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Blockade der Kapitalerhöhung: Zeitnot: Streit um Karstadt-Kapital

zuletzt aktualisiert: 25.11.2004 - 11:13

Düsseldorf/Berlin (rpo). Die Entscheider bei KarstadtQuelle ringen weiter um die geplante Kapitalerhöhung. Die Zeit drängt. Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff zeigte sich aber optimistisch, dass eine Einigung gelingen werde.

Die KarstadtQuelle AG hält an ihrem Zeitplan für die Kapitalerhöhung ungeachtet der laufenden Verhandlungen mit widersprechenden Kleinaktionären fest. Der Bezugspreis für die neuen Aktien solle am Abend bekannt gegeben werden, sagte ein Konzernsprecher in Essen.

Die Verhandlungen mit den fünf Aktionären, die mit ihrem notariellem Einspruch die beschlossene Kapitalerhöhung blockieren, dauerten an. Eine Einigung muss bis 24.00 Uhr erreicht werden. Für den Nachmittag (17.00 Uhr) hat das Unternehmen eine Erklärung zum Verhandlungsstand angekündigt.

Falls die Aktionäre ihren Widerspruch nicht zurückziehen, kann die Kapitalerhöhung nicht mehr wie geplant im laufenden Jahr vollzogen werden. Damit würde jedoch auch eine Kreditzusage der Gläubigerbanken über gut 1,7 Milliarden Euro hinfällig, die KarstadtQuelle dringend benötigt.

An der Frankfurter Börse legte der Kurs der KarstadtQuelle-Aktie am Morgen um 1,6 Prozent zu. Zwar sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Kompromiss mit den Aktionären gefunden werde, sagten Händler. Vor der endgültigen Entscheidung seien jedoch größere Kursschwankungen nicht ausgeschlossen.

Stand der Verhandlungen unklar

Konzernsprecher Jörg Howe nannte nach dem Ende der Gesprächsrunde keine weiteren Einzelheiten zum Stand der Verhandlungen. Es sei absolutes Stillschweigen vereinbart worden. Der Kleinaktionär Rainer Johannes betonte allerdings, dass er seinen Widerstand nicht aufgeben werde. Johannes sagte dem "Handelsblatt", er halte die Anfechtung weiter aufrecht.

Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff hatte zuvor in der "Wirtschaftswoche" seine Überzeugung bekräftigt, dass eine Einigung gelingen werde. Für eine juristische Auseinandersetzung fehle einfach die Zeit, sagte er. Der Konzern muss nach den Worten Middelhoffs bis spätestens Freitag eine Einigung mit den Aktionären erreichen, da sonst das Scheitern der Kapitalerhöhung und damit des gesamten Sanierungskonzeptes droht. Damit stehe die Existenz des Konzerns auf dem Spiel hatte der Manager auf der Hauptversammlung am Montag erklärt.

Aus seiner Verärgerung über das Vorgehen einiger Kleinaktionäre machte der Manager keinen Hehl: Gewiss müsse es eine eigenständige Aktionärsentscheidung geben, aber in diesem Falle hingen daran fast 100.000 Arbeitsplätze. "Wir brauchen dringend eine öffentliche Diskussion darüber, denn andere Unternehmen werden künftig in ähnlichen Situationen sein", sagte Middelhoff der "Wirtschaftswoche".

Deutliche Kritik äußerte auch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von KarstadtQuelle, Wolfgang Pokriefke. Bei der Fusion mit der Warenhauskette Hertie habe es seinerzeit ein vergleichbares "Theater" gegeben, sagte Pokriefke im Deutschlandradio. "Letzten Endes kam es denen nur darauf an, Geld abzuzocken", wurde der Betriebsratsvorsitzende zitiert.

Middelhoff sieht gute Zukunftsaussichten für Karstadt

Auch Pokriefke rechnet nicht mit einem Scheitern der Kapitalerhöhung. "Keiner kann die Verantwortung übernehmen, kein Mensch. Wer das tut, handelt unwahrscheinlich leichtfertig daran, ein Unternehmen herunterzufahren, das mit 100.000 Beschäftigten in dieser Republik seinen Platz hat", wurde er zitiert.

Middelhoff zeigte sich optimistisch, was die Zukunftsaussichten von Europas größtem Warenhaus- und Versandhandelskonzern angeht. Das Potenzial des Unternehmens sei viel größer, als es derzeit in der Öffentlichkeit erscheine. Schon bald würden die ersten Erfolge der Restrukturierung sichtbar werden: eine deutliche Verbesserung des operativen Geschäfts und ein Ende der Umsatzerosion.


 
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