Ungerechte Vermögensverteilung: Zahl der Millionäre klettert auf Rekordniveau
VON BARBARA SCHMICKLER - zuletzt aktualisiert: 05.09.2010 - 13:40Düsseldorf (RPO). Die deutsche Wirtschaft hat sich von der Finanzkrise erholt. Nachdem die Exporte im Zuge der Krise eingebrochen waren, ist inzwischen eine Trendwende eingetreten. Zu dem Ergebnis kommt eine DIW-Studie. Die Verluste sind ausgeglichen, doch wer profitiert am meisten? Die Reichen. Laut eines Medienberichts ist die Anzahl an Vermögensmillionären auf Rekordniveau geklettert.
Seit Mitte vergangenen Jahres soll sich das Geldvermögen der Deutschen stark vermehrt haben, das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" vorliegt. Die 140 Milliarden Euro, die durch die Krise Verlust gemacht wurden, waren nach wenigen Monaten also wieder ausgeglichen. Schon im ersten Quartal 2010 sei das Geldvermögen auf 4,8 Billionen Euro gestiegen, berichtet der "Spiegel".
Zahl der Millionäre steigt
Interessant dabei ist, dass die Anzahl der Vermögensmillionäre ebenfalls kräftig gestiegen ist. So sei die Finanzkrise an den Vermögenenden überraschend schnell ohne bleibende Schäden vorübergegangen, sagt Markus Grabka vom DIW gegenüber dem "Spiegel". Wie ungerecht das Vermögen verteilt ist, zeigt auch der weltweite Vergleich. Wie der "Spiegel" berichtet, ist der Trend nicht auf Deutschland beschränkt: Weltweit verfügt nur knapp ein Prozent aller Haushalte über ein Vermögen von mindestens einer Million US-Dollar oder mehr, im Besitz haben die Millionäre allerdings 38 Prozent des gesamten globalen Vermögens.
Besonders hoch ist die Millionärs-Dichte in Singapur. Ein siebenstelliges Vermögen ist dort für jeden zehnten Haushalt Standard. Allen voran sind hier Investmentbanker und Finanzdienstleister. Spitzenreiter sind die USA mit 4,7 Millionen Millionären, Deutschland liegt auf Platz fünf. Von den rund 82 Millionen Einwohnern dürfen sich 430.000 Personen Vermögensmillionär nennen, berichtet der "Spiegel".
Vermögen für wohltätige Zwecke
Doch was tun mit so viel Geld? Einen spektakulären Vorschlag machten vor einigen Wochen Microsoft-Gründer Bill Gates und Investment-Guru Warren Buffett. Sie wollten Hunderte Milliardäre dazu gewinnen, ihr Vermögen wohltätigen Zwecken zu spenden. Namhafte Prominente wie Medienmogul Ted Turner, New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, David Rockefeller oder auch "Krieg der Sterne"-Regisseur George Lucas haben schon zugesagt.
Im ersten Moment klingt die Aktion gigantisch. Allerdings müssen die Milliardäre ihr Vermögen nicht zu Lebzeiten spenden, sondern können dies auch veranlassen für die Zeit nach dem Tod. Auch gibt es keine rechtliche Bindung, sondern nur eine Absichtserklärung.
Profit am Aufschwung?
Mehr als zwei Drittel der Deutschen indes zweifeln, ob der derzeitige Wirtschaftsboom auch persönliche Vorteile mit sich bringt. Wie die "Bild am Sonntag" unter Berufung auf Emnid-Umfrage berichtete, waren nur weniger als ein Drittel der Befragten zuversichtlich, dass der Konjunkturaufschwung bei ihnen persönlich ankommen werde.
Mit 73 Prozent seien Frauen skeptischer, dass sie vom Aufschwung profitieren werden als Männer (63 Prozent), heißt es in der Zeitung. Auch Ostdeutsche seien skeptischer als Westdeutsche. Auf die Frage, ob der Aufschwung zu persönlichen Vorteilen führe, sahen besonders die Senioren ab 60 Jahren zurückhaltend. Für die 430.000 Millionäre in Deutschland stellt sich diese Frage vermutlich nicht.
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