugbauers Karmann ist, war zunächst nicht zu erreichen.
Das "Manager Magazin" hatte am Wochenende berichtet, Woolworth Deutschland gehe das Geld aus. Trotz umfangreicher Kostensenkungen sei angeblich keine ausreichende Liquidität mehr gesichert.
Als Ersatz für ihre Löhne erhalten die Mitarbeiter nun Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit. Das Insolvenzgeld ist auf die drei Monate vor der Eröffnung des Hauptverfahrens begrenzt.
Personeller Neuanfang erst kürzlich gescheitert
Erst Anfang März hatte Woolworth Deutschland mit dem 39-jährigen früheren Lidl-Manager Stefan Rohrer einen neuen Geschäftsführer präsentiert. Laut "Manager-Magazin" hatte Rohrer sein Amt aber bereits Ende des Monates wieder niedergelegt. Offenbar habe ihn der Gesellschafter vor seiner Bestellung über die tatsächliche Situation im Unklaren gelassen, hieß es in dem Bericht.
Woolworth betreibt in Deutschland und Österreich etwa 330 Filialen und beschäftigt rund 11.000 Mitarbeiter. Das 1926 gegründete Unternehmen gehört seit 2007 der britischen Investment- und Beratungsgesellschaft Argyll Partners. Zum Sortiment gehören etwa 50.000 Artikel aus den Bereichen Bekleidung, Wäsche, Schreib-, Spiel- und Haushaltswaren, Heimtextilien und Drogerieartikel.
Im vergangenen November hatte bereits das britische Traditionskaufhaus Woolworths Insolvenz angemeldet. Zuvor war der Notverkauf des Handelsgruppe und ihres Musik- und Video-Großhandels Entertain UK gescheitert. Die Woolworth in Deutschland war von dieser Insolvenz nicht betroffen: Die Auslandstöchter des US-Ursprungskonzerns Woolworths hatten sich in den 80er und 90er Jahren abgespalten.
Die Mehrheit an der deutschen Gesellschaft wurde zunächst von dem britischen Investor Electra Flemming gehalten. 2007 übernahm ein Unternehmen der britischen Investment- und Beratungsgesellschaft Argyll Partners das operative Geschäft.
Die US-Mutter hatte ihre Kaufhäuser in den USA bereits 1997 geschlossen und sich auf den Handel mit Sportartikeln verlegt. Der Woolworths-Konzern benannte sich erst in Venator um, seit 2001 heißt das Unternehmen Foot Locker.
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