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Verdacht auf Steuerhinterziehung: Zumwinkel: Post-Chef ganz klein

VON SILKE FREDRICH - zuletzt aktualisiert: 14.02.2008 - 21:15

Düsseldorf (RP). Der Post-Chef ist einer der mächtigsten deutschen Manager. Aus der ehemaligen Behörde Deutsche Post schmiedete er binnen weniger Jahre einen profitablen Weltkonzern. Zu seinen Erfolgsrezepten zählen vor allem seine guten Kontakte zu Politik und Wirtschaft. Doch jetzt steht er am Abgrund.

Post-Chef Klaus Zumwinkel wollte schon immer hoch hinaus. Beruflich und privat. Deshalb zählt das Bergsteigen zu seinen liebsten Hobbys. Denn Ausdauer, Disziplin und das genaue Planen des Weges nach oben sind die wichtigsten Eigenschaften, die Bergsteiger brauchen, um den Gipfel unbeschadet zu erreichen. Eigenschaften, die Zumwinkel auch eingesetzt hat, um beruflich den Gipfel zu erklimmen ­ und zu einem der mächtigsten deutschen Manager aufzusteigen.

Vorgesehen haben diesen Weg vor 64 Jahren auch seine Eltern. Als waschechter Niederrheiner wuchs Zumwinkel in Rheinberg bei Moers auf und bekam von Kindesbeinen an mit, wie sein Vater die gleichnamigen Handelsunternehmen zu großem Erfolg in der Region führte. Völlig klar, dass der junge Klaus in die Fußstapfen seines Vaters treten sollte. In Münster studierte er Betriebswirtschaftslehre.

Nach seiner Promotion Ende der sechziger Jahre trat er die Nachfolge seines Vaters an. Allerdings währte die Fortführung der Geschäfte nicht lange. Schon 1971 zeigte Zumwinkel sein Gespür für lukrative Geldgeschäfte und verkaufte die mittlerweile zehn Kaufhäuser und 50 Discounter mit Gewinn an die Handelskette Rewe. Wenig später fing er als Berater bei McKinsey in Düsseldorf an. Acht Jahre später wurde er bereits Partner, 1984 stieg er in die weltweite Geschäftsführung auf.

Ein Jahr später verschlug es den Geschäftsmann an die Spitze des Versandhauses Quelle, wo er die nötige Managementerfahrung sammelte, die ihm schließlich 1989 den Job als Vorstandsvorsitzender der „Deutschen Bundespost Postdienst” bescherte. Sein Auftrag: Die Behörde zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen umzuwandeln.

Schließlich machte die damalige Post pro Tag eine Million Mark Verlust. Doch Zumwinkel leistet viel mehr: Den einstigen Staatsbetrieb möbelte er zum größten Logistikkonzern der Welt auf, der heute mit einer halben Million Beschäftigten in mehr Ländern Niederlassungen als die katholische Kirche Bistümer hat. Das Unternehmen wird an der Börse mit mehr als 35 Milliarden Euro bewertet.

Neben unternehmerischem Können hilft dem Manager vor allem sein großes Netzwerk: Er sitzt als Aufsichtsrat bei Telekom, Lufthansa, Postbank und der US-Bank Morgan Stanley. Er pflegt Seilschaften, beispielsweise wenn es zum jährlichen Bergsteigen geht, angeleitet von Reinhold Messner und begleitet von Wirtschaftsleuten wie Ex-Daimler-Chef Jürgen Schrempp oder dem Münchener Verleger Hubert Burda.

Hinzu kommt seine abgebrühte Lobbyarbeit in der Politik. Immerhin ist der Bund noch mit 30\x0fProzent an der Post beteiligt. Populärstes Beispiel: die inszenierte Schlacht um den Mindestlohn, in der er erstmals auch zur öffentlichen Reizfigur wurde. Im Kampf um sein Briefmonopol sicherte er einen hohen Mindestlohn, um den Wettbewerb auch künftig vom Post-Konzern fernzuhalten. Mit Volkes Stimme im Hintergrund wird er von Beschäftigten sogar als Held gefeiert, auch wenn es ihm nie wirklich um das Wohl seiner frierenden Briefträger gegangen ist.

Doch sein Image als makelloser Macher bröckelt. Experten kritisieren, dass der Mindestlohn allein seinem Unternehmen in der Postbranche das Überleben sichert und nicht der Branche insgesamt von Nutzen sein wird. Hinzu kommt der Verkauf seines Aktienpaketes an der Post, nachdem dieses nach der Verkündung des Mindestlohnbeschlusses deutlich an Wert zugelegt hatte. Einen Gewinn von knapp fünf Millionen Euro hat das von Politikern als moralisch verwerflich kritisierte Geschäft in die private Kasse Zumwinkels gespült. Auch das US-Geschäft kratzt am Image des Makellos-Managers, denn die Zustellung von Eilsendungen in den USA kostete den Konzern mehr als sieben Milliarden Euro.

Würden sich die aktuellen Vorwürfe der Steuerhinterziehung bewahrheiten, wäre das Lebenswerk Zumwinkels trotz seiner beachtlichen Erfolge zerstört. Doch von Rücktritt will der Manager jetzt noch nichts wissen. Stattdessen will er im Sommer über seine weiteren Pläne im Konzern sprechen. Im Dezember feiert er seinen 65. Geburtstag und will die Geschäfte dann offiziell übergeben. Doch egal, wie der Fall Zumwinkel ausgeht, einen makellosen Absprung wird er nicht mehr schaffen.

Quelle: RP

 
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