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Größter Steuerskandal der Nachkriegsgeschichte: Zumwinkel will mit Behörden kooperieren

zuletzt aktualisiert: 15.02.2008 - 21:46

Hamburg/Bonn (RPO). Der wegen Steuerhinterziehung in Verdacht geratene Deutsche Post-Chef Klaus Zumwinkel hat den Behörden seine Kooperation bei der Aufklärung des Steuer-Skandals zugesichert. Bei den weiteren, bis zu 1000 Verdachtsfällen soll es sich um weniger prominente Bundesbürger handeln.

"An der Aufklärung der Fragen zu meinen privaten Finanzverhältnissen werde ich mich aktiv beteiligen", sagte der Manager der "Bild"-Zeitung laut Vorabmeldung. Zumwinkel war am Donnerstag von der Staatsanwaltschaft vernommen worden, weil er rund eine Millionen Euro Steuern über Stiftungen in Liechtenstein hinterzogen haben soll. Am Freitag bot er seinen Rücktritt als Postchef an.

Seinen Rücktritt vom Posten des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post AG bedauert Zumwinkel: "Ich wollte eine neue Ära einleiten, aber mit einem anderen Übergang, als es jetzt geschieht." Die Post sei aber hervorragend aufgestellt und der Vorstand werde den Konzern in eine neue Zukunft führen. Der 64 Jahre alte Zumwinkel stand rund 18 Jahre an der Spitze der Deutschen Post.

Neben Zumwinkel sollen noch bis zu 1000 Bundesbürger in die Affäre verwickelt sein. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Samstagausgabe) sind etliche Prominente betroffen, die aber nicht vom Rang Zumwinkels sind. Der Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek sagte der Zeitung, "ein weiterer Vorstand eines DAX-Unternehmens ist nicht darunter". Wie aus anderen Ermittlerkreisen weiter verlautet sei, handele es sich bei den Beschuldigten zum Teil um mittelständische Unternehmer und "regionale Größen".

In dem angelaufenen Großverfahren sind nach Informationen der Zeitung beim Amtsgericht Bochum mittlerweile über 900 Durchsuchungsbeschlüsse gegen insgesamt etwa 700 Beschuldigte erwirkt worden. Diese sollen bei Razzien in den kommenden Wochen vollstreckt werden. Im Gespräch sei eine Gesamtsumme von 3,4 Milliarden Euro, die am Fiskus vorbei nach Liechtenstein geschleust worden sein soll. Bereits am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft der Zeitung zufolge außer den Wohn- und Geschäftsräumen Zumwinkels die Räumlichkeiten zwölf weiterer Beschuldigter im Ruhrgebiet durchsucht.

Nach Angaben des "Handelsblatt" (Online-Ausgabe vom Freitag) ist in den Skandal offenbar nicht nur die LGT-Bank des Liechtensteinischen Fürstenhauses verwickelt. Geprüft wird laut Zeitung nun vor allem auch, ob nicht schon diverse Fälle verjährt sind. "Die Gelder liegen dort ja schon ein paar Jahre", habe es in Ermittlerkreisen geheißen. Selbstanzeigen dürften von Tag zu Tag schwerer werden, weil entdeckte Täter, die von ihrer Enttarnung wissen, sich nicht mehr "freiwillig" selbst ausliefern könnten.

Die Unterlagen aus Liechtenstein habe die Staatsanwaltschaft von der Finanzverwaltung erhalten, zitiert einen Staatsanwalt. Es verdichteten sich jedoch Vermutungen, so das Blatt, dass ein Mitarbeiter der LGT-Bank die Daten gestohlen und sich damit an den Bundesnachrichtendienst (BND)gewandt habe. Der BND habe sie dann an die Steuerfahndung in Wuppertal weitergegeben.

Quelle: afp

 
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