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Lauterbach kritisiert Honorarreform
Zahnersatz für Durchschnittsverdiener unbezahlbar

Die häufigsten Fehler bei der Zahnhygiene
Die häufigsten Fehler bei der Zahnhygiene FOTO: proDente e.V.
Berlin (RP). Zum 1. Januar 2012 soll das Honorar für Zahnärzte um durchschnittlich sechs Prozent steigen. Einige Behandlungen könnten deutlich teurer werden, kritisieren die Krankenkassen. Die Zahnärzte weisen das als "Panikmache" zurück. Von Eva Quadbeck

Die geplante neue Honorar-Ordnung für Zahnärzte sorgt für Ärger. Die Krankenkassen warnen vor saftigen Preissteigerungen für einzelne Behandlungen. Damit würden die Zuzahlungen für die Versicherten kräftig steigen. Der GKV-Spitzenverband rechnet vor, dass allein bei einer Krone die Zuzahlung für Kassenpatienten um 74 Euro auf dann 330 Euro steigen werde. Für eine neue Brücke müssen nach den Berechnungen des Spitzenverbandes sogar 237 Euro mehr als heute zugezahlt werden.

Das Bundesgesundheitsministerium wies die Berechnungen als "nicht nachvollziehbar" zurück. Die Bundeszahnärztekammer nannte die Zahlen "irreführend" und sprach von "Panikmache". Die Reform werde lediglich Mehrbelastungen von 2,05 Euro pro Patient und Jahr bringen. Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums wies darauf hin, dass die Honorare im Durchschnitt um sechs Prozent steigen sollten.

Stein des Anstoßes ist eine Gesetzesnovelle, die seit März bekannt ist, im Sommer das Kabinett passieren und zum 1. Januar 2012 in Kraft treten soll. Die letzte Reform der Gebührenordnung für Zahnärzte liegt 20 Jahre zurück. Seitdem gibt es eine Reihe technischer Neuerungen und neuer Behandlungsmethoden, die nun in die Honorarordnung aufgenommen wurden. Zusätzlich werden den Dentisten sechs Prozent mehr Honorar versprochen.

Dem Gesetzentwurf zufolge ist eine Honorarsteigerung von 345 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Davon werden die gesetzlich Versicherten rund 162 Millionen Euro über Zuzahlungen tragen müssen. Die privaten Krankenversicherungen werden mit zusätzlich 113 Millionen Euro belastet. Zunächst sollten die Privaten eine Öffnungsklausel erhalten, durch die sie mit einzelnen Ärzten günstigere Bedingungen hätten aushandeln können. Diese Klausel verhinderten die Ärzte. Die übrige Summe verteilt sich wegen der Beihilfe für Beamte auf die öffentlichen Haushalte.

Die Opposition kritisierte die geplante Honorarreform für Zahnärzte scharf. "Wir wollen die Zahnversorgung nicht nur teurer, sondern auch besser machen. Es gibt keine strukturelle Reform, sondern nur Honorarsteigerungen", kritisierte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach. "In Zukunft wird man den Wohlstand der Menschen wieder an ihren Zähnen erkennen können", sagte Lauterbach unserer Redaktion. "Die Preise für Zahnersatz steigen so hoch, dass ihn sich Durchschnittsverdiener nicht mehr leisten können." Lauterbach warf der Regierung Klientelpolitik vor.

Die Zuzahlungen für die Versicherten bei Zahnarztbehandlungen sind schon heute hoch, weil die Krankenkassen seit 2005 je nach Befund nur noch einen festen Zuschuss für die Zahnbehandlung zahlen. Die weiteren Kosten müssen die Versicherten selbst tragen.

Die Jahreseinnahmen einer Zahnarztpraxis liegen im Westen nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes bei durchschnittlich 502 000 Euro. Nach Abzug der Betriebskosten bleiben rund 172 000 Euro als Ertrag übrig. Im Osten liegen die Einnahmen bei nur 306 000, der Ertrag nach Abzug der Betriebskosten bei rund 110 000 Euro. In den alten Bundesländern sind knapp 80 Prozent der Praxen Einzelpraxen. In den neuen Bundesländern sind dies fast 90 Prozent.

Quelle: RP
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