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Verband fordert Aussetzung weiterer Steuererhöhungen: Zigaretten-Absatz um 25 Prozent eingebrochen

zuletzt aktualisiert: 13.05.2004 - 16:51

Berlin (rpo). So langsam scheinen die steigenden Preise für Tabakprodukte den Deutschen an die Geldbörse zu gehen. Nach der jüngsten Steuererhöhung ist der Absatz von Zigaretten um 25 Prozent eingebrochen.

Auf die beschlossenen zwei weiteren Erhöhungsstufen müsse der Staat deshalb verzichten, forderte der Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller (BDTA) am Donnerstag in Berlin. Ab nächster Woche wird es in einigen Automaten wieder Drei-Euro-Packungen neben den größeren Vier-Euro-Päckchen geben, die bei Kunden nicht gut ankommen.

Die Tabaksteuer war zuletzt zum 1. März erhöht worden, um Teile der Gesundheitsreform zu finanzieren. Dies hatten die Hersteller auch zu einem Preisaufschlag genutzt. Zwei weitere Steuerstufen sollen zum 1. Dezember und dann 2005 folgen. Bereits in den Jahren 2002 und 2003 waren die Abgaben erhöht worden.

"Der ganze Zigarettenmarkt geht sehr deutlich in die Knie", sagte BDTA-Geschäftsführer Peter Lind. Die Auslieferung von versteuerten Fabrikzigaretten sei im April um 25 Prozent, in den ersten vier Monaten insgesamt um 11,6 Prozent zurückgegangen. Dies sei "einmalig in der Geschichte dieses Marktes".

Im selben Zeitraum seien allerdings 26 Prozent mehr Feinschnitt und vorportionierte Tabakprodukte versteuert worden. Die Konsumenten wichen also auf günstigere Rauchwaren aus. Außerdem werde sich der legale und illegale Import aus dem Ausland erhöhen, sagte Lind voraus. Diese vom Verband schon vor der Erhöhung vorausgesagte Entwicklung trete nun voll ein.

Damit liegen dem Verband zufolge auch die Einnahmen aus der Tabaksteuer für den Staat weit hinter den Erwartungen. Im ersten Quartal 2004 seien es 1,3 Prozent weniger als in der gleichen Zeit des Vorjahrs gewesen. Ginge dies im gesamten Jahr so weiter, müsste der Staat Mindereinnahmen von 200 Millionen Euro verkraften, meinte Lind.

Tatsächlich eingeplant habe er jedoch ein Plus von 1,2 Milliarden Euro. Die bisherigen Erhöhungen seit 2002 hätten bereits 1.000 oder zehn Prozent der Arbeitsplätze im Tabakhandel gekostet. Bei den Zigarettenherstellern seien es ähnlich viele gewesen.

Kleinere Drei-Euro-Schachteln

Weil offenbar auch die nach der Steuererhöhung eingeführte Vier-Euro-Großpackung am Automaten nicht gut läuft, prescht der Zigarettenhersteller Reemtsma mit einer Drei-Euro-Alternative vor, wie Lind bestätigte. Die Marke "John Player Special Red" werde auf 18-Stück-Boxen für drei Euro umgestellt. Bisher biete Reemtsma die Marke am Automaten in einer so genannten Big Box mit 24 Zigaretten für vier Euro an. Seit der Umstellung auf Vier-Euro-Schachteln sei der Absatz an Automaten um bis zu 30 Prozent eingebrochen, meldete die "Bild"-Zeitung.

Lind sagte, noch sei nicht abschätzbar, ob andere Hersteller nachzögen. Die neue Drei-Euro-Packung werde es nur an Automaten geben, die Packungen mit unterschiedlichen Preisen verkaufen könnten. Wie stark der Absatz an Automaten insgesamt zurückgegangen sei, lasse sich noch nicht beziffern, weil die Umstellung bis Ende April gedauert habe.

In Deutschland gibt es rund 770.000 Zigarettenautomaten. Der Tabakwarenfachgroßhandel macht von seinen 15 Milliarden Euro Gesamtumsatz rund fünf Milliarden Euro an Automaten.


 
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