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Frauen und Migranten besonders betroffen
Zahl der befristeten Jobs nimmt zu

Zahl der befristeten Jobs nimmt zu – Frauen und Migranten stark betroffen
Die Zahl der befristeten Arbeitsverträge stieg 2014 gegenüber dem Vorjahr um 44.000 auf 2,783 Millionen. FOTO: AP, AP
Exklusiv | Berlin. Die Hälfte aller neu eingestellten Arbeitnehmer in Nordrhein-Westfalen erhielt 2014 befristete Verträge. Frauen und Migranten sind besonders oft betroffen. Von Birgit Marschall

Trotz des robusten Arbeitsmarkts und der guten Konjunktur nimmt die Zahl der befristeten Arbeitsverhältnisse weiter spürbar zu. Sie stieg 2014 gegenüber dem Vorjahr um 44.000 auf 2,783 Millionen, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervorgeht. Damit erreichten die befristeten Arbeitsverhältnisse den höchsten Stand seit 1993. Ihr Anteil an der betrieblichen Gesamtbeschäftigung sank 2014 nur leicht von 7,5 auf 7,4 Prozent gegenüber 2013.

Die Bundesregierung stützt sich auf Befragungen, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung seit 1993 in West- und seit 1996 auch in Ostdeutschland bei 16.000 Betrieben durchgeführt hat. Das Institut, das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, rechnet anhand der Befragungen Daten für sein Betriebspanel hoch. Auch das Statistische Bundesamt hatte Anfang August Daten über die Entwicklung befristeter Arbeitsverhältnisse veröffentlicht. Auch danach gingen die Befristungen zuletzt nur geringfügig zurück.

Bei guter Konjunktur nehmen unbefristete und befristete Neueinstellungen gleichermaßen zu. Je stärker die Nachfrage nach Arbeitskräften das Angebot übersteigt, desto mehr müssten Unternehmen Arbeitnehmern im Trend entgegenkommen - und desto häufiger sollten diese unbefristete Verträge durchsetzen können. Dies schlägt sich jedoch in den Daten bisher kaum nieder.

Frauen sind von Befristungen besonders stark betroffen. 8,9 Prozent aller erwerbstätigen Frauen hatten 2014 einen befristeten Job, aber nur 6,2 Prozent der Männer. Der Anteil befristeter Jobs, die mit Frauen besetzt wurden, ist 2014 gegenüber 2013 weiter um 0,1 Prozentpunkte gestiegen. Bei den Männern dagegen nahm der Anteil um 0,1 Prozentpunkte ab, wie es in der Antwort heißt. Doppelt so oft wie Deutsche erhalten auch Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit einen befristeten Vertrag. Bei Nicht-EU-Ausländern lag der Anteil befristeter an allen Jobs 2013 bei 13,9, bei Ausländern aus den EU-Ländern bei 13,4 Prozent. Bei deutschen Arbeitnehmern sinkt der Anteil befristeter Jobs an allen Jobs auf 7,4 Prozent.

Befristete Verträge gab es im ersten Halbjahr 2014 bei 50 Prozent aller Neueinstellungen in Nordrhein-Westfalen. Damit liegt das Land nach Mecklenburg-Vorpommern im Ländervergleich an zweiter Stelle. Bundesweit waren 45 Prozent aller Neueinstellungen Befristungen. Zeitverträge gibt es besonders oft in der Gastronomie, an Universitäten, Schulen und bei Freiberuflern.

"Befristete Arbeitsverträge werden immer mehr zur Regel gerade auch in Bereichen, die keiner Konjunktur unterliegen, sondern Regel-aufgaben sind", sagte Linken-Politikerin Jutta Krellmann. "Dies betrifft vor allem den Staat selbst und den sozialen Dienstleistungssektor, der vielfach mit öffentlichem Geld arbeitet. Der Spardruck der öffentlichen Hand entpuppt sich hier als Motor für unsichere Arbeitsplätze."

Quelle: RP
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