Reaktion auf Schlecker-Vorwürfe: Zeitarbeitsbranche fordert Mindestlohn
zuletzt aktualisiert: 12.01.2010 - 17:56Hamburg (RPO). In der Zeitarbeitsbranche hat sich der Arbeitgeberverband nach den Vorwürfen gegen die Drogeriemarktkette Schlecker für die Einführung eines Mindestlohns ausgesprochen.
"Wir brauchen einen Mindestlohn, der für alle Beschäftigten in der Zeitarbeit gilt", sagte der Präsident des Bundesverbandes Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen (BZA), Volker Enkerts, dem "Hamburger Abendblatt". Ein solcher Mindestlohn könne zwischen 7,31 und acht Euro betragen. Konkret müsse dies jedoch zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden ausgehandelt werden.
BZA-Chef Enkerts kritisierte die Schlecker vorgeworfenen Praktiken zur Umgehung des Tariflohns für den Einzelhandel. "Es handelt sich um Tricksereien, die gesetzlich ausgeschlossen werden sollten", sagte Enkerts der Zeitung. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass Mitarbeitern in einem Unternehmen gekündigt werde und diese dann über Zeitarbeitstarife neu beschäftigt würden. "Das entspricht nicht der Funktion von Zeitarbeit", kritisierte Enkerts. Aufgabe der Zeitarbeit sei es vielmehr, etwa Auftragsspitzen in Unternehmen abzupuffern oder Ersatz bei Ausfällen zu bieten.
Verdi kritisiert Schlecker
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wirft Schlecker vor, kleinere Filialen zu schließen, den Angestellten zu kündigen und für neu eröffnete sogenannte XL-Märkte Personal fast ausschließlich über die Leiharbeitsfirma Meniar zu deutlich schlechteren Bedingungen einzustellen. Anstelle des im Einzelhandel geltenden Tariflohns von 12,70 Euro erhalten die neu Eingestellten laut Verdi nur 6,78 Euro. Zudem wird den Angaben zufolge weder Urlaubs- noch Weihnachtsgeld gezahlt, auch der Urlaubsanspruch falle deutlich geringer aus. Bislang vermittelte Meniar mit Sitz in Zwickau laut Verdi etwa 4300 Beschäftigte an Schlecker.
"Dass ein Unternehmen seine eigene Leiharbeitsfirma gründet, Leute rausschmeißt und ihnen dann einen neuen Arbeitsvertrag für den halben Lohn anbietet, ist in Deutschland in dieser Form einmalig", sagte Verdis mitteldeutscher Fachbereichsleiter für Handel, Jörg Lauenroth-Mago, am Dienstag dem MDR. Damit würden bestehende Gesetze eindeutig missbraucht. "Wir brauchen gesetzliche Regelungen, die Leiharbeitsfirmen im eigenen Konzern untersagen. Es muss auch eindeutig definiert werden, welche Funktion Leiharbeit hat", forderte er.
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