Quartalszahlen: Zumwinkel fordert Mindestlohn für Postbranche
zuletzt aktualisiert: 03.08.2007 - 14:51Bonn (RPO). Post-Chef Klaus Zumwinkel hat die rasche Einführung eines Mindestlohns für die Postbranche und die Beibehaltung der Mehrwertsteuerbefreiung für den gelben Riesen gefordert.
Der Vorstandschef warnte am Freitag in Bonn, durch die vom Lohndumping der Konkurrenten ausgelösten Wettbewerbsverzerrungen seien bei dem Bonner Logistikkonzern 32.000 Arbeitsplätze bedroht. Dies entspreche der Zahl aller im Bergbau Beschäftigten.
Zumwinkel sagte, der durchschnittliche Stundenlohn der Wettbewerber liege um rund 40 Prozent unter den Einstiegsgehältern der Deutschen Post. Dadurch kämen etwa Mitarbeiter eines Berliner Konkurrenten bei einer 40-Stunden-Woche nur auf ein Netto-Gehalt von 805 Euro und benötigten neben dem Lohn auch noch Sozialhilfe um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. "Das ist fast obszön", meinte der Manager.
Die Beibehaltung der Mehrwertsteuerbefreiung sei nur ein angemessener Ausgleich für den allein von der Deutschen Post angebotenen flächendeckenden Universaldienst, sagte Zumwinkel. Er warnte, bei einer Streichung dieses Privilegs drohe ein zweistelliger Preisanstieg für private Kunden.
Als verheerend wertete der Manager das Scheitern der Bemühungen um eine einheitliche Liberalisierung der Postmärkte in Europa. Nun sei zu befürchten dass die Mehrzahl der EU-Länder ihre Märkte erst 2013 oder noch später wirklich öffneten - zum Schaden der Deutschen Post.
"Wir stehen bei der Liberalisierung in Deutschland vor einem Scherbenhaufen: Alle können nach Deutschland kommen, aber deutsche Unternehmen nicht ins Ausland", sagte Zumwinkel. Dann fügte er hinzu: Jetzt gilt es einen zweiten Scherbenhaufen zu verhindern - bei den Arbeitsplätzen in Deutschland."
Gelber Riese steigert Umsatz und Gewinn
Doch trotz aller Unkenrufe präsentierte sich die Post in ihrer Bilanz in guter Verfassung. In den ersten sechs Monaten steigerte der gelbe Riese den Konzernumsatz um 5,4 Prozent auf 30,9 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis (Ebit) verbesserte sich um 9 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Und der Konzerngewinn nach Minderheiten lag mit 784 Millionen Euro um 7,1 Prozent über dem Vorjahreswert.
Getrieben wurde das Ergebniswachstum nach Angaben von Konzernchef Klaus Zumwinkel vor allem von den Unternehmensbereichen Logistik und Express. Im bislang besonders ertragsstarken Unternehmensbereich Brief musste der Konzern dagegen im ersten Halbjahr einen Ergebnisrückgang von 6,3 Prozent hinnehmen.
Auf dem Heimatmarkt litt die Briefsparte massiv unter dem Siegeszug der E-Mails und dem zunehmenden Wettbewerb. Doch konnte der Konzern einen großen Teil dieser Verluste durch das Wachstum seines internationalen Briefgeschäfts ausgleichen.
Dennoch will Zumwinkel die Position der Post auf dem Heimatmarkt mit aller Kraft verteidigen. "Wir werden um jeden Brief und jeden Mitarbeiter kämpfen", sagte er und drohte der in den Startlöchern stehenden Konkurrenz mit einem Preiskampf.
Weltweit sieht sich der Logistikkonzern nach den milliardenschweren Zukäufen der Vergangenheit inzwischen für den Wettbewerb gut gerüstet: "Wir haben jetzt eine Größenordnung erreicht, das wir keine großen Zukäufe mehr brauchen", sagte Zumwinkel.
Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern unverändert ein Betriebsergebnis (Ebit) vor Einmaleffekten von mindestens 3,6 Milliarden Euro.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum
