Insolvenzverwalter skeptisch: Zukunft von BenQ weiter ungewiss
zuletzt aktualisiert: 09.01.2007 - 17:58München (RPO). Auch nach einer Sitzung des Gläubiger-Ausschusses bleibt die Zukunft des insolventen Handy-Herstellers BenQ Mobile ungewiss. Zwar gibt zwei mögliche Investoren. Insolvenzverwalter Martin Prager sieht bei beiden Angeboten aber noch reichlich Klärungsbedarf.
"Aus Sicht des Gläubigerausschusses braucht es ein glaubwürdiges Fortführungskonzept, ein angemessenes Kaufpreisangebot sowie konkrete Nachweise für eine sichergestellte Finanzierung," betonte Prager. Bisher habe keiner der beiden Interessenten, die sich auch bereits öffentlich zu Wort gemeldet hatten, damit aufwarten können.
Prager wies zugleich erneut darauf hin, dass es noch weitere Interessenten für eine Übernahme von BenQ Mobile gebe. Diese legten jedoch Wert auf Diskretion, entsprechend würden die Gespräche vertraulich behandelt. Bislang waren Angebote einer deutsch-amerikanischen Investorenguppe um den früheren DaimlerChrysler-IT-Chef Hansjörg Beha sowie die US-Unternehmensgruppe Sentex Sensing Technologies für eine Übernahme der früheren Handy-Sparte von Siemens bekannt geworden.
Beide möglichen Investoren zeigen sich laut Zeitungsberichten aber enttäuscht vom Stand der Verhandlungen zu möglichen Landesbürgschaften.
Der Präsident von Sentex Sensing Technologies, Henrik Rubinstein, wollte zwar nicht ausschließen, dass bei einer Übernahme von BenQ Mobile auch bis zu 1700 Mitarbeiter übernommen werden könnten. Rubinstein zufolge gibt es aber bislang keine Einigung mit Nordrhein-Westfalen über die Zusage von Ausfallbürgschaften in Höhe von 125 Millionen Euro. "Erst hatten wir geplant, zum 1. Dezember 2006 zu starten, dann zum 15. Dezember", sagte Rubinstein der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung". "Nun würden wir gern zum 20. Januar beginnen."
Betriebsratschef setzt Hoffnung in Sentex
BenQ-Mobile-Betriebsratschef Michael Leucker betonte allerdings in der "Netzeitung", er setzte keine große Hoffnung auf die Pläne auf Sentex Sensing. "Ich bin da sehr skeptisch. Von denen hat noch niemand mit uns gesprochen und wir haben auch kein Konzept vorliegen."
Das Konzept der Gruppe um Beha sieht Berichten zufolge den Erhalt von insgesamt 800 Arbeitsplätzen bei BenQ vor, 500 am Standort Kamp Lintfort (Niederrhein) und 300 in München. Über die Pläne der deutsch-amerikanischen Investorengruppe war bereits am Montag bei einem Treffen im NRW-Wirtschaftsministerium beraten worden. Bei dem ergebnislosen Gespräch wurden laut "Rheinischer Post" (Dienstagausgabe) Differenzen in der Frage der Finanzierungsmöglichkeiten deutlich. Laut EU-Beihilferecht könne NRW höchstens für 80 Prozent von 25 Millionen Euro Bankkrediten eine Bürgschaft übernehmen. "Die Investoren hatten jedoch ein Vielfaches dieses Summe erwartet", zitierte das Blatt einen Gesprächsteilnehmer.
Die deutsch-amerikanische Investorengruppe verlangt dem Bericht zufolge außerdem, dass die rund 800 BenQ-Beschäftigten für ein halbes Jahr umsonst arbeiten sollten. "Das ist vom Tisch, das lässt sich nicht mit geltendem Recht vereinbaren", sagte ein Gewerkschaftssprecher der Zeitung.
Gegen BenQ Mobile war zu Jahresbeginn das Insolvenzverfahren eröffnet worden, nachdem Insolvenzverwalter Martin Prager monatelang vergeblich nach einem Investor gesucht hatte. Von der Insolvenz betroffen sind rund 3000 Beschäftigte, von denen zuletzt noch ein Drittel an den Standorten München, Kamp-Lintfort und Bocholt gearbeitet hatte.
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